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Das Büro der Organisation "Breaking the Silence" in Tel Aviv.
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Das Büro der Organisation "Breaking the Silence" in Tel Aviv.

Israel

Rückschlag für Friedensaktivisten

  • Inge Günther
    VonInge Günther
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Der Sprecher der Soldatenorganisation "Breaking the Silence" wird der Lüge bezichtigt. Netanjahus Regierung stört die Kritik der linken Veteranen.

Für die Nationalrechten in Israel sind sie „Nestbeschmutzer“, die Mitglieder der linken Soldatenorganisation „Breaking the Silence“, die seit nunmehr 13 Jahren den Besatzungsalltag im Westjordanland dokumentieren. Oft genug sind das unschöne Vorfälle und Willkürakte, über die sich das Militär lieber ausschweigt. Die kritischen Zeugenaussagen passen schlecht ins Bild von der „moralischsten Armee der Welt“, das die israelischen Streitkräfte von sich selbst pflegen.

Doch jetzt steht die Glaubwürdigkeit von „Breaking the Silence“ auf dem Prüfstand. Der Vorwurf: Sprecher Dean Issacharoff habe die Selbstbezichtigung, im März 2014 als Offizier in Hebron einen festgenommenen Palästinenser blutig geschlagen zu haben, frei erfunden. Das Bekenntnis, zugeschlagen zu haben, hatte Issacharoff im Frühjahr öffentlich abgelegt. Rechte Gruppierungen drängten daraufhin die Justiz, ihn vor Gericht zu bringen.

Die Ermittler ließen sich nicht lange bitten und kamen zum Ergebnis, das angebliche palästinensische Opfer sei gar nicht von Issacharoff, sondern von Grenzpolizisten misshandelt worden.

Netanjahu prescht vor

Worauf wiederum Premier Benjamin Netanjahu, der bei „Breaking the Silence“ schnell rotsieht – wie auch Bundesaußenminister Sigmar Gabriel weiß – mit einem Facebook-Eintrag vorpreschte. Endlich sei die Organisation, „die unsere Soldaten in aller Welt schlecht macht“, der Lüge überführt. „Dieser Fakt“ sei nun erwiesen, schrieb Netanjahu voller Genugtuung, „falls jemand noch Zweifel hatte“. Das klang, als ob er nun ein für allemal ein schlagendes Argument in der Tasche hätte, sollten ausländische Politiker wie Gabriel der Idee verfallen, sich mit „Breaking the Silence“-Vertretern zu treffen.

Doch Netanjahus Jubel war wohl verfrüht. Der Beschuldigte machte geltend, die Ermittler hätten das falsche Opfer befragt. Der richtige Mann sei ein Palästinenser namens Faisal al-Natsche.

Als Beleg präsentierte Issacharoff ein Video der Bürgerrechtsorganisation „B’Tselem“, das ihn beim Abführen des gefesselten und mit leichten Blessuren versehenen al-Natsche zeigt. Bloß kann der sich an kein Gesicht erinnern. Einige Soldaten wiederum bestreiten das Geschehen, nur einer bestätigt die Aussage des „Breaking the Silence“-Sprechers.

Der Streit wirkt absurd

Der Streit, welche Version der Wahrheit am nächsten kommt, wirkt schon deshalb etwas absurd, weil offenkundig Prügel bei Armeeeinsätzen gegen palästinensische Demonstranten keine Ausnahme sind. In der Regel wird selten etwas davon geahndet. Bürgerrechtsanwalt Michael Sfard hielt denn auch der Staatsanwaltschaft vor, sie habe sich von politischen Interessen leiten lassen.

Eine rechte Kampagne brachte gar die Forderung auf, Jeremy Issacharoff, den Vater des „Breaking the Silence“-Aktivisten, als Israels Botschafter in Berlin unverzüglich abzuberufen. Nach dem Motto: Bei so einem linken Sohn kann der Vater nicht ganz koscher sein. Vize-Außenministerin Zipi Hotovely stellte sich inzwischen hinter ihren Diplomaten. Aber auch das versprach sie: „Der Kampf gegen ‚Breaking the Silence‘ geht weiter.“

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