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„Wahlbetrug“-Märchen

Rudy Giuliani: Kronzeugin Melissa Carone vertraut nur Donald Trump - „Weil er sich um uns kümmert“

  • Christian Stör
    vonChristian Stör
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  • Mirko Schmid
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Melissa Carone, die Kronzeugin von Trump-Anwalt Rudy Giuliani, äußerst sich erstmals zu ihrem bizarren Auftritt.

  • Rudy Giuliani ist das bekannteste Gesicht des Teams um Donald Trump im Kampf gegen die Integrität der US-Wahl 2020.
  • Der persönliche Anwalt von Donald Trump präsentierte bei einer Anhörung in Michigan eine merkwürdige Kronzeugin.
  • Alles rund um den abgewählten Präsidenten der USA finden Sie in den Trump News.

Update vom Donnerstag, 10.12.2020, 13.35 Uhr: Sind das die berühmten 15 Minuten des Ruhms, von denen einst Andy Warhol gesprochen hat? Jedenfalls ist Melissa Carone nach ihrem bizarren Auftritt als Kronzeugin von Rudy Giuliani bei einer sogenannten Anhörung zum möglichen Wahlbetrug in Michigan in aller Munde. Selbst die legendäre Comedy-Show Saturday Night Live hat sich zuletzt mit ihr beschäftigt (siehe Update vom 6.12.).

Nun hat Carone auch erste Interviews gegeben. In dem Gespräch mit „Inside Edition“ stellte sie zunächst einmal klar, dass sie bei ihrer Aussage nicht betrunken gewesen sei – wovon viele Beobachter:innen aufgrund ihres Verhaltens fest überzeugt waren. „Ich würde unter Eid schwören, dass ich nicht betrunken war“, sagte Carone, die die Kritik an ihrer Person nicht weiter zu stören scheint: Sie sei darüber „nicht verletzt“ und erklärte: „Das ist meine Persönlichkeit.“

Melissa Carone: Rudy Giulianis Kornzeugin begibt sich nicht in Quarantäne

Auch der Umstand, dass Rudy Giuliani und Trump-Anwältin Jenna Ellis inzwischen positiv auf das Coronavirus getestet wurden, scheint sie nicht weiter zu kümmern. Sie sei „überhaupt nicht besorgt, nein“, sagte Carone, obwohl sie neben Giuliani und Ellis gesessen hat und niemand eine Maske trug. Dass sie sich deshalb aufgrund einer Verordnung des Gesundheitsministeriums eigentlich bis zum 12. Dezember hätte in Quarantäne begeben müssen, ist für Carone auch kein Thema. Der „Washington Post“ sagte sie, dass sie von einer solchen Anordnung nichts wisse. 

Sie will sich auch nicht testen lassen. Sie vertraue den Tests nicht. Sie würde es allerdings tun, wenn TV-Sender wie One American News oder Newsmax ihr dazu rieten. Das hat damit zu tun, dass diese Anstalten Donald Trump freundlich gesinnt sind. Alles, was Trump sage, nehme sie auch ernst, sagte sie der „Washington Post“: „Weil Trump sich wirklich um uns hier in Amerika kümmert.“

Auch über Rudy Giuliani sprach sie nur in höchsten Tönen. Er sei einer der „respektvollsten, höflichsten und bodenständigsten Menschen“, die sie je getroffen habe“, so Melissa Carone: „Er ist großartig.“

SNL setzt bei Melissa Carone und Rudy Giuliani noch eins drauf

Update vom Sonntag, 06.12.2020, 10.39 Uhr: Nach dem verwirrenden Auftritt von Rudy Giulianis Zeugin Melissa Carone bei einer Anhörung zum möglichen Wahlbetrug in Michigan hat die beliebte Comedy-Show „Saturday Night Life“ den Vorfall in einem Sketch verarbeitet. Es war die erste Sendung seit der US-Wahl im November.

In dem Sketch kommen sowohl Rudy Giuliani (gespielt von Kate McKinnon), als auch Melissa Carone (gespielt von Cecily Strong) zu Wort. Und obwohl der Auftritt von Carone bei der Anhörung schon ungewöhnlich genug war, schaffen es die Komiker, noch eins draufzusetzen. „Ich persönliche habe hunderte, wenn nicht tausende tote Menschen wählen sehen“, so die falsche Carone. Als diese dann auch noch den Wahlmaschinen-Hersteller Dominion mit der Pizza-Kette Domino‘s verwechselt, wird es auch McKinnons Giuliani zu viel. Doch da ist, wie im echten Leben, der Schaden schon angerichtet.

Besonders wird die kurze Aufführung bei Saturday Night Life, weil bereits die echte Aussage von Melissa Carone mit einem Charakter aus der Sketch-Show verglichen wurde. Ein entsprechender Twitter-Post von HuffPost-Journalist Ryan J. Reilly erreichte tausende Nutzer:innen. Wie Rudy Giuliani auf seine Darstellung bei SNL reagierte, war zunächst nicht bekannt.

Rudy Giuliana bleibt trotz peinlichem Auftritt in Michigan dran

Update vom 04.12.2020, 11.00 Uhr: Rudy Giuliani bleibt weiter tapfer am Ball. Noch immer versucht der persönliche Anwalt von Donald Trump, das Ergebnis der US-Wahl 2020 zugunsten seines Klienten zu ändern. Wahrscheinlich tut er dies, um sich selbst vor einer Strafverfolgung zu schützen (siehe Erstmeldung). Inzwischen zieht er allerdings nicht mehr vor Gericht, jetzt setzt er darauf, die Parlamente in den einzelnen Bundesstaaten davon zu überzeugen, die dort beglaubigten Siege von Joe Biden einfach zu ignorieren und eine Liste von Wahlleuten zusammenzustellen, die am 14. Dezember im Electoral College für Donald Trump stimmen sollen.

Die jüngste Anhörung in Michigan entwickelte sich allerdings recht schnell zu einer wahren Lachnummer. Eine der Zeuginnen vor Ort war Melissa Carone, die von sich behauptet, für die Wahlmaschinenfirma Dominion gearbeitet zu haben. Ihr Name tauchte schon vor Wochen bei einer Klage gegen das Ergebnis des Landkreises Wayne County auf, wurde damals aber vom Gericht als „einfach nicht glaubwürdig“ abgetan.

Rudy Giuliani ist vom Auftritt seiner Starzeugin peinlich berührt

Als ein republikanische Abgeordneter sie auf offensichtliche Fehler in ihrer etwas wirren Aussage hinwies, konnte Carone plötzlich nicht mehr an sich halten, beschimpfte lautstark die Wahlverantwortlichen und verstieg sich schließlich zu der Aussage, dass die Wahlbeteiligung bei „120 Prozent“ gelegen habe. An dieser Stelle wurde es dann selbst Rudy Giuliani zu viel. Mühsam versuchte er seine Starzeugin zu beruhigen. Doch da war der Schaden schon angerichtet.

Melisa Carone und Rudy Giuliani während der Anhörung in Michigan.

Carone erinnerte viele Menschen in den USA an eine Figur aus der legendären TV-Comedyshow Saturday Night Live. Damit stellte sie sowohl Donald Trumps 46-minütige Verschwörungsrede als auch Rudy Giulianis Merkwürdigkeiten der vergangenen Wochen völlig in den Schatten. Und das will was heißen.

Rudy Giuliani: Jetzt ermittelt das FBI gegen den Anwalt von Donald Trump

Erstmeldung vom 03.12.2020: Washington D.C. - Das unwürdige Schauspiel, das Rudy Giuliani seit Wochen aufführt, um einen angeblichen „Wahlbetrug“ zuungunsten von Donald Trump mit frei erfundenen „Beweisen“ ans Licht zu bringen, könnte lediglich ein Mittel sein, sich selbst vor einer Strafverfolgung zu schützen. Wie „The Daily Beast“ berichtet, ermittelt das FBI schon lange gegen den ehemaligen Bürgermeister von New York. Bereits Wochen vor der US-Wahl 2020 hat das FBI seine Fühler Richtung Giuliani ausgestreckt. Im Fokus der Ermittlungen sollen Machenschaften von Giuliani und den ehemaligen Sowjet-Protagonisten Lev Parnas und Igor Fruman stehen.

Rudy Giualiani ist der Anwalt von US-Präsident Donald Trump. Gegen ihn ermittelt aktuell das FBI. (Archivfoto)

Donald Trump-Wahlkampf: FBI ermittelt gegen Rudy Giualiani wegen illegalen Machenschaften im Ausland

Rudy Giuliani war im Vorfeld der US-Wahl mehrfach ins Ausland - zumeist in die Ukraine - gereist, um dort Verbündete zu suchen, die ihm bei seiner Suche nach dreckiger Wäsche gegen Joe Biden helfen sollten. Im Rahmen dieser Reisen soll sich Giuliani, der sich vom persönlichen Anwalt inzwischen zum Frontkämpfer für Donald Trump entwickelt hat, mit ebenjenen Lev Parnas und Igor Fruman getroffen haben.

Sowohl Parnas als auch Fruman stehen im Fokus der US-Justiz, ihre Anwälte sollen in enger Absprache mit den Strafverfolgungsbehörden stehen, um etwaige Deals auszuhandeln, die sie vor weiteren Ermittlungen schützen und ihnen ein milderes Urteil bescheren sollen. Beide Mitarbeiter von Rudy Giuliani bekennen sich bisher für nicht schuldig, ihre Fälle sollen in den USA vor Gericht verhandelt werden, sobald die durch Corona bedingten Einreiserestriktionen gelockert werden.

Bei den Anschuldigungen gegen Lev Parnas und Igor Fruman geht es um Geldwäsche, Finanzverbrechen sowie um Verstöße gegen Wahl- und Lobbygesetze der USA. Laut des Online-Magazins fordert die Staatsanwaltschaft belastbare Beweise gegen Rudy Giuliani, um einen Deal zu ermöglichen. Und die könnten es in sich haben, sollte Giuliani beispielsweise Schwarzgeld gezahlt oder reguläre und für den US-Fiskus einsehbare Zahlungswege umgangen haben, um die beiden Ex-Sowjets für ihre Mühen im schmutzigen Kampf gegen Joe Biden und somit für eine Wiederwahl von Donald Trump zu entlohnen.

NameRudolph William Louis „Rudy“ Giuliani III
Alter76 Jahre
BerufJurist
Aktuelle FunktionPersönlicher Anwalt von Donald Trump
Frühere FunktionenCyber-Sicherheitsberater von Donald Trump
Beratungsunternehmer für Notfall- und Krisenmanagement
Präsidentschaftskandidat (Republikaner, Vorwahl 2008)
Bürgermeister von New York City
Bundesstaatsanwalt (Southern District of New York)
Assoziierter Generalstaatsanwalt im US-Justizministerium
Rechtsanwalt

Rudy Giuliani sichert sich mit seinem Kampf für Donald Trump zunächst vor Strafverfolgung ab

„The Daily Beast“ geht davon aus, dass die US-Strafverfolgungsbehörden, namentlich das FBI und die Bundesstaatsanwaltschaft, Rudy Giuliani bisher nur deswegen unbehelligt gelassen haben, weil öffentliche Ermittlungen gegen den vehementesten Vertreter der Verschwörungstheorien eines Donald Trump im Wahlkampf als politische Einflussnahme hätten gewertet werden können. Das Magazin geht davon aus, dass die Behörden Giulianis peinliches Festhalten am Vorwurf eines „Wahlbetruges“ abwarten, da „die FBI-Agenten nicht auf die Bühne springen werden, um ihm Handschellen anzulegen, während die Kameras noch auf ihn gerichtet sind“. Eine Verurteilung könnte Giuliani seine Anwaltslizenz kosten oder sogar zu einer Haftstrafe führen.

Und so liegt es nahe, dass Rudy Giuliani versucht, das Märchen vom „Wahlbetrug“ möglichst lange auf der öffentlichen Agenda zu halten, bis Donald Trump ihn per Begnadigung zumindest vor Strafverfolgung auf Bundesebene schützt. Allerdings spielt er damit ein gefährliches politisches Spiel. Mit jedem Tag länger, an dem er dem Präsidenten einen Zerrspiegel vorhält, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Trump sein Vertrauen in den Anführer seiner juristischen „Strike Force“ verliert.

Das wiederum könnte dazu führen, dass Donald Trump den Daumen über Rudy Giuliani senkt, schließlich wäre eine Begnadigung ein indirektes Eingeständnis von Trump selbst, die Hand über die halbseidenen Machenschaften seines Anwalts im Ausland zu halten. Es könnte vielmehr sein, dass Trump seinen loyalen Handlanger zum Bauernopfer macht, um nicht gemeinsam mit ihm als Verlierer dazustehen. (Mirko Schmid, Christian Stör)

Rubriklistenbild: © afp/JEFF KOWALSKY

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