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Ron DeSantis: So tickt der „klügere und diszipliniertere“ Trump

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Von: Tim Vincent Dicke

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Ron DeSantis
Ron DeSantis wurde von Donald Trump groß gemacht – doch er hat eigene große Ziele. © Chandan Khanna/AFP

Ron DeSantis gilt als möglicher Präsidentschaftskandidat für die US-Wahl 2024. Ein Überblick zum republikanischen Gouverneur Floridas.

Washington D.C. – Der Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, gilt für viele in der Republikanischen Partei als großer Hoffnungsträger. Als langjähriger Unterstützer des früheren US-Präsidenten Donald Trump konnte er in letzter Zeit ein immer schärferes Profil aufbauen. DeSantis vertritt streng konservative Positionen und provoziert in Trumpscher Manier. Doch wer ist der Mann, dem Ambitionen für die US-Wahl 2024 nachgesagt werden?

Geburtsdatum14. September 1978
GeburtsortJacksonville (Florida)
ParteiRepublikanische Partei
Politisches AmtGouverneur von Florida
EhepartnerinCasey DeSantis
StudiumGeschichte und Jura

Ron DeSantis behauptet sich als Floridas Gouverneur

Die Bewährungsprobe für die kommenden Präsidentschaftswahlen hat DeSantis bestanden. Bei den Midterms am 8. November 2022 setzte sich der Republikaner mit mehr als 59 Prozent der Stimmen gegen den gemäßigten Demokraten Charlie Crist (40 Prozent) durch. DeSantis behauptete somit sein Amt als Gouverneur Floridas.

Herkunft und Ausbildung von Ron DeSantis

Ron DeSantis wurde am 14. September in Jacksonville, der größten Stadt im US-Bundesstaat Florida, geboren. Er hat südeuropäische Wurzeln, alle seiner acht Urgroßeltern sind aus Italien in die Vereinigten Staaten eingewandert. Seine Eltern Ronald DeSantis Sr. und Karen Rogers lebten bereits in Florida.

Der junge DeSantis besuchte die Dunedin High School und studierte später Geschichte an der Yale University, das Studium schloss er mit dem Bachelor ab. Während seiner Yale-Zeit war er Kapitän des College-Baseballteams und Teil der Studentenverbindung Delta Kappa Epsilon, in der nur Männer Mitglieder werden können. Danach begann der spätere Gouverneur ein Jurastudium an der Elite-Uni Harvard, welches er 2005 beendete.

Während DeSantis in Harvard studierte, schloss er sich als Offiziersanwärter der US-Navy an. Im Verlauf seiner militärischen Karriere bei der Marine wurde DeSantis als Berater eines Kommandeurs der Navy Seals in den Irak entsandt, um die dortige US-Mission zu unterstützen. Nach dem Militär ernannte ihn das US-Justizministerium zum Ermittler im Büro des Bundesstaatsanwalts im zentralen Bezirk von Florida. Laut eigener Darstellung sei DeSantis in dieser Zeit insbesondere gegen „Kinderschänder vorgegangen“ und habe harte Urteile gegen diese verhängt.

Wie der Republikaner die Aufmerksamkeit von Donald Trump bekam

2012 konnte sich der Republikaner gegen seine damalige demokratische Gegnerin Heather Beaven durchsetzen und schaffte es in das US-Repräsentantenhaus in Washington. Dort war er Teil der erzkonservativen Gruppierung Freedom Caucus, die auch für republikanische Verhältnisse radikale Ansichten vertritt. Das Wirken in der Fraktion machte ihn für rechte Medien interessant. Im konservativen Nachrichtensender Fox News fing er an, Loblieder auf Donald Trump zu singen und den damaligen US-Präsidenten zu verteidigen.

Diese Schmeicheleien gefielen Trump, was wiederum DeSantis für seine eigenen politischen Pläne nutzen konnte. Er entschied sich, aus der Bundespolitik auszuscheiden und trat 2018 bei der Gouverneurswahl in Florida an, die er mit einem hauchdünnen Vorsprung gewann. Nach dem Wahlsieg nannte Trump den frisch gebackenen Sieger einen „besonderen Menschen, der einen unglaublichen Job gemacht hat“. DeSantis werde „ein fantastischer Gouverneur sein“.

DeSantis startete in das Amt am 8. Januar 2019, seitdem hat er als Gouverneur des „Sunshine States“ die Fäden der Macht in den eigenen Händen. Der Republikaner gilt als jüngere Alternative zu Donald Trump, dessen politische Ideen er unterstützt. Während in den USA die Pandemie mit voller Wucht grassierte, verharmlosten beide Politiker die Gefahr des Virus. Trump sprach sich gegen Regelungen aus, um der Corona-Verbreitung Herr zu werden, DeSantis folgte und hob schneller als andere Bundesstaaten die Pandemie-Regeln auf.

DeSantis führte in Florida Anti-Abtreibungs-Gesetz ein

Sonst gibt sich der Politiker als republikanischer Hardliner – so ist er beispielsweise strikt gegen Abtreibungen. 2022 führte er in Florida ein weitgehendes Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen nach der 15. Woche ein. „Wir sind heute hier, um diejenigen zu verteidigen, die sich nicht selbst verteidigen können“, sagte DeSantis bei der Unterschreibung des Gesetzes. Abtreibungen nach dem Zeitraum sind in dem Bundesstaat seitdem nur noch als Ausnahme möglich, etwa wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist oder der Fötus eine tödliche Anomalie aufweist, nicht aber zum Beispiel im Fall einer Vergewaltigung.

Auch gegenüber der LGBTQ-Gemeinschaft fährt der Republikaner einen harten Kurs. Ebenfalls seit 2022 gilt in Florida ein Gesetz, das den Unterricht über sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität in Grundschulen verbietet. „Wir werden dafür sorgen, dass Eltern ihre Kinder zur Schule schicken können, um Bildung zu erhalten, keine Indoktrination“, so der Republikaner.

In dem sogenannten „Don‘t Say Gay“-Gesetzestext heißt es: „Unterricht im Klassenzimmer durch Schulpersonal oder Dritte über sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität darf weder im Kindergarten noch bis zur dritten Klasse oder in einer Weise stattfinden, die nicht alters- oder entwicklungsgemäß für Schüler in Übereinstimmung mit den staatlichen Standards ist.“ Nach Ansicht von Kritiker:innen ermöglicht diese schwammige Formulierung, das Gesetz auch auf ältere Kinder anzuwenden.

DeSantis „hat Donald Trump erfolgreicher genutzt als jeder andere Republikaner“

Der Gouverneur will ein „Anti-Woke“-Gesetz in Florida durchdrücken. Es soll eine angebliche „Woke-Indoktrination“ der Demokrat:innen in Unternehmen und Schulen in Florida bekämpfen, indem es Unterweisungen verbietet, die insbesondere weißen Personen das Gefühl geben könnten, dass sie aufgrund ihres ethnischen Hintergrunds, ihres Geschlechts oder ihrer nationalen Herkunft „persönliche Verantwortung“ für historische Untaten tragen, heißt es in dem Gesetz. Ein Bundesrichter blockiert jedoch die Durchführung des Gesetzes, da es verfassungswidrig sei.

DeSantis ist mit seinen politischen Ansichten kaum von Trump zu unterscheiden. Trotzdem befindet er sich mehr und mehr auf dem Kriegsfuß mit dem früheren Präsidenten. Offenbar weil er 2024 selbst republikanischer Präsidentschaftskandidat werden will, so sehen es zumindest Beobachter:innen der US-Politik.

„Er hat Donald Trump – und das meine ich ein wenig abwertend – wahrscheinlich erfolgreicher genutzt als jeder andere Republikaner im Land. Als Donald Trump auftauchte, war Ron DeSantis einer seiner besten Botschafter. Auf Fox News war er ein Evangelist. Er war sein Verteidiger. Und Donald Trump hat es ihm heimgezahlt“, sagte David Jolly, ehemaliger republikanischer Politiker aus Florida, dem US-Sender NPR.

Wahlen in den USA: Tritt der Gouverneur von Florida 2024 an?

Doch nachdem er zum politischen Oberhaupt von Florida gewählt wurde, änderte sich seine Strategie. „Wichtig ist, dass Ron DeSantis, als er gewählt wurde, entgegen der landläufigen Meinung von Donald Trump abgerückt ist und sich zurückgezogen hat. Er war nicht mehr Trumps Verteidiger auf Fox News, nicht mehr sein Evangelist. Ron DeSantis begann, sich auf Ron DeSantis und seine unvermeidliche Kandidatur für das Weiße Haus zu konzentrieren“, so Experte Jolly.

In Folge dieses Dolchstoßes hat sich der Ex-Präsident auf seinen Konkurrenten, den ein republikanischer Großspender mit den Worten „wie Trump, aber ein bisschen klüger, disziplinierter und schroff, ohne zu schroff zu sein“ beschreibt, eingeschossen.

Trump sieht DeSantis offenbar als größte Bedrohung für seine mögliche Kandidatur bei der US-Wahl 2024 an – und bezeichnete ihn als „fette Heulsuse“. Laut New-York-Times-Journalistin Maggie Haberman hat Trump den Gouverneur Floridas wiederholt als „fett“, „falsch“ und „weinerlich“ beschrieben. Doch auch Floridas Gouverneur ist nicht gut auf den Ex-Präsidenten zu sprechen. Donald Trump sei nichts weiter als ein „Idiot“, der kein Geschäft am Laufen habe, so DeSantis. (tvd)

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