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Auch in Berlin gab es eine Aktion anlässlich des Welt-Roma-Tages: Demonstranten fordern einen Abschiebestopp in den Westbalkan.

Roma

Roma-Vertreter prangern schleppende Entschädigung an

Welttag der Roma: Opferverbände in Rumänien rufen die Behörden auf, die Rechte von Deportierten aus der NS-Zeit stärker zu respektieren.

Anlässlich des Welttages der Roma haben Opferverbände in Rumänien die schleppende Entschädigung der letzten Überlebenden aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges angeprangert. "Wir rufen die Behörden auf, die Rechte der einstigen Deportierten zu respektieren", sagte Ciprian Necula von der Vereinigung der Roma der Nachrichtenagentur AFP. Einem rumänischen Gesetz aus dem Jahr 2000 zufolge erhalten Holocaust-Überlebende eine Entschädigung von derzeit umgerechnet 55 Euro pro Monat für jedes Jahr Haft oder Deportation.

Doch vielen Betroffenen zufolge verschleppen die Behörden in Rumänien die Anträge auf Entschädigung und fordern "absurde Beweise". Necula verwies darauf, dass zahlreiche Roma keine Personaldokumente hatten und ihre Namen deshalb nicht in den Archiven auftauchten. "Das Gesetz gestattet, die Entschädigung auch auf der Grundlage von Erklärungen von zwei Zeugen zu fordern, aber die Beamten weigern sich, das anzuerkennen."

Antragsteller würden mit Sätzen wie "Welcher Holocaust?" oder "Das Gesetz betrifft Roma nicht" oder auch "Ihr Zigeuner stehlt nur" abgefertigt, berichtete auch der Historiker Petre Matei, Autor mehrerer Bücher über die Deportation von Roma zur Nazi-Zeit. Eine von etwa 1500 Menschen unterschriebene Petition prangert das Vorgehen der Behörden an. Darin wird auch darauf verwiesen, dass mit jedem verstrichenen Monat die Zahl der Anspruchsberechtigten sinke, denn die meisten Betroffenen seien heute älter als 85 Jahre.

Einem Bericht einer internationalen Historikerkommission von 2004 zufolge wurden zwischen 1942 und 1944 etwa 25.000 Roma, darunter tausende Kinder, vom damaligen Pro-Nazi-Regime in Rumänien nach Transnistrien deportiert. Die Hälfte starb durch Hunger oder Kälte. Menschenrechtsorganisationen zufolge leben heute noch etwa 200 Opfer, von denen die Hälfte nicht entschädigt worden sei. (AFP)

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