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Rolf Mützenich.

Rolf Mützenich

Der Verlässliche im Hintergrund

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Rolf Mützenich bewahrt Haltung und versucht, aus der zweiten Reihe etwas zu bewegen.

In Zeiten, in denen die Sozialdemokraten ihr Spitzenpersonal schneller verschleißen als der Hamburger SV, ist Rolf Mützenich (59) so etwas wie ihr Zeugwart. Wenn man ihn braucht, ist er zur Stelle. Geräuschlos, sachlich, unprätentiös. Die Genossen wissen: Auf den Kölner Bundestagsabgeordneten können sie sich verlassen. Dazu ist er zu lange an Bord, kennt den Laden wie kein Zweiter. Und wenn es ihn kurzzeitig mal nach vorne spült, weil die Hütte brennt, macht er diesen Job. Als Dienstältester im Fraktionsvorstand wird Mützenich, Experte für Außen-, Verteidigungs- und Entwicklungspolitik sowie Menschenrechtsfragen, Andrea Nahles als Fraktionsvorsitzender beerben. Kommissarisch bis zu einer Neuwahl.

Seit 2002 sitzt der Politikwissenschaftler im Bundestag, hat seinen Wahlkreis im Kölner Norden immer direkt erobern können. Mützenich, der sich von der Hauptschule über das Gymnasium bis zum Studium vorarbeitete, hat in der SPD durchgedrückt, dass seine Partei zumindest bis Herbst keine deutschen Waffen an Saudi-Arabien mehr verkaufen lassen will, kritisiert die Entscheidung des US-Präsidenten Donald Trump, den Vertrag über landgestützte Mittelstreckenraketen in Europa zu kündigen, mit den Worten, dass es „weltweit mehr unverantwortliche Entscheider als Verantwortungsträger gibt“.

In der Groko will Mützenich Druck machen bei der Grundrente und dem Klimaschutzgesetz – und so mancher in der Partei fragt sich, warum er davon noch nichts gehört hat. Was nicht an Mützenich liegt. Bloß weil er nicht twittert, selten Interviews gibt, dafür lieber Gastbeiträge schreibt oder vor 20 Zuhörern bei einer Europaveranstaltung im Rheinland über die Herausforderungen der internationalen Politik diskutiert. So manch einer in der SPD hat sich im Laufe der vielen Krisen schon gewünscht, Mützenich würde mal so richtig mit der Faust auf den Tisch hauen. Macht er aber nicht. Er bewahrt lieber Haltung und versucht, aus der zweiten Reihe etwas zu bewegen.

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