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Roger Stone fühlte sich offenbar zu sicher.

Mueller-Ermittlungen

Zwielichtiger Meister der Gerüchte

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Die Festnahme des Ex-Beraters Roger Stone ist ein dramatischer Schlag für den US-Präsidenten.

Zuletzt hatte er sich sicher gefühlt. Zu sicher offenbar. Anderthalb Jahre lang lief die Untersuchung des Russland-Sonderermittlers Robert Mueller schon, doch bei Roger Stone, dem selbstproklamierten „schmutzigen Betrüger“ unter Donald Trumps Vertrauten, waren keine Beamten aufgetaucht. Der 66-Jährige führe ein normales Leben und verabrede sich freitagabends wieder in seiner Lieblingspizzeria, berichteten Freunde kürzlich.

Das war wohl ein bisschen voreilig. Am gestrigen Freitagmorgen um kurz nach sechs Uhr stürmten im Morgengrauen Dutzende FBI-Beamte auf das mit Nixon-Devotionalien vollgestellte Haus des ultrarechten Verschwörungstheoretikers in Fort Lauderdale an der Atlantikküste Floridas zu und nahmen ihn fest. Die von einem CNN-Kamerateam festgehaltene Szene dürfte den bislang wohl dramatischsten Schlag für den US-Präsidenten in der Mueller-Ermittlung zeigen.

Trump-Vertrauter Stone festgenommen

Die 24-seitige Anklageschrift wirft Stone eine versuchte Zeugenbeeinflussung, die Behinderung der Behörden und fünf Fälle von Falschaussagen vor. Im Kern geht es um die Verbindungen des exzentrischen Politikberaters zur umstrittenen Enthüllungsplattform WikiLeaks. Dort waren im Oktober 2016 Tausende private E-Mails des Leiters der Hillary-Clinton-Kampagne veröffentlicht worden, die zuvor bei einem russischen Hackerangriff vom Server der Demokratischen Partei gestohlen wurden. Stone steht im Verdacht, den Kontakt zwischen dem Hacker und WikiLeaks hergestellt zu haben. Bei einem Verfahren könnte sich herausstellen, dass auch Trump von den kriminellen Aktionen zur Schädigung seiner Gegenkandidatin wusste. Bereits fünf Tage vor der Veröffentlichung der E-Mails auf WikiLeaks hatte Stone getwittert: „Hillary Clinton ist erledigt. #WikiLeaks.“ Er bestritt jedoch stets, irgendetwas Konkretes gewusst und Kontakt zu dem russischen Hacker gehabt zu haben. Die Anklageschrift zitiert nun die SMS-Nachricht des Mitarbeiters eines hochrangigen Vertreters der Trump-Kampagne, der Stone kurz nach der Veröffentlichung gratulierte: „Gut gemacht.“

Offiziell stand der schillernde Nixon-Verehrer, der sich ein Porträt seines Idols auf den Rücken tätowieren ließ, zu dieser Zeit nicht mehr in den Diensten der Trump-Kampagne. Doch ist er mit dem heutigen Präsidenten auf vielfache Weise seit vier Jahrzehnten verbunden. Im Jahr 1998 soll er in seiner damaligen Funktion als Lobbyist für die Trump-Casinos seinen Chef erstmals aufgefordert haben, für das Präsidentenamt zu kandidieren. Auch nach seinem offiziellen Ausscheiden aus den Diensten des Milliardärs unterstützte er diesen weiter und finanzierte unter anderem eine 17 Meter große digitale Werbetafel am Times Square in Manhattan, die Trump als Superman zeigte.

Bei der Wahl seiner Mittel war Stone nie zimperlich. Sein Motto lautet „Angriff, Angriff, Angriff – niemals Verteidigung.“ So setzte er zahlreiche falsche Gerüchte und Verschwörungstheorien in die Welt, um Trump zu unterstützen. Eine Fernsehmoderatorin beschimpfte er als „divenhafte Nutte“, einen männlichen Kollegen verunglimpfte er als „fetten Schwarzen“.

Im vergangenen Dezember erklärte Stone, er werde niemals gegen Trump aussagen. „Es ist schön, ein paar Leute zu haben die immer noch Mumm haben“, twitterte der Präsident. Offenbar haben Muellers Staatsanwälte haben nun aber ernsthafte Beweise für Gesetzesverstöße von Stone. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich der Präsident auf die Loyalität des exaltierten Vertrauten, der angeblich 100 silberne Krawatten hat und nie Socken unter seinen Anzügen trägt, noch verlassen kann.

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