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Franziskus’ Alomosenbeauftragter: Konrad Krajewski (re.).

Katholische Kirche

Ein Kardinal trotzt Salvini

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In Handwerkermontur sorgt der „Robin Hood des Papstes“ für Strom in einem besetzten Haus.

Roms Obdachlose kennen ihn gut, den Monsignore Konrad Krajewski. Als Papst Franziskus den polnischen Geistlichen vor sechs Jahren zu seinem Almosenbeauftragten ernannte, ermahnte er ihn, nicht am Schreibtisch zu sitzen, sondern auf den Straßen unterwegs zu sein. Genau das tut der Kurienkardinal aus Lodz, der mit 55 Jahren der zweitjüngste im Vatikan ist. Er verteilt nicht nur Spenden an Wohnungslose und macht Ausflüge mit ihnen. Er war es auch, der dafür sorgte, dass Bedürftige unter den Säulengängen des Petersplatzes duschen und sich die Haare schneiden lassen können. Seine Dienstwohnung überließ er vor zwei Jahren einer syrischen Flüchtlingsfamilie und logiert seither im Büro.

In der Nacht zum Sonntag ließ sich Krajewski im Dienste der Armen nun sogar zu einer aufsehenerregenden illegalen Aktion hinreißen. Der Monsignore stieg in Arbeitskleidung in den Keller eines seit 2013 besetzten Hauses nahe des römischen Bahnhofs Termini. Dort entfernte er am Stromkasten die Sicherungsplomben, hantierte mit Kabeln und schaltete den seit einer Woche abgestellten Strom wieder ein.

Monsignore Krajewski manipulierte Stromzähler

450 Menschen hausen in dem siebenstöckigen Gebäude, in dem früher die Rentenbehörde des öffentlichen Dienstes untergebracht war. Italiener sind darunter, die seit Jahren auf eine Sozialwohnung warten, vor allem aber Migranten und Flüchtlinge aus 18 Ländern, die sonst auf der Straße leben müssten. Viele sind Muslime und fasten gerade im Ramadan. Außerdem haben mehr als 20 alternative Theater- und Kulturvereine in dem Gebäude ihr Domizil. Wegen 300 000 Euro Stromschulden war ihnen das Licht abgedreht worden.

Die Laien-Missionsschwester Adriana Dominici, die selbst in dem Haus lebt, sagte der Zeitung „La Repubblica“, die Situation sei schlimm gewesen. „Wir haben hier mehr als hundert Kinder, und mehr als ein Drittel der Bewohner sind alt, einige schwer krank.“ Es gab gefährliche Stürze, auch medizinische Geräte konnten nicht genutzt werden. Die Schwester informierte den päpstlichen Almosenbeauftragten, und der schritt zur Tat, nachdem er erst ergebnislos mit dem Stromversorger gesprochen hatte. Am Zähler hinterließ Krajewski als Zeichen seiner Verantwortung eine Visitenkarte. Unklar ist, ob der Vatikan die unbezahlten Rechnungen übernimmt oder die Vereine und Bewohner selbst. Sie seien ja bereit zu zahlen, sagten Vertreter der Vereine. Aber bislang hätten sie keinen regulären Stromvertrag.

Monsignore Krajewski droht nun ein Verfahren. Die Manipulation verplombter Stromzähler gilt als Straftat und kann in Italien mit Haft bis zu drei Jahren und einer Geldstrafe geahndet werden. Der Vatikan stellte sich hinter ihn und sprach von einer „Geste der Menschlichkeit“. Zeitungen feierten ihn am Montag als „Robin Hood des Papstes“. Aber natürlich sorgt die beherzte Tat auch für politische Kontroversen.

„Robin Hood des Papstes“ steht im Fokus Rechtsradikaler

„Ich erwarte, dass er nun auch die Stromschulden aller italienischen Familien zahlt, die in Schwierigkeiten sind, aber keine Häuser besetzen“, kommentierte der rechtsnationale Innenminister und Lega-Chef, Matteo Salvini, ein Gegenspieler des migrationsfreundlichen Papstes. Salvini will die fast einhundert besetzten Häuser und Wohnungen in Rom mit ihren fast 12 000 Bewohnern räumen lassen.

Bereits am Sonntag hatte die rechtsradikale Organisation Forza Nuova während des Angelus-Gebets auf dem Petersplatz gegen Franziskus protestiert. Auf einem Spruchband nannten ihn die Neofaschisten einen Verräter. Der Papst befördere den ethnischen Austausch der Europäer durch muslimische Zuwanderer.

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