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Robert Habeck findet: "Die Fokussierung auf Personen ist der völlig falsche Weg".

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Robert Habeck will von Hype nichts wissen

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Die Grünen stellen sich für die Europawahl auf und treten auf die Euphoriebremse.

Kein Zweifel: Die Grünen können gerade machen was sie wollen, es läuft einfach. Am Freitag wies eine aktuelle Umfrage den seit Januar amtierenden Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck als zweitbeliebtesten Politiker hinter Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) aus. Der 49-Jährige verdrängte Kanzlerin Angela Merkel auf Platz drei. Das Ranking passt ins Bild.

Schließlich befinden sich die Grünen auf einem noch bei der Bundestagswahl kaum vorstellbaren Höhenflug. Werte über 20 Prozent sind bundesweit längst der Normalfall.

Und doch wehrte sich Habeck gegen die Umfrage und gegen den Hype um seine Person. „Die Fokussierung auf Personen ist der völlig falsche Weg “, sagte er am Rande eines Parteitages der europäischen Grünen in Berlin und fügte hinzu: „Dass es gut läuft, liegt daran, dass wir gut im Team funktionieren.“ Dies gelte für ihn und seine Ko-Vorsitzende Annalena Baerbock ebenso wie „für die tolle Arbeit der Bundesgeschäftsstelle und der ganzen Partei“.

Ohnehin bedeute „diese Personen-Abfragerei eigentlich nicht die Welt, in der ich leben will“. Auf die Frage, warum die Grünen insgesamt in den Umfragen derzeit so auftrumpften, antwortete der Parteichef: „Weil wir nicht darüber nachdenken, ob wir erfolgreich sein wollen, sondern einfach unser Ding machen“.

Einfach ihr Ding machten denn auch die fünf deutschen Spitzengrünen, die beim Europakongress mittags auf dem Podium saßen und vor den ausländischen Gästen notgedrungen Englisch sprachen. Neben Habeck waren dies Fraktionschef Anton Hofreiter, Vize-Parteichefin Jamila Schäfer, die Vorsitzende der Grünen Jugend, Ricarda Lang, und die schleswig-holsteinische Landtagsabgeordnete Aminata Touré. Bei der Gelegenheit benannte Habeck erneut das grüne Erfolgsrezept: bescheiden, ernsthaft, positiv sein. Und: gut kommunizieren. „Wir müssen aufhören, immer nur über die Menschen statt mit den Menschen zu reden“, sagte er. Nötig sei, die vernachlässigte Klientel vor allem in Ostdeutschland, aber nicht nur in Ostdeutschland „aus ihrem radikalen Tunnel herauszuholen“.

Am Nachmittag stand die Wahl der europäischen Spitzenkandidaten ins Haus, die ohne Überraschung verlief: 54,5 Prozent der Delegierten stimmten im zweiten Wahlgang für Ska Keller. Gemeinsam mit dem Niederländer Bas Eickhout wird die 37-Jährige aus Guben in Brandenburg die grüne Europaliste bei der Europawahl im Mai anführen.

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