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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnte es am Wochenende erneut ab, ein konkretes Abzugsdatum für die Bundeswehr zu nennen.

Bundeswehrtruppen in Afghanistan

Risiko für Soldaten wächst

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Kommandeur Leidenberger erwartet mehr Gefechte mit den Taliban. Denn die Soldaten sollen gemeinsam mit afghanischen Sicherheitskräften in den bedrohten Gebieten aktiv werden.Von Steffen Hebestreit

Berlin. Der Kommandeur der Bundeswehrtruppen in Afghanistan, Brigagdegeneral Frank Leidenberger, sieht in der neuen Strategie der Regierung zunächst ein wachsendes Risiko für seine Soldaten. "Dadurch kann es mehr Gefechte geben", sagte Leidenberger der Bild am Sonntag.

Schließlich sehe der neue Ansatz vor, dass die Bundeswehr in der Anfangsphase "gemeinsam mit den afghanischen Sicherheitskräften in die bedrohten Gebiete vorgehen und dort den Gegner verdrängen" soll. Der General erwartet insgesamt allerdings eine deutliche Abnahme der Gefährdung, wenn die Truppe bald in der Fläche präsenter sei.

Leidenberger bestätigte darüber hinaus, dass künftig auch acht US-Kampfhubschrauber vom Typ "Apache" im Norden Afghanistans eingesetzt würden. Die Helikopter gehören zu den knapp 50 Hubschraubern, die im Mai dem Regionalkommando Nord unter deutscher Führung zugeteilt werden. Anders als bislang könnten diese Fluggeräte auch nachts eingesetzt werden, was die Handlungsmöglichkeit erweitere.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnte es am Wochenende erneut ab, ein konkretes Abzugsdatum für die Bundeswehr zu nennen. Obwohl die neue Strategie vorsieht, dass afghanische Sicherheitskräfte bis 2014 allein für die Sicherheit im Land verantwortlich sein sollen, müssten vor einem Abzug erst "unsere Ziele" erreicht werden, sagte Merkel.

Der Verantwortliche für den verheerenden Luftangriff auf zwei entführte Tanklaster Anfang September in Kundus, Oberst Georg Klein, gerät erneut unter Druck. Der Abschlussbericht der Internationalen Schutztruppe Isaf hält Klein vor, so der Spiegel, zahlreiche Nato-Vorschriften bei dem Einsatz umgangen zu haben und sich "vom System der gegenseitigen Kontrolle und gemeinsamen Verantwortung" dadurch isoliert zu haben, dass er den Einsatz aus dem Kommandostand der geheimen Task Force 47 geführt habe. Diese Einheit besteht zur Hälfte aus dem Kommando Spezialkräfte (KSK) und aus Aufklärern der Bundeswehr.

Laut Spiegel-Recherchen hat Klein zudem billigend in Kauf genommen, dass bei dem Bombardement die unbeteiligten Fahrer der entführten Laster zu Schaden kamen. Auf Nachfrage von US-Bomberpiloten habe er angegeben, nichts über das Schicksal der beiden zu wissen, obwohl ein Informant gemeldet hatte, dass nur ein Fahrer von den Entführern getötet worden sei. Seite 10

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