Türkische Innovation: Die Touristenblase gegen Corona, gesehen in Istanbul.
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Türkei

Risiko Reise

  • Marina Kormbaki
    vonMarina Kormbaki
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Die Türkische Gemeinde Deutschland kritisiert die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes.

Die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) hat die Bundesregierung aufgerufen, besser über die Folgen der Reisewarnung für die Türkei zu informieren sowie Reisen in und aus der Türkei zu erleichtern. „Millionen türkeistämmige Bürger würden im Sommer gern ihre Verwandten in der Türkei besuchen, aber die Ungewissheit ist groß – uns erreichen immer mehr Anfragen und Anrufe“, sagt der TGD-Vorsitzende Gökay Sofuoglu dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Besonders die von den Bundesländern veranlassten Quarantäneregelungen würden viele Menschen verunsichern. „Die türkische Regierung hat zugesichert, Urlauber vor Abflug auf das Virus zu testen und sie im Falle eines positiven Tests nicht ausreisen zu lassen – die Bundesregierung muss rasch sagen, ob die türkischen Gesundheitsbescheinigungen bundesweit akzeptiert werden oder nicht“, sagte Sofuoglu.

Die derzeit vielerorts geltenden 14-tägigen Quarantänepflichten für Rückkehrer aus dem „Risikoland“ Türkei machten vielen Deutschtürken und anderen Urlaubern einen Aufenthalt in der Türkei unmöglich. „Nach der Rückkehr aus dem Urlaub müssen die Menschen zurück zur Arbeit. Die Aufhebung der Quarantänepflicht für gesunde Rückkehrer würde vielen das Leben erleichtern“, sagte Sofuoglu.

Er rief die Bundesregierung daher dazu auf, die mittlerweile bis zum 31. August verlängerte Reisewarnung für die Türkei nicht als politisches Druckmittel einzusetzen. „Ob Reisen in die Türkei möglich sind oder nicht, sollte ausschließlich vom Infektionsgeschehen abhängen und nicht politisch missbraucht werden“, so Sofuoglu. Die vielen offenen Streitpunkte mit der Türkei müssten auf dem Verhandlungsweg gelöst werden – aber nicht auf dem Rücken der Deutschtürken.

Ungültige Versicherungen

„Millionen türkeistämmige Mitbürger mussten zum Ende des Fastenmonats Ramadan auf ein Wiedersehen mit ihrer Familie verzichten. Die Bundesregierung muss deutlich machen, dass sie den Wunsch der Menschen, in die Türkei zu reisen und sicher wieder zurückzukommen, ernst nimmt“, forderte Sofuoglu.

Die Türkei, das drittbeliebteste Urlaubsland der Deutschen nach Spanien und Italien, drängt gegenüber der Bundesregierung auf eine Aufhebung der Reisewarnung und wirbt um deutsche Touristen. Der türkische Außenminister Mevlüt Çavusoglu hatte sich kürzlich enttäuscht über die Beibehaltung der Reisewarnung gezeigt. „Die wissenschaftlichen Gründe hinter der Entscheidung sind für uns nur schwer zu verstehen“, sagte er dem „Spiegel“. Alles sei vorbereitet für eine sichere Reise in die Türkei. Am Samstag stellte Çavusoglu in der Urlaubsregion Antalya ein „Sicher-reisen-Zertifikat“ vor, mit Maßnahmen zur sicheren Ein- und Ausreise in das Land.

Der türkische Tourismusminister Mehmet Ersoy betonte am Freitag auf einer Veranstaltung zur Wiederaufnahme des Tourismus, dass die Infektionszahlen etwa in Antalya und Umgebung niedrig seien. Überdies biete die türkische Regierung Urlaubern Krankenversicherungen an, die sie bei der Buchung oder bei Ankunft am Flughafen abschließen könnten. Denn reguläre Auslandskrankenversicherungen gelten oftmals nicht, solange eine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für die Türkei besteht. Auch dies dürfte vieler Urlauber von einem Türkeiurlaub abschrecken.

Eine Reisewarnung ist kein Reiseverbot. Reisende können sich auf den Weg machen – allerdings auf eigene Verantwortung. Außenminister Heiko Maas hat wiederholt betont, dass es keine zweite großangelegte Rückholaktion für deutsche Urlauber geben werde.

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