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Sunak und Macron: Viel Liebe unter „aalglatten Investmentbankern“

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Von: Stefan Krieger

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Ein neuer britischer Premierminister und eine Einigung über die Migration über den Ärmelkanal könnten einen Neustart der Beziehung zwischen Frankreich und Großbritannien einleiten.

London – Nach Jahren – manche würden sagen Jahrhunderten – bitterer Auseinandersetzungen könnte die Liebe über den Ärmelkanal endlich aufblühen. Noch ist es zu früh für ein abschließendes Urteil. Aber hochrangige Regierungsvertreter sowohl in Großbritannien als auch in Frankreich wagen die Prognose, dass in den kommenden Wochen und Monaten ein neues französisch-britisches Bündnis zwischen Rishi Sunak und Emmanuel Macron geschmiedet werden könnte.

Das Politmagazin Politico kommentierte angesichts der frisch entdeckten Sympathien der beiden Regierungschefs süffisant: „Jede moderne Dating-App, die etwas taugt, würde die beiden sofort zusammenbringen. Zwei aalglatte, wohlhabende, zierliche Investmentbanker Anfang 40 mit einer Vorliebe für Macht, Pragmatismus und die Politik der rechten Mitte.“

Zwei, die sich verstehen: Emmanuel Macron und Rishi Sunak.
Zwei, die sich verstehen: Emmanuel Macron und Rishi Sunak. © Stefan Rousseau/dpa

Sunak und Macron: Nachbarn und Verbündete

Bei seinem Amtsantritt im Oktober war Sunak entschlossen, einen Schlussstrich unter die Feindseligkeiten zwischen Macron und seinen beiden Vorgängern als britischer Premierminister, Liz Truss und Boris Johnson, zu ziehen. Johnson und Macron waren häufig aneinandergeraten, während Truss auf die Frage, ob Macron Freund oder Feind Großbritanniens sei, antwortete, dass „die Jury noch nicht entschieden habe“.

In seinem ersten privaten Telefongespräch mit Macron nach seiner Wahl zum Premierminister am 28. Oktober betonte Sunak „die Bedeutung, die er den Beziehungen Großbritanniens zu Frankreich – unserem Nachbarn und Verbündeten – beimisst“, wie es in einem Bericht der Downing Street heißt.

Frankreich und Großbritannien unterzeichnen neues Migrationsabkommen

Schon jetzt trägt die neue Harmonie beider Länder erste Früchte. Angesichts von mehr als 40.000 Migranten, die seit Jahresbeginn den Ärmelkanal überquert haben, wollen Frankreich und Großbritannien die Grenzkontrollen erneut erheblich verschärfen. Bis zu 100 zusätzliche Sicherheitskräfte, Hubschrauber, Drohnen und Spürhunde sollen eingesetzt werden, um Migranten von der Überfahrt über den Ärmelkanal abzuhalten. Nach einem am Montag unterzeichneten Abkommen will Großbritannien Frankreich dafür etwa 72 Millionen Euro zahlen.

Erstmals sollen Beobachter auf beiden Seiten des Ärmelkanals eingesetzt werden, um Migranten zu befragen und Schleppernetze besser zu bekämpfen. Das Abkommen enthält jedoch kein beziffertes Ziel, wie viele Boote die Sicherheitskräfte aufhalten sollten - wie britische Medien zuvor vermutet hatten.

Großbritannien will nach dem Abkommen auch zusätzliche Plätze in Migranten-Unterkünften in Südfrankreich finanzieren. Flüchtlinge, die über das Mittelmeer kommen, sollen dort von der Weiterreise nach Calais abgehalten werden, indem ihnen „sichere Alternativen“ angeboten werden.

Sunak und Macron: Annäherung zeichnet sich ab

Der neue britische Premierminister Rishi Sunak, selbst Enkel indischer Einwanderer, vertritt bei der Einwanderungspolitik eine harte Linie. Er unterstützt das Vorhaben, Migranten in das ostafrikanische Land Ruanda abzuschieben. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte einen ersten geplanten Flug jedoch kurzfristig gestrichen. Seitdem prüft die Justiz, ob der Plan legal ist.

Die französische Regierung will ihrerseits Anfang 2023 ein neues Migrationsgesetz vorstellen, das Abschiebungen erleichtern soll.

Großbritannien und Frankreich streiten seit Jahrzehnten über den Umgang mit den Migranten, die den Ärmelkanal überqueren. Nach heftigen Konflikten während der Amtszeit des britischen Premierministers Boris Johnson wollen beide Länder sich seit dem jüngsten Regierungswechsel in London bei dem Thema wieder annähern. Das gute Verhältnis von Macron und Sunak dürfte einer Einigung dabei ganz sicher dienlich sein. (skr/afp)

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