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Rinder als Entschädigung

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Ein deutscher Isaf-Soldat auf Patroullie in Kundus.
Ein deutscher Isaf-Soldat auf Patroullie in Kundus. © dpa

Die Bundesregierung will die zivilen Opfer des Luftangriffs vom 4. September individuell entschädigen. Dabei kommen finanzielle Leistungen und Sachleistungen in Betracht - wie eben Rinder.

Berlin. Die Bundesregierung will die zivilen Opfer des Luftangriffs bei Kundus vom 4. September individuell entschädigen. Als Unterstützung kommen laut einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums in Berlin sowohl finanzielle Leistungen als auch Sachleistungen wie Rinder oder Ladeneinrichtungen in Betracht. Über die Höhe der Leistungen machte das Ministerium keine Angaben. Entscheidend sei, dass die Unterstützung "landestypisch" sei und unter der Bevölkerung und Opfern nicht zu Unfrieden führe.

Laut dem Nachrichtenmagazin Spiegel will die Bundeswehr die Angehörigen der zivilen Opfer mit durchschnittlich 4000 Euro je Todesfall entschädigen. Das Budget soll bei insgesamt 400.000 Euro liegen.

Um die Entschädigungen zu verteilen, gab es den Angaben des Verteidigungsministeriums zufolge am Mittwoch in Kundus ein erstes Gespräch mit der Bundeswehr, Vertretern des afghanischen Innenministeriums und der betroffenen Distrikte statt. Geplant ist, dass eine unabhängige Schiedskommission feststellen soll, wer zum Kreis der zu unterstützenden Angehörigen und Opfer gehört. Die Leistungen erfolgen demnach "ohne Anerkennung einer Rechtspflicht".

Bei dem Angriff, den ein deutscher Oberst angeordnet hatte, waren bis zu 142 Menschen gestorben, darunter auch zahlreiche Unbeteiligte. Der Anwalt der Hinterbliebenen, Karim Popal, hatte die Pläne als unzureichend kritisiert und wollte Klage erheben.

Die Angehörigen der am Karfreitag von der Bundeswehr irrtümlich getöteten sechs afghanischen Soldaten wurden am Donnerstag offiziell entschädigt. Sie bekamen Geld- und Sachleistungen als Wiedergutmachung. Die Familien hätten dies akzeptiert, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Obama sieht Trendwende

Die US-geführten Truppen in Afghanistan haben nach den Worten von Präsident Barack Obama die Wende im Kampf gegen die Taliban erreicht. "Wir haben damit begonnen, den Schwung des Aufstandes umzukehren", sagte er am Mittwoch auf einer Pressekonferenz mit seinem afghanischen Kollegen Hamid Karsai. Er sei nach wie vor zuversichtlich, dass der Abzug der amerikanischen Soldaten im Juli 2011 beginnen könne. Er warnte aber zugleich, es könne noch schwere Kämpfe geben.

Die US-Streitkräfte in Afghanistan töteten im Einsatzgebiet der Bundeswehr in der Provinz Kundus 35 Taliban-Kämpfer, teilte Provinzgouverneur Mohammad Omar am Donnerstag mit. Deutsche Soldaten seien nicht beteiligt gewesen. Die Nato in der Hauptstadt Kabul bestätigte die Operation. Die Taliban hätten nach Geheimdienstinformationen einen größeren Angriff geplant. Deutsche und US-Soldaten der internationalen Schutztruppe Isaf haben ihre Operationen gegen die Taliban im Norden in der letzten Zeit ausgeweitet. (afp/rtr)

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