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YouTuber Rezo: Diesmal mehr Appell als „Zerstörung“.
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YouTuber Rezo: Diesmal mehr Appell als „Zerstörung“.

Bundestagswahl 2021

Rezo „zerstört“ die CDU – und setzt einen Hilferuf ab

  • VonMirko Schmid
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Der politisch bewegte YouTuber Rezo hat wieder einmal ein „Zerstörung“-Video gemacht. Doch diesmal zerstört er weniger, als er an die Vernunft älterer Generationen appelliert.

Aachen – Der YouTuber Rezo hat sich einen Namen als eine politisch relevante Stimme der jungen Generationen gemacht. Spätestens seit seiner „Zerstörung der CDU“ wird er weit über die seine Abonnent:innen hinaus ernst genommen, zitiert und diskutiert. Im Vorfeld der Bundestagswahl 2021 schaltet er sich nun erneut in den gesellschaftlichen Diskurs ein.

Und er versucht diesmal weniger, alleine Missstände aufzudecken und mit dem Finger auf andere zu zeigen. Stattdessen arbeitet er sich mit einer Vielzahl an seriösen Quellen zu einem Problem vor, das ganze Generationen bedroht: dem Klimawandel. Er führt an, dass Waldbrände alleine in Australien eine Fläche vernichtet haben, die der Hälfte Deutschlands entspricht. Dass dort 500 Millionen Tiere an den Folgen der Feuersbrünste sterben mussten.

Rezo erläutert die Haltung der Werteunion, die er ein wenig vereinfacht eine Untergruppe der CDU nennt, in Sachen Klima: Die Werteunion behauptet nämlich, dass die Sonne, nicht der Klimawandel, für die Erderwärmung verantwortlich ist, obwohl nachgewiesen ist, dass die Sonnenaktivität sogar abgenommen hat, während es auf der Erde immer heißer wurde. Und wird. Er zitiert das AfD-Wahlprogramm, in dem die rechtspopulistische Partei den Klimawandel leugne und sage, dass der Weltklimarat angeblich die „eigentlichen positiven Auswirkungen“ des Klimawandels verheimlichen würde.

YouTuber Rezo kritisiert AfD dafür, sich gegen den Klimawandel wie Tiere anpassen zu wollen

Er kramt einen Absatz des AfD-Wahlprogramms hervor, in dem die Partei, die in Umfragen immerhin bei knapp über zehn Prozent liegt, schreibt, dass es „statt einen aussichtslosen Kampf zu führen“ gelte, sich „an die veränderten Bedingungen anzupassen, so wie es Pflanzen und Tiere auch tun“. Wie Tiere? Rezo: „Was war da noch mal mit den Tieren? Ach so, ja, die sterben ja so derbe aus. Ja nice, lass halt daran orientieren.“

Weiter präsentiert Rezo einen Tweet von FDP-Politikerin Nicola Beer, immerhin Vizepräsidentin des EU-Parlaments, in dem es heißt: „Angstwahlkampf. Und angebliches Auftreten von mehr Extremwetterereignissen ist Fake News.“ Und zeigt einen Ausschnitt, in dem Beer diesen Tweet auch noch rechtfertigt.

Er zitiert eine Gruppe von CDU-Bundestagsabgeordneten, die behauptet haben soll, dass „abweichende Meinungen unterdrückt und aussortiert würden“. Er blendet sie ein. Es handelt sich um Veronika Bellmann, Axel E. Fischer, Hans-Jürgen Irmer, Alexander Krauß, Andreas Mattfeldt, Johannes Selle, Patrick Sensburg, Dietlind Tiemann, Marian Wendt, Klaus-Peter Willsch und Arnold Vaatz. Einer von ihnen ist 36, einer 45 Jahre alt. Alle anderen sind älter als 50.

Rezo über Hans-Georg Maaßen auf Youtube: „Wissenschaftsfeindlicher Bullshit“

Der Youtuber führt an, dass die CDU „für diese Wahl sogar neue Leute ins Rennen geschickt“ habe, „die so einen wissenschaftsfeindlichen Bullshit verbreiten.“ Eingeblendet wird Hans-Georg Maaßen.

Er erinnert an einen Kanzleramtsminister, der sich in einer privaten Jagdhütte mit dem Vorstandsvorsitzenden von RWE trifft, um „abseits der Bevölkerung Dinge zu besprechen“. Denn: „RWE ist sehr close mit der Politik.“

PseudonymRezo
BerufWebvideoproduzent, Musiker, Unternehmer, Kolumnist und Unterhaltungskünstler
Geburtsort (eigene Angabe)Wuppertal
Gründung des Youtube-Kanals17. September 2015

Außerdem zeigt Rezo auf, dass alleine in Rheinland-Pfalz ein Drittel der Landrätinnen und Landräte im Jahr 2020 Geld von Energiegroßkonzernen bekommen hat, meistens von RWE. Und zwar vier bis sechsstellig. Einer davon, CDU-Politiker Günther Schartz aus Trier-Saarburg, soll zum Beispiel ca. 130.000 Euro eingestrichen haben: „Seine Haupteinnahmequelle war faktisch RWE und was er dafür getan hat, weiß er nur selbst. Aber seine Gegenleistung scheint einen sehr hohen Wert für RWE gehabt zu haben.“

Auf Youtube kritisiert Rezo Armin Laschet für Vorwände, um Wald zu räumen

Er berichtet von einem Gutachten, das Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zurückgehalten haben soll, wonach es nicht nötig wäre, Dörfer zum Zweck der Kohleabschürfung abzubaggern. Und die trotzdem „geplättet“ wurden. Weil das Gutachten erst ein Jahr später veröffentlicht wurde. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsförderung hatte in diesem Fall festgestellt, dass es wirtschaftlich nicht notwendig gewesen wäre, diese Dörfer zu enteignen (Prof. Claudia Kemfert).

Rezo erinnert daran, dass Armin Laschet einen Wald räumen ließ, weil RWE das so gewollt habe. Und zitiert ein geleaktes Video, in dem Laschet auch noch zugab, den Brandschutz als Vorwand dafür genutzt zu haben: „Ja, ich brauch auch einen Vorwand, sonst kann man dort nicht tätig werden. Ich wollte den Wald räumen. Ich wollte den Wald räumen.“ Und dass sein Innenminister Herbert Reul vor laufenden Kameras behauptete, darüber mit RWE nie gesprochen zu haben, weil der Konzern sich bei ihm „die Zähne ausgebissen hätte“. Und später herauskam, dass er doch mit RWE darüber gesprochen hatte.

4.350.000.000 Euro: So viel erhielt die RWE als Entschädigung für vermeintliche Gewinnausfälle aus Steuergeldern, erinnert Rezo die Zuschauer:innen, obwohl die Gewinnerwartungen weit niedriger gewesen sein sollen und schon die Hälfte laut Fachleuten zu viel gewesen wäre.

Klimawandel: Rezo nimmt sich auf Youtube AfD, CDU und FDP vor

Der Youtuber entkräftet das Argument, wonach China doch ein deutlich schlimmerer CO2-Produzent sei als Deutschland, indem er die Verhältnisse zurechtrückt. Chinas Anteil am CO2-Ausstoß: 13 Prozent. Deutschlands Anteil: 5,5 Prozent. Also rund die Hälfte. Dabei hat China rund 17 Mal mehr Einwohner als Deutschland – als ein Deutschland, das im Jahr 2019 alleine rund doppelt so viel CO2 produziert hat wie ganz Afrika.

Rezo ruft ins Gedächtnis, dass genau drei deutsche Parteien sowohl gegen den mit großer Mehrheit im EU-Parlament beschlossenen Klimanotstand als auch gegen Vorhaben, mehr gegen die Klimakrise zu tun, gestimmt haben: die CDU, die AfD und die FDP: „Ihr seht, da gibt es so ein bisschen Grüppchenbildung.“

Rezo beruft sich auf „praktisch alle Wissenschaftler:innen“ und das „fucking“ Bundesverfassungsgericht, die einhellig festgestellt haben, dass das „Klimapaket“ von CDU und SPD nicht ausreiche: „Also nicht so: Es ist ein Ticken zu wenig, sondern es ist unfassbar zu wenig.“ Und er rügt Olaf Scholz, der das ursprüngliche Gesetz nicht nur mittrug, sondern es sogar weiter entschärfen wollte.

Youtuber Rezo kritisiert Armin Laschet für Rückbau der Windkraft in NRW

Rezo nennt Zahlen, wonach NRW seit der Amtszeit von Armin Laschet den Ausbau der Windkraft deutlich zurückgefahren hat. Er blendet Laschet im Unwetter-Katastrophengebiet ein, der trotzdem sagt: „Und deswegen ist Nordrhein-Westfalen ja eines der Länder, das am meisten tut, gegen den Klimawandel zu kämpfen.“ Und er wirft Laschet entgegen: „Ja Armin, laber einfach nicht.“

Er wirft Armin Laschet vor, die Energieagentur NRW „gekillt“ und die Stabsstelle für Umweltkriminalität „zerschlagen“ zu haben. Und zugelassen zu haben, dass vor Kurzem ein neues Kohlekraftwerk in seinem Bundesland an den Start ging, obwohl ein Oberverwaltungsgericht das für rechtswidrig erklärt hatte.

Er stellt klar, dass eine Umkehr nicht mehr zu schaffen sei, „wenn die nächste Bundesregierung dieses Thema noch ein paar Jahre nicht so ernst nimmt und ansatzweise so weiter macht, wie es CDU und SPD bisher tun“.

Youtube: Rezo fordert „gleiche Lebensgrundlagen“ für junge Generationen

Und Rezo kommt zu einem Schlusswort, das sich an all jene richtet, in deren Hand es nun liege, die Notbremse zu ziehen: „Das größte Leid trifft die jüngere Generation. Wenn ihr jetzt gerade über 50 seid, werdet ihr die Klimakrise nur in ihren Anfängen mitbekommen. Wenn ihr also entscheidet, dass euch das Thema gar nicht so wichtig ist, dann kann ich das ein Stück weit verstehen. Denn letztlich ist sich jeder am nächsten. Und die jungen Leute werden schon damit klarkommen. Ich mein, andere Generationen haben Weltkriege durchgemacht. Da wird ja so ne internationale, dauerhafte Katastrophe machbar sein.“

Er gibt zu bedenken, dass die älteren Generationen aber vielleicht „gar nicht so“ denken: „Ich weiß jedenfalls, dass meine Eltern und Großeltern nicht so denken. Denen ist extrem wichtig, dass es ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln gut geht. Dass für sie ansatzweise die gleichen Lebensgrundlagen noch auf dieser Erde vorhanden sind. Dass sie nicht zu den hunderten Millionen Flüchtlingen gehören werden, die ihre Heimat nur wegen dieser Katastrophe aufgeben müssen. Dass ihre grundlegenden Freiheiten nicht weggenommen werden, nur weil wir jetzt nichts verändern wollen.“

Rezo auf Youtube

Neuestes Video: Zerstörung Teil 2: Klima-Katastrophe

Youtuber Rezo verzichtet auf „Zerstörung“ und appelliert beim Klimawandel an Menschen über 50

Rezo verzichtet diesmal am Schluss auf eine „Zerstörung“ und kommt zu einem Appell: „Denn ihr, also die Älteren, entscheidet. Die über 60-Jährigen haben mehr Wahlmacht als alle unter 40. Ein Teil der Rentner entscheidet mehr über die Zukunft als alle Menschen unter 30 Jahren. Ihr entscheidet über die Zukunft der jungen Generationen. Das sind dieselben Generationen, die während der Corona-Krise ihre Freiheiten für die Älteren eingeschränkt haben.“

Sein Schlusswort: „Ihr habt die Zukunft der jungen Leute in der Hand. Und ohne euch können wir das nicht schaffen.“ (Mirko Schmid)

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