Hintergrund zu Iran

Revolte und Repression

Viele Massenbewegungen wollten schon eine Revolution wie jetzt im Iran anzetteln. Politikwissenschaftler Klaus Schlichte nennt Beispiele und Ursachen für Erfolg oder Scheitern.

In vielen Ländern der Welt hat es schon Massenbewegungen gegeben, die eine Revolution anzetteln wollten. Der Erfolg hängt von vielen Faktoren ab. Der Politikwissenschaftler Klaus Schlichte von der Universität Magdeburg nennt Beispiele und Ursachen für Erfolg oder Scheitern.

DDR 1989

Ansteckender Protest

Die Montagsdemonstrationen leiten das Ende des Regimes ein. Auch in Rumänien und der Tschechoslowakei werden die kommunistischen Machthaber gestürzt. Sowjetunion und Warschauer Pakt lösen sich auf. Schlichte: "Eine Kettenreaktion, die schon mit dem Prager Frühling 1968 begann."

Demonstration in Dresden (dpa)

Algerien 1991/92

Verbrauchte Mythen

Nach 30 Jahren an der Macht droht die Nationale Befreiungsfront FLN erstmals Wahlen zu verlieren - gegen die islamistische FIS. "Der Mythos des Unabhängigkeitskrieges war erschöpft", so Politologe Schlichte. Das FLN-Regime stoppt die Wahl. Folge: Guerillakrieg mit 120.000 Toten.

FIS-Führer Madani (rechts) und Belhadj 1991 in Algier (afp)

Georgien 2003

Verwelkte Rosen

Nach den Parlamentswahlen im November setzt die Opposition in der "Rosenrevolution" den Rücktritt von Präsident Schewardnadse durch. Der neue Präsident Saakaschwili wird vom Westen massiv unterstützt. Schlichte: "Das hat die Altkommunisten erst wieder stark gemacht."

Kongo 1997

Exil entfremdet

Nach dem Sturz Diktator Mobutus proklamiert sich Laurent Kabila nach zehn Jahren Exil zum Präsidenten. Trotz starker ausländischer Bündnispartner kann er das Land nicht zusammenhalten. Schlicht: "Langes Exil schadet. Man verliert den Kontakt zu den heimischen Machteliten."

Rebellenführer und Präsident: Laurent Kabila (rtr)

Peking 1989

Bleibende Schuld

Anfang Juni schlägt das chinesische Regime die auch von Arbeitern gestützten Studentenproteste mit Gewalt nieder. Es folgt massive Repression. Aber, so Schlichte: "Die Machthaber haben sich auch selbst geschadet. Die Schuld des Regimes hat sich eingebrannt in die Köpfe der Menschen."

Panzer auf dem Tiananmen-Platz in Peking (dpa)

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