+
Noch-FDP-Vize Rainer Brüderle und der designierte Parteichef Philipp Rösler.

FDP-Führungsdiskussion

Revolte gegen Rainer Brüderle

  • schließen

Die neue FDP-Führung um Philipp Rösler will Bundeswirtschaftsminister Brüderle aus der Parteispitze drängen. Der lässt sich nicht so einfach absägen.

Die künftige Führungsspitze der FDP ist fest entschlossen, Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle aus seinem Parteiamt zu drängen. Der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende Daniel Bahr steht nach Informationen der Frankfurter Rundschau bereit, gegen Brüderle zu kandidieren, sollte der Mainzer noch einmal zur Wahl des stellvertretenden Parteivorsitzenden antreten.

Am Montag hatte Brüderle in internen Sitzungen seine grundsätzliche Bereitschaft zu einer abermaligen Kandidatur unter dem Vorbehalt geäußert, dass er noch Gesprächsbedarf habe.

Überraschend hatte der designierte Vorsitzende Philipp Rösler nach den Gremiensitzungen seiner Partei nicht sein neues Personaltableau präsentiert, sondern die lebhafte Debatte in der FDP als Ausdruck einer neuen Diskussionskultur gelobt. Erst am vergangenen Wochenende soll Rösler nach Gesprächen mit mehreren Landesverbänden von seiner ursprünglichen Planung abgerückt sein, ein fertiges Personaltableau vorzulegen.

Niebel, Hahn und Kubicki drängen an die Spitze

Im Namen der ostdeutschen Landesverbände hatte der Thüringer Landeschef Uwe Barth am Montag massiv dafür geworben, bei der Wahl der drei Stellvertreterposten auch einen ostdeutschen Vertreter zu berücksichtigen. Bislang sind die Ost-Liberalen durch die Magdeburgerin Cornelia Pieper vertreten. Die frühere Generalsekretärin hatte allerdings, wie vor ihr Schatzmeister Hermann Otto Solms und der frühere Düsseldorfer Landesvorsitzende Andreas Pinkwart, bereits vor Wochen erklärt, Mitte Mai beim Parteitag in Rostock nicht noch einmal antreten zu wollen. Der stärkste Ostverband, die FDP-Sachsen, brachte am Montag ihren Vorsitzenden Holger Zastrow ins Gespräch. Der Unternehmer meldete aber ebenfalls noch Klärungsbedarf an, insbesondere will er abschätzen, ob sein Parteiengagement mit seinen beruflichen Anforderungen in Einklang zu halten ist.

Die beiden anderen Vize-Kandidaten, Bahr und die bayerische Landesvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberg, gelten als gesetzt. Sollte der dritte Stellvertreterposten tatsächlich in den Osten gehen, wäre kein Platz mehr für Brüderle. Der 65-Jährige will, so ist zu hören, eine Kampfkandidatur aus Angst vor einer Niederlage vermeiden, weil er fürchtet, im Zuge eines Wahldebakels auch noch seinen Kabinettsposten zu verlieren. Insbesondere die FDP Baden-Württemberg wirft Brüderle vor, durch Aussagen über das Atom-Moratorium ihre Wahlchancen radikal verschlechtert zu haben.

Nachdem Rösler die Landesvorsitzenden am Montag unmissverständlich aufgefordert hatte, mehr Frauen für Partei-Spitzenämter zu nominieren, richtet sich der Blick der FDP nun insbesondere auf zwei mögliche Kandidatinnen: die Verteidigungsexpertin Elke Hoff und die Hamburger Fraktionsvorsitzende Katja Suding. Hoff stammt aus dem Landesverband Rheinland-Pfalz, was ihre Chancen nach dem Regionalproporz erhöhen könnten. Und Suding gilt nach ihrem überraschenden Sieg bei der Hamburg-Wahl in Februar ohnehin als neues Aushängeschild der Liberalen. „Vielleicht müssen sie und ihr Landesverband nur einfach stärker zu einer Kandidatur ermuntert werden“, hieß es am Dienstag im Thomas-Dehler-Haus.

Hessens FDP-Landeschef Jörg-Uwe Hahn, Entwicklungsminister Dirk Niebel sowie Schleswig-Holsteins Fraktionsvorsitzender Wolfgang Kubicki äußerten am Montag ihr Interesse, ebenfalls ins Präsidium gewählt zu werden. Als neuer Schatzmeister soll Patrick Döring ins höchste Führungsgremium einziehen, die Wiederwahl von Generalsekretär Christian Lindner gilt Experten auch als sicher.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion