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Revanche bei Cherson

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Von: Peter Rutkowski

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Attacke gegen Nachschubwege

Man muss ihnen anrechnen, dass sie davor über das Schicksal der Zivilbevölkerung immerhin nachgedacht haben: Was, wenn wir die Brücken nach Cherson zerstören, um den Russen dort von ihrem Nachschub abzuschneiden? Leiden dann nicht auch die ganz normalen Menschen, weil sie über die gleichen Wege versorgt werden? Das konnte der ukrainische Generalstab sich ganz zweifelsfrei selbst mit „Ja“ beantworten. Der einzige Ausweg aus dem Dilemma: Nach dem Kappen der Nachschublinien schnell angreifen und den Gegner schnell schlagen. Die ukrainische Führung wird wissen, dass das ein Wagnis ist, gilt doch immer: Kein Plan überlebt den Kontakt mit dem Feind.

Aber am Mittwoch, Tag 154 des Krieges in der Ukraine, beschoss die ukrainische Artillerie schließlich doch, die Antoniwskyj-Brücke bei Cherson, bis sie quasi für Nachschub unbrauchbar war. Die russischen Besatzungstruppen haben bereits begonnen, Ponton-Brücken und Fähren über den Dnjepr anzulegen, aber russische Militärblogger – die eigentlich pro-russisch sind, aber dem Kreml zusehends auf die Nerven gehen, weil sie auch Negatives absondern – weisen darauf hin, dass die Behelfsmittel noch viel gefährdeter sind als die Betonbrücke. Mit anderen Worten: Die russischen Pioniertruppen haben keine Optionen zur Zeit.

Im Gegensatz zu den ukrainischen Angriffseinheiten vor Cherson: Die haben massig Optionen, wie und wo sie ansetzen wollen, um die Invasoren aus dem Süden der Ukraine zu vertreiben (zumindest bis zur Landenge von Perekop am Eingang zur Krim). Was die Ukrainer nicht haben, ist Zeit. Vor allem nicht, wenn sie das Leiden für die Zivilbevölkerung wenn nicht vermeiden, so zumindest so kurz und gering wie möglich halten wollen. Das einzige, was ihnen dabei noch etwas zu Hilfe kommen kann, sind die nun vermehrt eingetroffenen westlichen Präzisionswaffen. Die sind von ihrer Technik her tatsächlich präzise im Gegensatz zu den nur propagandistisch präzisen Geschützen der Russen, die diese strategisch unpräzise einsetzen.

Und man darf auch nicht vergessen: Die Front ist extrem lang und die Hilfe aus dem Westen scheint da umso geringer. Die ukrainischen Truppen müssen also schnell Erfolge erzielen und dann noch schneller verlagern.

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