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Das Rettungsschiff „Open Arms“ der Hilfsorganisation Proactiva Open Arms.

Seenotrettung

Gericht erlaubt Rettungsschiff „Open Arms“ Einfahrt in italienischen Hafen

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Das Verwaltungsgericht der Region Latium gestattet der Besatzung des Rettungsschiffes „Open Arms“ das Einlaufen in italienische Gewässer.

  • Die Kapitänin Carola Rackete ist wieder frei
  • Das italienische Rettungsschiff „Alex“ ist in den Hafen von Lampedusa eingelaufen - trotz Verbots
  • Das deutsche Rettungsschiff „Alan Kurdi“ weicht von Lampedusa auf Malta aus


Update, 14. August, 18.35 Uhr: Ein italienisches Verwaltungsgericht hat dem Rettungsschiff „Open Arms“ wegen einer festgestellten Notlage erlaubt, in die Territorialgewässer Italiens zu fahren. Das Gericht in Rom habe unter anderem auf Grundlage ärztlicher und psychologischer Gutachten einen Antrag auf Einfahrt in die Gewässer bewilligt, damit den geretteten Personen umgehend Hilfe geleistet werden könne, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf das Gericht. Das Innenministerium kündigte an, die Entscheidung anzufechten.

Kurz zuvor hatte Innenminister Matteo Salvini bei einem Auftritt noch gesagt, dass er das Einfahren des Schiffes weiterhin verhindern wolle. Das Schiff der spanischen Organisation Proactiva Open Arms hatte im Mittelmeer vor fast zwei Wochen 121 Menschen und am Samstag weitere 39 aufgenommen. Das Schiff harrte tagelang in internationalen Gewässern in der Nähe der italienischen Insel Lampedusa aus. Nach Angaben der Seenotretter sollte am Mittwoch schlechtes Wetter aufziehen.

Seenoretter im Mittelmeer wollen Salvini trotzen

Update, 26. Juli, 13.00 Uhr: Gemeinnützige Seenotrettungs-Organisationen wie Sea-Eye oder Mission Lifeline wollen den in Italien geplanten hohen Geldstrafen für das unerlaubte Befahren italienischer Gewässer trotzen. „Man kann uns mit finanziellen Strafen nicht davon abhalten, Menschen vor dem Ertrinken zu retten“, sagte Sea-Eye-Sprecher Gorden Isler dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. „An das Menschenrecht auf Leben kann man kein Preisschild hängen.“

Der Mitgründer der Hilfsorganisation Mission-Lifeline, Axel Steier, sagte: „Not kennt kein Gebot. Wenn das Leben von Menschen in Gefahr ist, gilt es die Gefahr abzuwenden – mit den zur Verfügung stehenden Mitteln. Es wäre jetzt ein Zeichen der aufnahmewilligen Staaten, Schiffe vorzuhalten, die lange Strecken mit Menschen zurücklegen können.“

Die Organisationen beziehen sich auf die Pläne Italiens, gegen Seenotretter künftig Strafen von bis zu einer Million Euro zu verhängen, wenn sie mit ihren Schiffen unerlaubt in italienische Hoheitsgewässer fahren. Außerdem hätten italienische Behörden dann das Recht, die Schiffe zu konfiszieren. Mission-Lifeline-Mitgründer Steier sagte dazu, solche Drohungen würden seine Organisation nicht abhalten, Menschen aus dem Meer zu retten: „Wir gründen dann einfach einen neuen Verein, sammeln Spenden und kaufen wieder ein Schiff.“

Lesen Sie hier Franz alt im Interview: Edmund Stoiber war damals der Salvini

Sea-Eye-Sprecher Isler bezeichnete das Vorhaben der italienischen Regierung als ungeheuerlich. „Italien konterkariert mit nationalem Recht das Völkerrecht“, so Isler. Er geht davon aus, dass Sea-Eye-Spender empört darauf reagieren, wenn die Organisation für die Rettung von Menschenleben bestraft würden. „Ich vertrauen hier klar auf die Hilfsbereitschaft und das Rechtsempfinden der Zivilgesellschaft.“

Der UNHCR-Repräsentant in Deutschland, Dominik Bartsch, fordert von der Bundesregierung, mit noch mehr Nachdruck die Koalition der Willigen innerhalb der EU zu fördern. „Eine klare Übereinkunft ist notwendig, wie die Seenotrettung betrieben wird, wo gerettete Schiffbrüchige aufgenommen werden und wo Asylverfahren durchgeführt werden“, sagte Bartsch. Es müsse ebenso geklärt werden, wie Menschen, die keinen Anspruch auf Schutz haben, wieder in ihre Heimat zurückgebracht werden. „Wenn die Länder erstmal bewiesen haben, dass ein solcher Mechanismus funktionieren kann, dann muss es nicht mehr zu solch schrecklichen Unglücken wie gerade wieder auf dem Mittelmeer kommen“, so Bartsch. „Dann werden auch keine sogenannten Pull-Faktoren geschaffen.“

Carola Rackete verlässt italien

Update, 19. Juli, 13.45 Uhr: Carola Rackete ist nicht mehr in Italien. Eine Sprecherin der Hilfsorganisation „Sea-Watch“ sagte der Deutschen Presse-Agentur am Freitag, es sei unklar, ob Rackete nach Deutschland aufgebrochen sei oder woandershin. Nähere Angaben sollte es aus Sicherheitsgründen nicht geben. 

Unterdessen hat Italiens rechter Innenminister Matteo Salvini erklärt, er könne es nicht erwarten, „diese verwöhnte deutsche Kommunistin auszuweisen und sie nach Hause zu schicken“. Rackete hat gegen Salvini wegen Beleidigungen im Netz eine Verleumdungsklage eingereicht.

Carola Rackete erwägt Rückkehr nach Deutschland

Update, 18. Juli, 17.00 Uhr: Carola Rackete ist nicht mehr Kapitänin der aktuellen Crew des Rettungsschiffs „Sea-Watch 3“ und erwägt eine Rückkehr nach Deutschland. „Carola ist nicht mehr Mitglied der derzeitigen Besatzung der Sea-Watch, sie macht jetzt also etwas anderes“, sagte ihr Anwalt Alessandro Gamberini am Donnerstag nach der knapp vierstündigen Vernehmung Racketes durch die Staatsanwaltschaft im sizilianischen Agrigent. „In ihrem Leben hat sie nicht nur die Kapitänin der Sea-Watch gemacht, sondern ganz viel anderes.“ Auf die Frage, ob sie nach Deutschland zurückkehren würde, sagte Rackete selbst: „Ja“.

Carola Rackete hält sich nicht mehr in Italien auf.

Generell ist es normal, dass die Seenotretter ihre Crew nach Einsätzen austauschen. Die „Sea-Watch 3“ liegt zudem derzeit in Sizilien an der Kette und kann nicht ausfahren. Rackete wird also mindestens bis zur nächsten Mission nicht als Kapitänin fahren.

Sie habe den Strafverfolgern die Geschehnisse beim Rettungseinsatz dargelegt, sagte Rackete. Gleichzeitig forderte sie die EU auf, eine Lösung bei der Verteilung von Migranten zu finden. „Wir haben Tausende von Flüchtlingen in einem Bürgerkriegsland, die dort eigentlich dringend evakuiert werden müssten“, sagte sie. „Und ich erwarte von der Europäischen Kommission insbesondere, dass sie sich möglichst schnell dazu einigt, wie diese Bootsflüchtlinge in Europa aufgeteilt werden sollen.“

Carola Rackete wird erneut vernommen

Update, 18. Juli, 09.40 Uhr: Die deutsche Kapitänin Carola Rackete muss sich in Italien erneut einem Verhör stellen. Am Donnerstag steht eine Vernehmung bei der Staatsanwaltschaft in der sizilianischen Stadt Agrigent an. Diese ermittelt gegen die 31-Jährige aus Niedersachsen unter anderem wegen des Vorwurfs der Beihilfe zur illegalen Einwanderung und des Widerstandes gegen ein Kriegsschiff.

Die Hilfsorganisation „Sea-Watch“ erwartet keine rasche Entscheidung der italienischen Staatsanwaltschaft bei der erneuten Anhörung. „Wir tun aber alles, um eine schnelle Entscheidung zu ermöglichen und erwarten, dass das Gericht letzten Endes, wie in den Fällen zuvor, feststellen wird, dass wir rechtmäßig gehandelt haben“, sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Wichtig sei, dass das Schiff wieder freigegeben werde.

Update, 15. Juli, 6.55 Uhr: „Sea-Watch“-Kapitänin Carola Rackete hat Europa zur Aufnahme von Migranten aufgefordert, die sich in Libyen in der Hand von Schleppern oder in Flüchtlingslagern befinden. „Die, die in Libyen sind, müssen dort sofort raus in ein sicheres Land“, sagte Rackete der „Bild“-Zeitung. „Wir hören von einer halben Million Menschen, die in den Händen von Schleppern sind oder in libyschen Flüchtlingslagern, die wir rausholen müssen. Ihnen müssen wir sofort helfen bei einer sicheren Überfahrt nach Europa.“

Rackete forderte zudem eine Aufnahme von Klima-Flüchtlingen. „Der Zusammenbruch des Klimasystems sorgt für Klima-Flüchtlinge, die wir natürlich aufnehmen müssen“, sagte die Kapitänin. „Es wird in einigen Ländern Afrikas, verursacht durch industriereiche Länder in Europa, die Nahrungsrundlage zerstört.“ Europa könne nicht mehr sagen, „dass wir die Menschen nicht wollen“, sagte die Kapitänin. „Es ist auch Europas Verantwortung.“

Salvini gibt Kampf gegen Hilfsorganisationen nicht auf

Update, 9. Juli, 18.55 Uhr: Der italienische Innenminister Matteo Salvini gibt den Kampf gegen die Hilfsorganisationen nicht auf. Seine Begründung. Sie stellen eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit dar. 

Italienische Juristen sind anderer Ansicht. Sie meinen, das Problem seien vielmehr kleine „Geisterboote“ aus Tunesien, die völlig unbemerkt von Küstenwache und Radarkontrollen Personen nach Europa brächten, die nicht registriert werden wollten. Darunter seien häufig Vorbestrafte und Terrorverdächtige. Tatsächlich sollen von den rund 3000 Bootsflüchtlingen, die im ersten Halbjahr 2019 in Italien ankamen, nur jeder Zehnte von privaten Seenotrettern gebracht worden sein. Die Migrantenankünfte auf Rettungsschiffen seien inzwischen statistisch unbedeutend, hatte auch Staatsanwalt Luigi Patronaggio, der gegen Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete ermittelt, vergangene Woche betont.

Rettungsschiff „Alan Kurdi“ rettet 44 Migranten von Holzboot

Update, 6.10 Uhr: Kurz nach ihrer Rückkehr ins Einsatzgebiet im Mittelmeer vor Libyen hat die deutsche Hilfsorganisation Sea-Eye mit ihrem Schiff „Alan Kurdi“ 44 Migranten gerettet. Der Einsatz sei in Kooperation mit den maltesischen Behörden erfolgt, erklärte die Organisation auf Twitter. Die Menschen seien auf einem Holzboot unterwegs gewesen, das zuvor von dem privaten Suchflugzeug „Colibri“ ausgemacht worden war. Ein Schiff der maltesischen Marine sei nun auf dem Weg, um die Migranten zu übernehmen und an Land zu bringen.

Update, 8. Juli, 14.45 Uhr: Das juristische Nachspiel für die deutsche Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete in Italien zieht sich hin. Die Staatsanwaltschaft in Agrigent werde voraussichtlich erst nach dem Sommer entscheiden, ob es zu einem Prozess kommen soll oder ob die Vorwürfe wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung fallen gelassen werden, sagte Staatsanwalt Salvatore Vella der Deutschen Presse-Agentur.

Die Vernehmung zu diesen Vorwürfen ist auf den 18. Juli verschoben worden. Grund ist laut Staatsanwaltschaft ein Streik der Strafverteidiger. Rackete sei frei und könne auch bis zu diesem Termin nach Deutschland zurückkehren, sagte Vella. Die 31-Jährige aus Niedersachsen ist derzeit in Italien.

Update, 7. Juli 19.20 Uhr: Bundesinnenminister Horst Seehofer hat begrüßt, dass Malta 123 aus dem Mittelmeer geretteten Migranten erlaubt hat, an Land zu gehen. „Auf Bitten von Malta sollen hiervon 94 Personen in andere Mitgliedstaaten verteilt werden. Im Geiste der europäischen Solidarität habe ich angeboten, dass wir uns hieran mit bis zu 40 Personen beteiligen“, teilte er am Sonntagabend über sein Ministerium mit. „Ich bin zufrieden, dass es gelungen ist, zügig eine Ausschiffung zu ermöglichen. Allerdings brauchen wir für diese Fälle jetzt schnell einen tragfähigen und funktionierenden Mechanismus. Daran müssen die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten mit Hochdruck arbeiten.“

Update, 7. Juli 17.40 Uhr:  „Wir sind freudig überrascht“, sagte Sea-Eye-Einsatzleiter Gorden Isler in einem Telefonat mit der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings sei das Schiff selbst noch nicht über die Entscheidung der maltesischen Behörden informiert worden. „Darauf warten wir jetzt“, sagte Isler.

Die Behörden Maltas hätten die Schiffsführung nur angewiesen, nach Gozo, der Nachbarinsel Maltas, zu fahren. „Das ist 50 Seemeilen entfernt und dauert etwa sieben Stunden“, sagte Isler. Dort würden die Menschen vermutlich auf See vom maltesischen Militär übernommen und an Land gebracht. „Wir werden bestimmt nicht in den dortigen Hafen einlaufen dürfen. Wenn die Menschen von Bord sind, werden wir sicher gleich wieder weggeschickt“, fügte der Einsatzleiter hinzu.

„Alan Kurdi“: Malta lässt alle 65 Migranten an Land

Update, 7. Juli 17.05 Uhr: Malta hat sich bereiterklärt, alle 65 Migranten an Bord des deutschen Rettungsschiffes „Alan Kurdi“ an Land zu lassen. Die Menschen würden umgehend auf andere europäische Länder verteilt, teilten die Behörden Maltas am Sonntag nach Gesprächen mit der EU-Kommission und Deutschland mit.

Update, 7. Juli 16.00 Uhr: Malta hat sich bereiterklärt, drei in der Hitze auf dem Rettungsschiff „Alan Kurdi“ kollabierte Migranten an Land zu lassen. Das bestätigte ein Sprecher der Behörden am Sonntag. Zuvor hatte sich die Lage auf dem Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation Sey-Eye aus Regensburg zugespitzt. „Drei der Geretteten sind in sehr schlechtem Zustand. Sie sind stark abgemagert und geschwächt und müssen dringend zur medizinischen Behandlung an Land gebracht werden“, sagte Sea-Eye-Einsatzleiter Gorden Isler in einem Telefonat mit der Deutschen Presse-Agentur. Zwei von ihnen seien Minderjährige.

Die „Alan Kurdi“ der Regensburger Organisation Sea-Eye.

Das Schiff dürfe immer noch nicht in den Hafen einlaufen, schrieb Sea-Eye auf Twitter. „Während die #AlanKurdi vor dem geschlossenen Hafen von Malta warten muss, befinden sich drei Personen in akuter medizinischer Behandlung. Alle drei sind in der Hitze kollabiert.“ Das Schiff benötige dringend medizinische Unterstützung und einen sicheren Hafen, um Schlimmeres zu verhindern.

Update, 7. Juli 14.30 Uhr: Nachdem das deutsche Rettungsschiff „Alan Kurdi“ angekündigt hatte, nach Malta zu fahren, hat auch dieses Land dem Rettungsschiff das Anlegen verboten. Die „Alan Kurdi“ hatte am Samstagabend Kurs auf Malta genommen, da ihr auf Lampedusa das Anlegen untersagt worden war. „Wir können nicht abwarten, bis an Bord der Notstand herrscht“, erklärte die Hilfsorganisation Sea-Eye im Kurzbotschaftendienst Twitter. Am Sonntag teilte ein Sprecher der maltesischen Armee mit, das Schiff der Hilfsorganisation Sea-Eye dürfe nicht in die maltesischen Hoheitsgewässer einfahren.

Rettungsschiff „Alan Kurdi“ fährt nach Malta

Update, 7. Juli, 10.10 Uhr:  Angesichts massiver Drohungen der italienischen Regierung hat das deutsche Rettungsschiff „Alan Kurdi“ mit 65 Migranten an Bord seinen Kurs Richtung Malta geändert. Das zuletzt vor Lampedusa liegende Schiff werde den Inselstaat als nächsten sicheren Hafen ansteuern, erklärte die Hilfsorganisation Sea-Eye am Samstagabend. Die „Alan Kurdi“ fahre wegen des Anlegeverbots der italienischen Behörden in Lampedusa und Strafandrohungen gegen die Besatzung nach Malta, erklärte Sea-Eye. Dort werde das Rettungsschiff am Sonntagnachmittag ankommen. „Wenn die Staats- und Regierungschefs ihre Kritik am italienischen Innenminister ernst meinen, können sie uns auf Malta einlaufen lassen“, wurde Gorden Isler, Einsatzleiter der „Alan Kurdi“, von Sea-Eye zitiert.

Update, 6. Juli, 19.15 Uhr: Das Rettungsschiff „Alex“ der italienischen Hilfsorganisation Mediterranea ist am Samstag trotz eines vom italienischen Innenminister Matteo Salvini verhängten Verbots in den Hafen von Lampedusa eingelaufen. Auf Bildern des Nachrichtensenders SkyTG24 war zu sehen, wie der Motorsegler an einer Pier des Hafens der italienischen Mittelmeerinsel festmachte.

Das Rettungsschiff „Alex“ ist trotz eines von Innenminister Salvini verhängten Verbots in den Hafen von Lampedusa eingelaufen.

Mediterranea hatte vor dem Einlaufen in den Hafen einen „Notstand“ wegen einer als unerträglich beschriebenen Gesundheits- und Hygienesituation an Bord erklärt. Die italienische Regierung hatte die Organisation zuvor aufgefordert, mit dem Rettungsschiff Malta anzusteuern. Die elfstündige Reise sei aber zu lang und gefährlich, sagte Mediterranea. Nach Angaben der Organisation befänden sich nahezu 60 Menschen an Bord, darunter 41 Gerettete. Zugelassen sei das Schiff lediglich für 18 Menschen.

Salvini antwortet Seehofer: Häfen bleiben dicht

Das Rettungsschiff „Alan Kurdi“ der deutschen Hilfsorganisation Sea-Eye aus Regensburg wartete unterdessen am Samstag vor Lampedusa außerhalb der italienischen Hoheitsgewässer auf eine Erlaubnis, 65 gerettete Migranten an Land bringen zu dürfen. 

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) forderte unterdessen Salvini in einem Brief auf, die Dauerkrise der Rettungsschiffe im Mittelmeer zu beenden. Salvini wies diese Forderung zurück. „Die Bundesregierung bittet mich, italienische Häfen für die Schiffe zu öffnen? Absolut nicht“, erklärte er am Samstag. „Wir fordern die Merkel-Regierung auf, den Schiffen die deutsche Flagge zu entziehen, die Menschenhändlern und Schmugglern helfen, und ihre Bürger, die die italienischen Gesetze missachten, zurückzuholen“, fügte der rechtspopulistische Politiker hinzu.

Update, 6. Juli, 18.15 Uhr: Tausende Menschen sind am Samstag deutschlandweit aus Solidarität mit zivilen Seenotrettern und zur Unterstützung von Flüchtlingen auf die Straße gegangen. Die Bewegung Seebrücke sprach von insgesamt rund 30.000 Demonstranten in mehr als hundert Städten. Demnach nahmen am Nachmittag in der Hauptstadt Berlin rund 8000 Teilnehmer an der Kundgebung teil, die Polizei sprach dagegen nur von 3000.

Tausende demonstrieren bundesweit für Seenotretter, hier beispielsweise in Berlin.

Unter anderem in Berlin wurde ein Appell der Kapitänin Carola Rackete über Lautsprecher übertragen. „Man kann von der Bundesregierung erwarten, dass sie mutig vorangeht und sagt: Wir nehmen jetzt bis auf weiteres alle auf, die auf dem Mittelmeer gerettet werden. (...) Das sind ein paar Hunderte oder Tausende im Moment, die da übers Mittelmeer kommen“, sagte Rackete. Die Verantwortungslosigkeit der europäischen Staaten habe sie gezwungen, so zu handeln, wie sie es getan habe. 

Seehofer will Gerettete von der „Alan Kurdi“ aufnehmen

Update, 6. Juli, 9.45 Uhr: Deutschland hat der EU-Kommission angeboten, Migranten von zwei weiteren Rettungsschiffen im Mittelmeer aufzunehmen. „Auch im Fall der ,Alan Kurdi’ und der ,Alex’ sind wir im Rahmen einer europäisch-solidarischen Lösung bereit, einen Teil der aus Seenot Geretteten aufzunehmen“, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Samstag. Dies habe er bereits am Freitagvormittag der Europäischen Kommission mitgeteilt und um Koordinierung gebeten. 

Das Schiff „Alan Kurdi“ der Organisation Sea-Eye aus Regensburg hatte nach eigenen Angaben in internationalen Gewässern vor Libyen 65 Migranten von einem Schlauchboot gerettet. Die „Alex“ ist ein Schiff der italienischen Hilfsorganisation Mediterranea Saving Humans. Sie hat aktuell 54 Migranten an Bord. Im Bundesinnenministerium war am Freitagabend ein Brief von Italiens Innenminister Matteo Salvini eingegangen. Darin drängt Salvini Seehofer, Verantwortung für die „Alan Kurdi“ zu übernehmen.

Update, 5. Juli, 18:01 Uhr:  Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete hat den Umgang der Bundesregierung mit geflüchteten Schiffbrüchigen kritisiert. Insbesondere Innenminister Horst Seehofer habe nicht den Eindruck erweckt, den geretteten Menschen helfen zu wollen. „Die haben die heiße Kartoffel immer weitergereicht, während wir zuletzt noch immer 40 Gerettete bei uns an Bord hatten“, sagte Rackete gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. 

Deutsche Kommunen hätten zwar angeboten, Migranten von der „Sea-Watch 3“ aufzunehmen. „Es scheiterte dann aber auch an Bundesinnenminister Horst Seehofer, der keine Lust hatte, die Angebote der Städte anzunehmen“, sagte die Rackete, die am Dienstag von der Staatsanwaltschaft in Italien vernommen werden soll.

Carola Rackete will Matteo Salvini verklagen - wegen Verleumdung

Update, 5.7., 17.00 Uhr: Carola Rackete hat genug. Nach zahlreichen Beschimpfungen will die „Sea-Watch“-Kapitänin Italiens Innenminister Matteo Salvini verklagen - wegen Verleumdung. Es sei gar nicht leicht gewesen, alle Beleidigungen zu erfassen, sagte Racketes Anwalt Alessandro Gamberini am Freitag im italienischen Rundfunk. Zudem habe Salvini zu strafbaren Handlungen angestiftet. Das sei noch schwerwiegender, wenn es ein Innenminister tue, sagte Gamberini: „Er ist es, der die Wellen des Hasses bewegt.“ Es sei zwar schwer, mit einer Verleumdungsklage diesem Hass entgegenzutreten. „Es ist, wie mit einem Eimer den Sand aus dem Meer zu schaufeln.“ Es gehe aber darum, ein Zeichen zu setzen.

Kapitänin Rackete fordert die Aufnahme aller Flüchtlinge aus Libyen.

Salvini selbst zeigte sich von der drohenden Verleumdungsklage gänzlich unbeeindruckt. „Sie verstößt gegen die Gesetze und attackiert italienische Militärschiffe, und dann verklagt sie mich“, erklärte er auf Facebook. „Ich habe keine Angst vor der Mafia, also stellt Euch eine reiche deutsche und verwöhnte Kommunistin vor ... Küsschen.“

Update, 3.7., 16.00 Uhr: „Sea-Watch“-Kapitänin Carola Rackete hat viel Mut beweisen, darüber sind sich alle einig. Tatsächlich rollt derzeit eine Welle der Solidarität durch Deutschland - das ist schön. Noch schöner: Auch die Geretteten dürfen vorerst in Europa bleiben. Doch wie Steven Geyer in seiner Analyse auf fr.de schreibt, enden damit leider die guten Nachrichten. Wer anführe, schon die große Sympathie für Rackete gebe Grund zur Hoffnung, konzentriere sich zu sehr auf die Helden - und vergesse die Vorgeschichte. Der Streit über die Rettungscrew um Rackete sei deshalb rein symbolisch – gerade mit Blick auf die Bundesregierung.

Carola Rackete bleibt vorerst in Italien

15.00 Uhr:  Carola Rackete wird nach Angaben ihres Vaters „nicht ganz so schnell“ nach Deutschland zurückkommen. Sie habe in ihrem neuen Domizil gut geschlafen und wolle für die zweite Anhörung in Italien bleiben, sagte Ekkehart Rackete aus Hambühren (Landkreis Celle) am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. 

Die in Preetz bei Kiel geborene und in Hambühren aufgewachsene Kapitänin äußerte sich erleichtert nach ihrer Freilassung. „Mich hat die Solidarität, die mir so viele Menschen ausgedrückt haben, berührt“, sagte sie am späten Dienstagabend. Wo sie sich derzeit genau aufhält, ist unklar. 

Die Medienaufmerksamkeit habe seine Tochter auch ein Stück weit überrollt, sagte der Vater. In einer Woche (9. Juli) soll Rackete in einem weiteren Verfahren gegen sie wegen des Vorwurfs der Beihilfe zur illegalen Migration von der Staatsanwaltschaft vernommen werden.

6.00 Uhr: Carola Rackete ist wieder frei, doch ihre Verhaftung hat das Thema Migrationspolitik wieder aufs Tapet gebracht. Doch so sehr das Urteil einem ein wenig Vertrauen in italienisches Recht wiedergebe, heißt es in unserm Kommentar auf fr.de, so sehr sei auch klar: Die Entscheidung alleine werde weder Salvini dazu bringen, seine Abschottungspolitik zu ändern noch werde dadurch das eigentliche Problem gelöst. Klar sei: Die EU müsse ihre Migrationspolitik ändern.

Update, 2.7. 21.10 Uhr: Die deutsche Hilfsorganisation Sea-Watch hat die Freilassung ihrer Kapitänin Carola Rackete begrüßt. „Wir sind erleichtert, dass unsere Kapitänin frei ist!“, twitterte die Organisation am Dienstagabend. „Es gab keinen Grund, sie festnehmen zu lassen, da sie sich lediglich für Menschenrechte im Mittelmeerraum eingesetzt und Verantwortung übernommen hat, wo keine europäische Regierung es tat.“

Carola Rackete kommt frei

21.00 Uhr: Kapitänin Carola Rackete kommt frei. Ein italienischer Ermittlungsrichter im sizilianischen Agrigent hob den Hausarrest am Dienstag auf, wie die Nachrichtenagentur Ansa meldete. Es seien keine weiteren freiheitsentziehenden Maßnahmen angeordnet worden. Italiens Innenminister Matteo Salvini erklärte gleichzeitig, die Ausweisung Racketes sei vorbereitet. Sie stelle eine Gefahr für die nationale Sicherheit dar. 

9.25 Uhr: Carola Rackete hat ungemein viel Unterstützer, wie ein auf die nackten Zahlen beweist.  Bisher sind nämlich mehr als 1,3 Millionen Euro Spenden für Sea-Watch eingegangen. Alleine der Aufruf von Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf brachte mehr als 893.000 Euro ein.

Update, 1.7., 19.00 Uhr: Das Tauziehen um Carola Rackete geht weiter. Nach der Kritik von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an der Verhaftung der „Sea-Watch 3“-Kapitänin geht nun Italiens rechtspopulistische Regierung zum Gegenangriff über. Vor allem Innenminister Matteo Salvini zeigte sich ob der Worte des ranghöchsten Vertreters des deutschen Staates irritiert. „Den deutschen Bundespräsidenten bitten wir höflich, sich um das zu kümmern, was in Deutschland passiert“, schrieb Salvini auf Twitter. „Er soll seine Mitbürger bitten, dass sie vermeiden, die italienischen Gesetze zu brechen und zu riskieren, Männer der italienischen Ordnungskräfte umzubringen.“ Salvini nannte Carola Rackete eine Verbrecherin und sprach von einer „Kriegshandlung“. 

14.00 Uhr: Die Menschen in Frankfurt erklären sich solidarisch mit Kapitänin Carola Rackete. Am Montagvormittag kamen rund 250 bis 300 Menschen zur Mahnwache vor dem italienischem Generalkonsulat in Frankfurt. „Seenotrettung ist Pflicht“ steht auf ihren Bannern, „Stoppt das Sterben an den Außengrenzen“ und „diese EU tötet“. Initiativen wie die Seebrücke oder die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes sind ebenso vor Ort wie Politikerinnen und Politiker von SPD, Grünen und Linkspartei.

Böhmermann und Heufer-Umlauf bitten um Spenden

Update, 30.6., 17.50 Uhr: Kann das sein? Sterben lassen ist ok, aber retten wird bestraft? Nein kann nicht sein, heißt es in unserm Kommentar auf fr.de. Doch die Schuld am Drama um die Kapitänin Rackete liegt nicht alleine in Rom. Ganz Europa ist gefordert. Aber Europa schaut weg.

13.00 Uhr: Das Drama um die „Sea Watch 3“ geht weiter. Jetzt haben zwei Promis zu Spenden für die Seenotretter der deutschen Hilfsorganisation Sea Watch und ihre in Italien festgenommene Kapitänin Carola Rackete aufgerufen. In einem gut fünfminütigen auf Youtube in der Nacht zu Sonntag geposteten Video zeigten sich die Fernsehmoderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf erschüttert von den Geschehnissen auf der italienischen Insel Lampedusa.

Sea Watch legt an - Kapitänin Rackete festgenommen

Erstmeldung, 29.6.: Nach wochenlangem Tauziehen und ohne Zustimmung der italienischen Behörden hat das deutsche Flüchtlings-Rettungsschiff Sea-Watch 3 im Hafen der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa angelegt. Nach dem Festmachen wurde die deutsche Kapitänin Carola Rackete umgehend festgenommen und das Schiff von italienischen Behörden beschlagnahmt, teilte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer mit. Die 40 Migranten, die noch an Bord waren, hätten das Schiff verlassen können.

Der Nachrichtenagentur Ansa zufolge drohen der 31-jährigen Kapitänin Carola Rackete drei bis zehn Jahre Haft, weil sie gegen ein Kriegsschiff Widerstand geleistet oder Gewalt angewendet habe. Die Staatsanwaltschaft Agrigent habe Hausarrest für sie angeordnet.

Endlich in Sicherheit: Das Rettungsschiff Sea Watch hat in Italien angelegt.

Sea-Watch-Geschäftsführer Johannes Bayer erklärte im Kurzmitteilungsdienst Twitter, die Kapitänin habe „genau das Richtige getan“. Rackete habe das Seerecht eingehalten und die Flüchtlinge in Sicherheit gebracht. Die Kapitänin hatte im Vorfeld gesagt, sie wisse, was sie riskiere und sei bereit, für ihre Entscheidungen ins Gefängnis zu gehen. 

Breite Welle der Solidarität begleitet Sea Watch

Das Schiff hatte am 12. Juni insgesamt 53 Menschen vor der Küste Libyens von einem Schlauchboot gerettet. 13 von ihnen, darunter Frauen, Kranke und Kinder, waren in den vergangenen Tagen an Land gebracht worden.

Fünf europäische Länder hatten am Freitag zugesagt, die Flüchtlinge von Bord des Schiffes aufzunehmen. Dennoch hatte die italienische Regierung weiterhin keine Genehmigung zum Anlegen erteilt. Das italienische Innenministerium hatte erklärt, es warte auf „gesicherte Garantien“.

Salvini verlangt nach restriktiven Maßnahmen

Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechtsradikalen Lega-Partei hatte erklärt, die Migranten dürften das Schiff nur verlassen, wenn andere europäische Länder sie aufnähmen. Zudem verlangte er bereits im Vorfeld die Festnahme der Besatzung und die Beschlagnahmung des Schiffes. Die Sea-Watch 3 fährt unter niederländischer Flagge, die Rettungsorganisation hat ihren Sitz in Deutschland.

Die Regierung in Rom fährt eine äußerst restriktive Flüchtlingspolitik und hat die italienischen Häfen für internationale Rettungsschiffe geschlossen. Seit 2014 sind mehr als 12.000 Menschen bei dem Versuch gestorben, von Libyen über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Das UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR spricht deshalb von „der tödlichsten Meeresüberquerung der Welt“. (mit dpa/afp) 

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