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KRC-Retterin kümmert sich um Frauen im Al-Hol-Camp.

Humanitäre Hilfe

Retter unterm Halbmond

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Wie die Humanitäre Hilfe im Norden Syriens sich organisiert.

Der „Kurdische Rote Halbmond“ (KRC) wurde 2012 von einer Handvoll Ärzten und Anwälten gegründet – als direkte Reaktion auf die zerfallende Infrastruktur Syriens. Die Ärzte versorgten Verletzte, die Anwälte besorgten die Integration der jungen Hilfsorganisation in die bestehenden oder sich entwickelnden zivilen kurdischen und syrischen Selbstverwaltungsstrukturen außerhalb der Kontrolle des Assad-Regimes.

Zuerst wurde die humanitäre Arbeit des KRC von einigen wenigen Freiwilligen getragen, inzwischen wirken 1040 Frauen und Männer unter seinem Banner. Reagierten sie in den ersten Jahren ad hoc auf Notfalllagen und improvisierten mit allem, was zur Hand war, so hat die Organisation sich inzwischen massiv professionalisiert. KRC-Einsatzkoordinator Sherwan Bery schränkt allerdings ein, man sei „noch nicht so weit, wie wir das für nötig erachten. So etwas braucht seine Zeit.“

Alle müssen helfen: Ein Mann aus Tal Abiad räumt Trümmer fort.

Für die kurdische und die syrische Selbstverwaltung ist der KRC ein verlässlicher Partner. 2013, als der Norden Syriens kaum Gefechte sah, war das noch nicht absehbar. Aber der Krieg kam schließlich auch in den Norden „und unsere Freiwilligen waren zur Stelle, um Erste Hilfe zu leisten und Rettungseinsätze zu organisieren“, erinnert sich Bery. „Das hat geholfen, ein Vertrauensverhältnis zwischen der Selbstverwaltung und dem KRC zu schaffen, auf dem wir aufbauen.“

Der KRC operiert hauptsächlich im Norden Syriens und der autonomen kurdischen Gebiete dort. Mit einer kleinen Mission ist die Hilfsorganisation auch im kurdischen Teil des Irak vertreten. 2014 half die Organisation der vom „Islamischen Staat“ (IS) verfolgten Minderheit der Jesiden mit 50 Ambulanzteams. Während der Belagerung und Befreiung der syrischen „IS-Hauptstadt“ Rakka 2017 war der KRC dort ebenfalls aktiv wie auch bei zahllosen anderen humanitären Notlagen und militärischen Einsätzen.

Streng nach Rotkreuz-Regeln

Die Organisation hält sich an die Einsatzgebote des Komitees des Internationalen Roten Kreuzes, gehört ihm aber nicht an. Das liegt an den Aufnahmebedingungen der Genfer Organisation: Sie lässt von jedem Land nur eine Rot-Kreuz-konforme Rettungsorganisation in ihren Reihen zu. Solange Syrien offiziell als eine Nation fungiert, ist das der dortige Arabische Rote Halbmond.

Sherwan Bery meint, der KRC sei „durchaus bereit, einen anderen Namen anzunehmen oder uns einer anderen humanitären Organisation wie beispielsweise dem Roten Kreuz oder dem Roten Halbmond anzuschließen. Alles, was hilft. Das Wichtige ist doch am Ende, das Leid der Menschen im Krieg zu lindern.“

Um das zu gewährleisten, braucht der KRC weiterhin die Hilfe von Spender und internationalen Partnern. Und die müssten den KRC dann immer noch als KRC identifizieren, egal unter welchem Namen. 

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