Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Trump Clark County 2020
+
Pro-Trump-Proteste im Clark County nach der Wahl 2020: Sie könnten von einer Undercover-Reporterin mit organiert worden sein.

Nevada

Republikaner: Undercover-Reporterin sollte „Proud Boys“ für Trump-Demos rekrutieren

  • VonMirko Schmid
    schließen

In Nevada gelang es einer liberalen Aktivistin, die republikanische Partei mehrere Monate lang von innen heraus zu beobachten.

Las Vegas - Sarah Ashton-Cirillo ist Aktivistin, Investigativ-Reporterin und Transgender. Im Rahmen einer Recherche gelang es ihr, sich für Monate in den inneren Zirkel der Republikaner im Bundesstaat Nevada einzuschleusen. Bereits nach kurzer Zeit erhielt sie den Auftrag, Mitglieder der extrem rechten und paramilitärisch organisieren Gruppierung „Proud Boys“ für einen organisierten Aufstand gegen die Niederlage von Donald Trump gegen Joe Biden im Rennen um die US-Präsidentschaft zu organisieren.

Begonnen hatte alles schon Jahre zuvor. Im Jahr 2018 lebte und arbeitete Ashton-Cirillo mit einem Freund für drei Monate auf einem Bauernhof in Kentucky. Die Familie, die sie beherbergte, habe aus Nazis, Preppern und Anhängern der Ideologie der sogenannten Weißen Vorherrschaft bestanden. 36 Jahre lang habe diese Familie nicht an einer einzigen Präsidentschaftswahl teilgenommen. Das habe sich mit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten schlagartig geändert. Aus systemkritischen Nichtwählern seien glühende Trump-Fans geworden.

Und Sarah Ashton-Cirillo war angestachelt von dem Gedanken, weiter in die Gedankenwelt extrem rechts denkender Menschen einzutauchen. Ihre Reise ins Innere der republikanischen Wertvorstellungen und Strategien begann mit einer Boots-Rallye zugunsten von Donald Trump auf dem Lake Mead, einem Stausee etwa 50 Kilometer südöstlich von Las Vegas. Nur einen Abend später nahm sie an einer weiteren Pro-Trump-Veranstaltung teil.

Parteichef der Republikaner in Nevada besucht Investigativ-Reporterin in ihrem Haus

Dort wurde sie als ehemals erstklassige Poker-Spielerin wiedererkannt, laut der Szene-Webseite Thehendonmob.com hat sie mit dem Kartenspiel Preisgelder im fünfstelligen Bereich verdient und spielt auch heute noch regelmäßig bei Turnieren mit. So kam sie schnell ins Gespräch mit führenden Mitgliedern der Republikaner und deren Gefolgschaft. Es dauerte nicht lange, bis sie gefragt wurde, ob sie im Wahlkampf für Donald Trump mithelfen wolle. Sie nahm an.

Nur zwei Monate später, im Dezember 2020, – die Wahlen waren gelaufen, Donald Trump bestand weiter auf seinen angeblichen Wahlsieg – empfing sie Michael McDonald in ihrem Haus und diskutierte mit ihm die künftige Strategie der Republikaner in Nevada. Michael McDonald ist ein ehemals angesehener Polizist, ein immer wieder mit Korruption in Verbindung gebrachter Ex-Stadtrat und Vorsitzender der Republikaner im Bundesstaat Nevada.

Er gilt als leidenschaftlicher Trump-Anhänger und maßgeblicher Treiber des Narratives eines angeblichen Wahlbetruges in seinem Bundesstaat, in dem Trump 2016 genauso das Nachsehen gegenüber Hillary Clinton hatte wie vier Jahre später gegen Joe Biden verlor. Seine Loyalität gegenüber dem ehemaligen Präsidenten hat ihm einige Vorteile verschafft. Während Trumps Reden sitzt McDonald häufig weit vorn und gilt als einer derer, die am lautesten ihre Begeisterung kundtun. Er flog bereits an Bord der Air Force One mit und soll über Zugang zum Familienclan der Trumps verfügen.

Trump-treuer Parteichef soll parteiinterne Abstimmung mithilfe der „Proud Boys“ unterwandert haben

Sarah Ashton-Cirillo verfügt über Kopien von Chatverläufen, die unter anderem der Washington Post vorliegen. In diesen spricht Matt Anthony, Vorsitzender der „Proud Boys“ in Nevada, begeistert davon, dass Michael McDonald plane, den Kreisverband der Republikaner im Clark County zu unterwandern. Dabei handelt es sich um den Landkreis in Nevada, der unter anderem Las Vegas umfasst.

Gemeinsam mit der extrem rechten Gruppierung soll McDonald versucht haben, die für die Wahl zuständige Ministerin, Barbara Cegavske, offiziell tadeln zu lassen. Die Republikanerin Cegavske hatte sich nach der Wahl geweigert, ebenjene im Sinne von Donald Trump als manipuliert zu erklären. Tatsächlich kam der Antrag durch, Cegavske wurde nun mehrheitlich bescheinigt, dass ihr Amt „die Zuverlässigkeit der Wahlen in Nevada infrage gestellt“ habe.

Alle wichtigen Nachrichten zur US-Politik direkt in Ihr Mail-Postfach

Mit dem neuen USA-Newsletter der FR verpassen Sie keine wichtigen Nachrichten mehr und sind immer bestens informiert.

Die Behördenchefin selbst kommentierte das mit 126 zu 112 Stimmen knappe Abstimmungsergebnis seinerzeit resigniert: „Bedauerlicherweise haben Mitglieder meiner eigenen politischen Partei beschlossen, mich zu tadeln, nur weil sie vom Ausgang der Wahlen 2020 enttäuscht sind.“

Republikaner: Sarah Ashton-Cirillo veröffentlicht rassistische und antisemitische Chatnachrichten

Dies führte zu großen Brüchen in den Reihen der Republikaner in Nevada. Deren Mitglieder des Staatssenats forderten ihre Parteimitglieder auf, sich von den „Proud Boys“ zu distanzieren, später schloss sich der Kreisverband im Clark County dem Aufruf an. Mit Blick auf eine mutmaßliche Beteiligung ihres Landeschefs McDonald an einer Unterwanderung gaben sie eine Erklärung heraus.

In diesem Statement heißt es wörtlich: „Wenn festgestellt wird, dass ein Mitglied oder Mitarbeiter der Republikanischen Partei von Nevada sich mit diesen Personen verschworen hat oder von einem Fehlverhalten bei der Parteiabstimmung Kenntnis hatte, fordern die Republikaner des Senats einen sofortigen Rücktritt und Ausschluss aus der Partei.“ Bereits Konsequenzen gezogen hat die Partei in sieben Fällen, in denen ein Parteiausschluss ergangen ist. Dabei handelt es sich um Mitglieder einer Telegram-Gruppe namens „Keep Nevada Open“.

Sarah Ashton-Cirillo legte der Landespartei Chatverläufe vor, die belegen, dass sich diese sieben Mitglieder rassistisch beziehungsweise antisemitisch geäußert hatten. Bei einem dieser sieben Ex-Republikaner handelt es sich um Matthew Anthony Yankley. Dieser war einer der Admins der Telegram-Gruppe und hat sich inzwischen auch öffentlich per Podcast dazu bekannt, ein „Proud Boy“ zu sein. Er war es, der beantragt hatte, Barbara Cegavske eine Rüge auszusprechen.

US-Abgeordneter der Republikaner plant Aufstand

Yankley will von einer Mitschuld nichts wissen. Er habe nichts von „den bigotten Posts in der Telegram-Gruppe“ gewusst, die er mit moderierte, ließ er das Las Vegas Review Journal wissen. Die Person, die die anstößigen Informationen veröffentlicht habe, habe er aus der Gruppe verbannt, nachdem er darauf aufmerksam gemacht wurde. Gegen seinen Parteiausschluss klagt Yankley. Im selben Interview sprach der „Proud Boy“ davon, dass ihn die „Chefs der Republikaner“ um Hilfe gebeten hätten, um sicherzustellen, dass Barbara Cegavske getadelt werde.

Und Yankley war auch unter jenen, die Sarah Ashton-Cirillo für eine Kundgebung vor dem Clark County Election Department im Norden von Las Vegas rekrutierte, nachdem die Investigativ-Reporterin diesen Auftrag von Woodrow Johnston erhalten hatte. Johnston, Vizepräsident des Beratungsunternehmens McShane LLC, erzählte Ashton-Cirillo per Facebook-Chat von Paul A. Gosar.

Der ist Abgeordneter der Republikaner im US-Repräsentantenhaus und soll zu dieser Zeit einen sogenannten Brooks Brothers Riot in Arizona geplant haben. Dabei handelt es sich einen Aufstand gegen das Wahlergebnis, die Referenz ist an das Jahr 2000 angelehnt, als republikanische Proteste für ein Ende der Auszählung der Stimmen in Florida gesorgt und George W. Bush damit mittelbar den Weg ins Weiße Haus geebnet hatten.

Ausschreitungen für Donald Trump: „Wir müssen vielleicht hier in Nevada dasselbe tun“

„Wir müssen vielleicht hier in Nevada dasselbe tun“, schrieb Johnston gemäß der Kopien der Korrespondenz, die Ashton-Cirillo der Washington Post vorgelegt und deren Authentizität Johnston nicht bestritten hat. „Das bedeutet, dass wir die Proud Boys rausholen müssen.“ Umgehend tat Ashton-Cirillo wie ihr geheißen und organisierte die letztlich friedlichen Proteste gegen das Wahlergebnis mit. Tagelang riefen die Trump-Fans „Stoppt den Diebstahl!“ und „Beendet den Betrug!“, zu Ausschreitungen kam es ebenso wenig wie zu einer Unterbrechung der Auszählung.

BundesstaatNevada
HauptstadtCarson City
Bevölkerung3,08 Millionen (Stand 2019)
GouverneurSteve Sisolak (Demokraten)

Sarah Ashton-Cirillo bereut ihren Ausflug in die Welt der extrem Rechten nicht. Ihre Recherchen schlagen in den USA bereits hohe Wellen. „Ich werde mich nie dafür entschuldigen, dass ich sie belogen habe“, so Ashton-Cirillo, „schließlich hätten sie sich nur einmal etwas über mich anschauen müssen.“ Tatsächlich hatte die Reporterin Donald Trump noch wenige Monate zuvor in den Sozialen Medien verspottet und in der Vergangenheit immer wieder ihre Unterstützung für Barack Obama kundgetan.

Sarah Ashton-Cirillo: „Rechtsextreme vom Hass auf unsere Republik geblendet“

„Die extreme Linke und die extreme Rechte teilen enorme Probleme mit dem System, in dem wir leben“, befand Ashton-Cirillo im Anschluss an ihre Recherche. „Allerdings sind nur Rechtsextreme vom Hass auf unsere Republik so geblendet, dass sie meine auf meine Unterwanderung hereinfallen konnten.“ Ermöglicht hätten ihre Recherchen Trump-Fans, die „ein Bedürfnis“ hätten, „ihren eigenen Lügen und Unwahrheiten zu glauben“.

Vonseiten gemäßigter Demokraten aus ihrem Umfeld habe sie sich vorwerfen lassen müssen, „so tief in die Rolle“ eingestiegen zu sein. „Aber Rechtsextreme reagieren nur auf äußerste Absurdität“, so Ashton-Cirillo „und am Ende des Tages habe ich den Betrug und die faschistischen Gefahren, die sich innerhalb dieser Partei ausbreiteten, aufgedeckt. Jetzt geht es uns allen besser.“ (Mirko Schmid)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare