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USA: Republikaner verbieten Bücher in Schulen und Bibliotheken – Betroffene wehren sich

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Von: Johanna Soll

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Schülerin liest in der Schulbibliothek (Symbolbild)
Schülerin liest in der Schulbibliothek (Symbolbild): In den USA wollen die Republikaner immer mehr (Schul-)Bücher verbieten © Imago

Die Republikaner haben in den USA 2021 eine Vielzahl an Büchern verboten. Dagegen regt sich nun Widerstand – mit einer Vereinigung gegen Bücherverbote.

Chicago – Die Republikaner, die sich in den USA als „Partei der Freiheit“ sehen, ziehen bereits seit Längerem gegen die Bildung an öffentlichen Schulen und gegen Bücher zu Felde. Die rechte der beiden US-Parteien versucht, bestimmte Titel aus Schul- und Universitätsbibliotheken zu verbannen. Seit Anfang 2021 haben republikanisch regierte Landesparlamente in 42 Bundesstaaten bereits mehr als 180 Gesetzentwürfe eingebracht, mit dem Ziel, den Unterricht über Geschlechtsidentität, Rassismus und andere „woke“ Themen zu unterbinden.

Dagegen regt sich zunehmend Widerstand. Über 25 Organisationen, darunter der Amerikanische Bibliothekenverband (ALA), die Amerikanische Lehrervereinigung, die Autorengilde und mehrere Verlagshäuser bildeten die gemeinsame Koalition „Unite Against Book Bans“ („Vereint gegen Bücherverbote“), um gegen die republikanische Zensur vorzugehen. Ihr fielen 2021 bereits rund 1600 Bücher zum Opfer, die aus den Bücherregalen öffentlicher Bibliotheken und Schulen entfernt wurden.

„Dies ist eine gefährliche Zeit für Leser:innen und Angestellte des öffentlichen Dienstes, die Zugang zu Lesematerial bieten“, teilte Deborah Caldwell-Stone, Direktorin des ALA-Büros für geistige Freiheit, in einer Stellungnahme mit. „Leser:innen, insbesondere Studierende, verlieren den Zugang zu wichtigen Informationen, und Bibliothekar:innen und Lehrer:innen werden angegriffen, weil sie ihre Arbeit machen.“

Bücherverbote in den USA: im Jahr 2021 wurden seit 20 Jahren die meisten Bücher verboten

Caldwell-Stone zufolge sei es an der Zeit, dass Politikerinnen und Politiker den Ernst der Lage erkennen und die erforderlichen Schritte einleiteten, um den Zugang der Menschen zu Informationen zu schützen. „Wir können das nicht alleine tun.“ Vor mehr als zwanzig Jahren begann ALA Bücherverbote und entsprechende Versuche zu dokumentieren – und 2021 war die Zahl innerhalb eines Jahres am höchsten.

„Bei Buchverboten geht es darum, die Lesefreiheit der Kinder und die Unterrichtsfreiheit der Lehrkräfte einzuschränken“, teilte die Vorsitzende der US-Lehrervereinigung, Randi Weingarten, in einer Erklärung mit. „Eltern sind sich einig – sie wollen, dass ihre Kinder die Lektionen der Vergangenheit auf altersgerechte Weise lernen, auch wenn bestimmte Politiker versuchen, Klassenzimmer in kulturelle Schlachtfelder zu verwandeln und zu zensieren, was gelehrt wird.“

Jüngste Umfragen zeigen, dass über zwei Drittel der Wähler:innen gegen Bemühungen sind, Bücher aus öffentlichen Bibliotheken und Schulbibliotheken zu verbannen. Weingarten sagte, die Mehrzahl der jüngsten Buchverbote zielten auf Titel mit rassistischen und LGBTQ-Themen ab und würden somit „die gelebte Erfahrung junger Leserinnen und Leser grausam auslöschen“.

Republikaner wollen nicht, dass in den Schulen über Rassismus, Sklaverei und Völkermord unterrichtet wird

Obwohl es unangenehm sei, über schwierige Themen wie Völkermord, Sklaverei und Rassismus zu sprechen, helfe das Lesen wahrhaftiger Geschichte Kindern, das Gute und das Schlechte über unser Land zu lernen und sich zu gut informierten, engagierten Bürgern der Welt zu entwickeln“, so Randi Weingarten.

Deborah Caldwell-Stone, die Direktorin im Bibliothekenverband, zeigt sich hinsichtlich der neuen Koalition „Unite Against Book Bans“ optimistisch. Ihre Gründung sei „nur den Anfang“ und sie solle wachsen und die Politik auf Bundesebene und in den Bundesstaaten positiv beeinflussen und die Rechte der Leser:innen, der Studierenden, der Mitarbeitenden der Bibliotheken und der Pädagoginnen und Pädagogen schützen.

„Angesichts der großen Anzahl von Bücherverboten im ganzen Land besteht eindeutig eine Diskrepanz zwischen dem, was die meisten Menschen wollen, und den Handlungen gewählter Politiker:innen“, so Deborah Caldwell-Stone. „Im Laufe der Entwicklung der Kampagne wird sich unser wachsendes Netzwerk zusammenschließen, um diese Verbote zu verhindern, den Zugang zu Informationen für alle zu gewährleisten und sich für die wichtige Arbeit von Bibliotheken und Bibliothekar:innen einsetzen.“ (Johanna Soll)

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