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Jens Spahn.

AKK-Nachfolge

Das Rennen um den CDU-Parteivorsitz ist wieder offen

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Wer führt künftig die CDU? Drei Politikern werden Chancen eingeräumt.

Wenn über die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer diskutiert wird, dann fallen immer wieder drei Namen: Armin Laschet, Friedrich Merz und Jens Spahn. Alle drei Kandidaten haben Vor- und Nachteile – und unterschiedliche Chancen.

Armin Laschet:

Für den Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen spricht, dass er viel politische Erfahrung hat und aus einem starken Landesverband kommt. Überdies hat der 58-Jährige in den vergangenen Jahren immer wieder mal Akzente gesetzt, die von den Konservativen als Signale in ihre Richtung verstanden werden konnten – etwa durch die Berufung von Herbert Reul zum Innenminister und dessen Kampf gegen die Clankriminalität oder durch seine Konflikte mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Laschet hat offenbar gezielt darauf geachtet, dass er nicht mehr nur als Liberaler wahrgenommen wird. Für ihn spräche ebenfalls, dass er mit der FDP und mit den Grünen kann. In beiden Parteien ist er akzeptiert und geachtet.

Armin Laschet.

Zumindest gegen eine Kanzlerkandidatur Laschets spricht, dass für ihn im Erfolgsfall in Nordrhein-Westfalen Ersatz gefunden werden müsste. Das wird nicht so einfach sein. Die CDU wird jedenfalls darauf achten müssen und wollen, dass sie das größte der 16 Bundesländer nicht wieder an die SPD verliert. Die nordrhein-westfälische Landtagswahl findet 2022 und damit nach der Bundestagswahl 2021 statt.

Friedrich Merz:

Der einstige Unionsfraktionsvorsitzende Friedrich Merz hat das Rennen um den Parteivorsitz nur ganz knapp gegen Kramp-Karrenbauer verloren. Das zeigt, wie viele Fans er hat. Merz würde der CDU wieder eine unverwechselbare Identität geben – als Volkspartei rechts der Mitte – und verkörpert die in der Union so sehr geschätzte ökonomische Kompetenz. Er ist normalerweise ein sehr guter Redner und kann Wähler mobilisieren.

Friedrich Merz.

Gegen Merz spricht, dass er politisch-ideologisch sehr festgelegt ist und nach links der Mitte keine Brücken schlagen kann. Er mobilisiert im Zweifel die eigenen Anhänger ebenso wie die Anhänger der anderen Seite und hat im Gegensatz zu Laschet und Spahn kein Regierungserfahrung. Auch seine bisherigen wirtschaftlichen Aktivitäten unter anderem für den Vermögensverwalter Blackrock bieten Angriffsfläche; von seinem Posten als Aufsichtsratschef des US-Finanzkonzerns in Deutschland zieht er sich zum April allerdings zurück, um sich wieder mehr der Partei zu widmen. Ferner sind Teile der Partei von Merz und seinen Kommentaren von der Seitenlinie genervt. Und schließlich ist er mit 64 Jahren nicht mehr der Jüngste.

Jens Spahn:

Der Bundesgesundheitsminister gilt als eine der stärksten Figuren im Kabinett. Er redet nicht, er liefert, ein Gesetz nach dem anderen. Das wird im Berliner Regierungsviertel parteiübergreifend anerkannt. Außerdem hat er es sich abgewöhnt, zu allem und jedem seinen Kommentar abzugeben. Auch reitet Spahn nicht mehr nach rechts aus wie während der Flüchtlingsbewegung, sondern ließ sich stattdessen im vorigen Jahr beim Sommerfest der Grünen-Bundestagsfraktion sehen. Anders als Merz kann Spahn gewissermaßen beidfüßig schießen. Mit 39 Jahren könnte er eine Ära prägen.

Gegen Spahn, den einige für zu ungeduldig halten, spricht, dass er mit 39 Jahren immer noch relativ jung ist – und es vermutlich schwer haben dürfte, sich in seinem Landesverband Nordrhein-Westfalen durchzusetzen. Dort aber wird die Schlacht geschlagen. Spahns Prinzipienfestigkeit lässt gelegentlich zu wünschen übrig.

Anderen potenziellen Kandidaten wie Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU) werden allenfalls Außenseiterchancen eingeräumt. Der CSU-Vorsitzende Markus Söder hatte bereits glaubhaft versichert, dass er nicht Kanzlerkandidat werden wolle. (mit dpa)

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