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Rekrutierte Häftlinge stellen sich gegen russische Armee

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Von: Jan Oeftger

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Russland setzt immer mehr Häftlinge im Krieg gegen die Ukraine ein. Einige von ihnen nutzen das jedoch als Möglichkeit zur Flucht.

Moskau – Wladimir Putin und Russland setzen auf eine neue Taktik im Krieg. Häftlinge sollen nun an der Front kämpfen. Etwa 20 russische bewaffnete Häftlinge sind im Ukraine-Krieg in den letzten Tagen vor der Front im besetzten Donezk geflohen. Das russische Militär war gezwungen, eine Fahndung nach Mitgliedern seines eigenen Teams zu starten, wie der Generalstab der Streitkräfte der Ukraine am Donnerstag (8. Dezember) mitteilte. Bei der anschließenden Durchsuchung seien drei der Geflüchteten getötet worden. Dazu fügten die ukrainischen Behörden eine Bemerkung an: „Schlagt euch selbst, damit andere Angst haben, wie sie sagen.“

Nach den anderen Flüchtigen werde weiter gesucht. Erst vor zwei Tagen war ein mutmaßlicher russischer Deserteur der Wagner-Gruppe vom Schlachtfeld in der Ukraine nach Russland geflüchtet und hatte dann auf Polizisten geschossen. Unabhängige Medien halten den Schützen für einen Häftling, der für den Krieg rekrutiert worden ist.

Russische Häftlinge sollen für den Krieg rekrutiert werden. Einige nutzen das, um zu flüchten.
Russische Häftlinge sollen für den Krieg rekrutiert werden. Einige nutzen das, um zu flüchten. © /Russian Defense Ministry Press/imago

Russische Häftlinge haben die Taktik durchschaut

Viele Experten hielten die Taktik, Häftlinge im Krieg einzusetzen, für eine einfache Möglichkeit, entbehrliche Menschen in den Krieg zu schicken. Die Häftlinge könnten diese Idee nun durchschaut zu haben. Die öffentliche Hinrichtung des Wagner-Überläufers Jewgenij Nuschin vergangenen Monat hat den Sträflingen bei dieser Erkenntnis möglicherweise geholfen, auch wenn der Drahtzieher des Rekrutierungsprogramms, Jewgenij Prigozhin den Insassen verdeutlichte, dass sie als „Helden“ in die Geschichte eingehen würden.

Unter den Insassen spricht sich jetzt jedoch herum, dass es weitere Hinrichtungen gegeben habe. Einige von ihnen haben Videos von den Tötungen gezeigt bekommen, wie sie der BBC berichten. Olga Romanova, die Leiterin der Menschenrechtsgruppe „Russland hinter Gittern“, sagte, Häftlinge hätten über ein paar Dutzend außergerichtliche Hinrichtungen von Gefangenen berichtet, die in den Krieg geworfen wurden.

Russische Gefangene wollen in der Ukraine bleiben

Russische Gefangene in der Ukraine bitten die ukrainische Regierung nun darum, nicht in einem Gefangenenaustausch an Russland übergeben zu werden. Alexander Bolschew ist einer von ihnen, er sagte: „Ich will keinen Tausch, weil sie mich sofort töten werden. Ich weiß, dass sie mich töten werden.“

Experten schätzen die Rekrutierung der Gefangenen auch für alle anderen Russen als eine „Katastrophe“ ein. „Die soziale Situation im Land könnte ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn diese Häftlinge aus dem Kriegsgebiet zurückkehren und ihre Haftstrafen herabgesetzt oder wegen ‚Sühnung‘ für ihre blutigen Verbrechen freigelassen werden“, sagte der ukrainische Militärexperte Alexander Kovalenko gegenüber iStories. Zudem würden sie mit posttraumatischen Belastungsstörungen zurückkehren. (Jan Oeftger)

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