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Rekord-Inflation droht: EU-Kommission denkt über Preisdeckel nach

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Von: Moritz Serif

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Wenn Russland das Gas abdreht, droht Europa ein wirtschaftlicher Abschwung. Preisdeckel müssten „in einer Notlage auf den Tisch“ kommen, meint die Kommission.

Brüssel - Die EU-Kommission rechnet laut ihrer aktualisierten Wirtschaftsprognose mit einer Rekordinflation von 7,9 Prozent in Deutschland - in Europa drohen 7,6 Prozent. Sollte Russland seine Gaslieferung stoppen, überlegt Brüssel, staatliche Preisdeckel einzuführen.

Bei einem Gasstopp drohe Europa ein wirtschaftlicher Abschwung. „Wir fahren durch stürmische Gewässer“, sagte Paolo Gentiloni, EU-Kommissar für Wirtschaft und Finanzen. Um Verbraucherinnen und Verbraucher im Notfall zu entlasten, prüfte die Kommission, staatliche Obergrenzen für Gaspreise einzuführen.

Gegen Inflation und steigende Preise: EU-Kommission erwägt, Preisdeckel einzuführen

Solche Preisdeckel müssten „in einer Notlage auf den Tisch“ kommen, ergänzte er. Dann müsste die Bundesrepublik Deutschland die Gaspreise für Verbraucherinnen und Verbraucher und Industrie massiv subventionieren. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert Energiepreisdeckel - die Linke setzt sich für Preisobergrenzen auf Grundnahrungsmittel ein.

Finanzminister Christian Lindner (FDP) möchte hingegen keine weiteren Entlastungen verabschieden. Sein Kollege, Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sagte vor kurzem, dass der Staat nicht alle Kosten der Menschen ausgleichen könne. Zusätzlich zur Energiekrise drohe laut Kommission eine Corona-Welle im Herbst, die „neue ökonomische Störungen“ verursachen könnte.

Die Inflation wird immer höher. Nun will die EU-Kommission handeln (Symbolbild).
Die Inflation wird immer höher. Nun will die EU-Kommission handeln (Symbolbild). © Federico Gambarini/dpa/picture alliance

Umfrage: Inflation ist die größte Sorge der Menschen in Deutschland

Einer aktuellen Umfrage des Versicherers Allianz zufolge ist die hohe Inflation derzeit die größte Sorge der Menschen in Deutschland. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) von gut 1000 Befragten nannten in einer Erhebung die Teuerung als größte Angst. 84 Prozent der Befragten rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit weiter steigenden Inflationsraten, nur 5 Prozent erwarten eine rückläufige Teuerung.

Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt für den Euroraum mittelfristig eine Teuerung von zwei Prozent an. Tatsächlich betrug die Inflation im Juni aber 8,6 Prozent - ein Rekordwert seit Einführung des Euro. Ausschlaggebend sind vor allem hohe Preissteigerungen von Energie und Rohstoffen sowie von vielen Vorprodukten.

EZB hat Zinsanhebung zur Dämpfung der Inflation angekündigt

Die feste Verankerung der Inflationserwartungen gilt als wichtiges Ziel der Geldpolitik, die vor allem über die Steuerung von Erwartungen funktioniert. Mittlerweile hat die EZB hat zwar Zinsanhebungen zur Dämpfung der Inflation angekündigt. Viele andere Notenbanken haben aber bereits gehandelt und ihre Leitzinsen mehrfach sowie deutlich angehoben. (mse/afp/dpa)

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