Mehr Geld für Rüstung

Militärausgaben weltweit in Rekordhöhe gestiegen

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Ein Sipri-Studie zeigt: Die Militärausgaben lagen 2019 weltweit bei fast zwei Billionen Dollar. Die USA bleiben an der Spitze, aber Deutschland verzeichnet den höchsten Anstieg bei Investitionen in Rüstung.

Die weltweiten Militärausgaben sind 2019 um 3,6 Prozent auf die Rekordmarke von 1,9 Billionen Dollar gestiegen. Deutschland verzeichnet nach den neuen Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri mit einem Plus von zehn Prozent dabei den höchsten Anstieg unter den führenden Mächten. Mit investierten Steuergeldern für das Militär in Höhe von umgerechnet 49,3 Milliarden Dollar steht Deutschland nach den Sipri-Berechnungen kurz davor, zur führenden europäischen Macht aufzurücken. Dabei ist Berlin mit einem Anteil der Militärausgaben von 1,3 Prozent am Bruttoinlandsprodukt immer noch weit von der als Nato-Ziel angepeilten Zwei-Prozent-Marke entfernt.

Militärausgaben weltweit gestiegen: Deutschland mit höchsten Anstieg

Auf der aktuellen Sipri-Rangliste der höchsten Rüstungsetats hat Berlin Großbritannien (und auch Japan) überholt und liegt mit fast gleicher Ausgabensumme hinter Frankreich auf dem siebten Platz. Unter den „Großen Fünf“ zeichnet sich neben der nach wie vor klaren Dominanz der USA eine immer stärkere militärische Rolle Asiens ab. So hat Indien mit einem Plus von 6,8 Prozent Russland als drittstärkste Militärmacht der Welt überholt und liegt nun direkt, wenn auch mit weitem Abstand, hinter China. Peking hat mit geschätzten 261 Milliarden Dollar einen fast viermal höheren Etat und zudem seine Militärausgaben seit 2010 nahezu verdoppelt.

Viel Geld für Rüstung: Militärausgaben in Deutschland stark gestiegen 

Die USA liegen dagegen immer noch um 15 Prozent unter ihrem Niveau von 2010, als die Finanzkrise drastische Einschnitte erforderte. Washington gab im vergangenen Jahr 732 Milliarden Dollar für die Rüstung aus – ein Plus von 5,3 Prozent. „Fast genauso viel wie die folgenden zehn ausgabenfreudigsten Staaten zusammen“, veranschaulicht Sipri die Dominanz der Vereinigten Staaten. Deutlich aus dem generellen Aufwärtstrend herausgefallen ist hingegen Saudi-Arabien mit einem Minus von 16 Prozent. Damit geht ein Abstieg vom dritten auf den fünften Platz in der Sipri-Liste einher. Hintergründe sind der anhaltend niedrige Ölpreis bei einem drastischen Anstieg der Rüstungsausgaben in den vergangenen Jahren sowie hohe Kosten für den Krieg im Jemen.

Rekordhoch bei Militärausgaben weltweit

Militärausgaben weltweit 2019

Zu den Staaten mit auffallend geschrumpften Militärhaushalten gehört auch der vom niedrigen Ölpreis sowie von Wirtschaftssanktionen doppelt getroffene Iran mit einem Minus von 15 Prozent bei Ausgaben von 12,6 Milliarden Dollar.

Zu möglichen Auswirkungen der Corona-Katastrophe auf den weltweiten Anstieg der Militärhaushalte sagte Sipri-Forscher Pieter Wezeman: „Dazu wird es scharfe Konflikte geben.“ Das Institut verwies in seinem Bericht über das Jahr 2019 darauf, dass im Gefolge der letzten weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise die militärischen Ausgaben zwischen den Jahren 2011 und 2014 stetig gefallen, seit 2015 aber auch jährlich weltweit angestiegen seien.

Mehr Militärausgaben in Deutschland - Weltweit Rekordausgaben für Rüstung

Nach Regionen ermittelten die Friedensforscher mit einem Plus von fünf Prozent den stärksten Anstieg in Europa, fast gleichauf mit der Region Asien/Ozeanien (4,8 Prozent) und dem amerikanischen Kontinent (4,7 Prozent). Afrika hatte mit 1,5 Prozent einen deutlich niedrigeren Zuwachs, während für Nahost, chronisch ein militärisches Pulverfass, bei unsicherer Datenlage eine Minus von 7,5 Prozent geschätzt wurde. Dort war der Anteil am Bruttoinlandsprodukt mit 4,5 Prozent weltweit klar der höchste gegenüber 1,4 und 1,7 Prozent in allen anderen Großregionen.

Von Thomas Borchert


Bereits für das Jahr 2018 errechnete das Institut Sipri einen Anstieg bei weltweiten Militärausgaben.

Rubriklistenbild: © Holger Hollemann/dpa

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