Polizisten in der Nähe des britischen Parlaments in London
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Polizisten in der Nähe des britischen Parlaments in London

Westminster-Anschlag

IS reklamiert Anschlag für sich

Nach dem mutmaßlichen Terroranschlag in London werden sieben Verdächtige festgenommen. Nach letzten Erkenntnissen stammt der Attentäter aus Großbritannien. Weiter korrigiert sie die Zahl der Todesopfer auf vier nach unten. Unter den Verletzten ist ein Deutscher.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Terroranschlag in London für sich beansprucht. Ein "Soldat" des IS habe die Operation ausgeführt, meldete das IS-Sprachrohr Amak am Donnerstag unter Berufung auf nicht näher genannte Sicherheitskreise über das Internet.

Davor war bekannt geworden, dass der Attentäter aus Großbritannien stammt und der Polizei und den Geheimdiensten bekannt war. Das berichtete die britische Premierministerin Theresa May in London. Der Mann sei in Großbritannien geboren und vor einigen Jahren bei einer Untersuchung des Inlandsgeheimdiensts MI5 zu "gewalttätigem Extremismus" im Visier der Ermittler gewesen, so May auf einer Pressekonferenz.

Zunächst hatten die Fahnder bei Razzien sieben Verdächtige festgenommen, unter anderem in der Hauptstadt und in Birmingham. Der Terrorabwehr-Chef von Scotland Yard, Mark Rowley, war erst davon ausgegangen, dass der Angreifer wohl auf eigene Rechnung gehandelt habe und "vom internationalen Terrorismus" nur angestiftet worden sei. Die Zahl der bei dem Anschlag am Mittwoch getöteten Menschen korrigierte er von fünf auf vier.

"Wir haben sechs Adressen aufgesucht und sieben Festnahmen gemacht", sagte Rowley weiter. Der von der Polizei vor dem Parlament erschossene Attentäter habe drei Menschen getötet, sagte Rowley. Es handele sich um eine etwa 40-jährige Frau, einen etwa 50-jährigen Mann sowie den vor dem Parlament von dem Angreifer mit einem Messer attackierten 48-jährigen Polizisten.

Am späten Mittwochabend hatte die Polizei von insgesamt fünf Toten und 40 Verletzten gesprochen. 29 Verletzte wurden nach Rowleys Angaben noch im Krankenhaus behandelt. Sieben von ihnen seien in einem lebensbedrohlichen Zustand.

Eines der Opfer des Anschlags in London kommt nach den Worten von Premierministerin Theresa May aus Deutschland. Die anderen seien Briten, Franzosen, Südkoreaner, Griechen, Rumänen, ein Pole, ein Chinese und ein US-Bürger, sagte May am Donnerstag.   

Laut BBC wurde das bei dem Anschlag verwendete Fahrzeug, ein grauer SUV, in Birmingham angemietet. Die mittelenglische Stadt gilt als Hochburg der Islamistenszene in Großbritannien. Einer der mutmaßlichen Drahtzieher von Brüssel und Paris, Mohamed Abrini, hatte dort gewohnt. Er sitzt seit seiner Festnahme in Belgien im April vergangenen Jahres in Haft. Der Anschlag in London ereignete sich am Jahrestag der Brüsseler Anschläge vom 22. März 2016 mit 32 Toten.

Scotland Yard sprach bereits nach kurzer Zeit von einem "terroristischen" Angriff und nahm Ermittlungen zu einem möglichen islamistischen Hintergrund auf. Auf einem Foto der Nachrichtenagentur Press Association war ein bärtiger Mann in schwarzer Kleidung auf einer Krankenwagentrage zu sehen, von dem angenommen wurde, dass er der Attentäter war. Die Abgeordneten kehrten am Vormittag ins Parlament an der Westminster Bridge zurück. Zu Beginn ihrer Sitzung legten sie eine Schweigeminute ein. Einige hundert Meter weiter fand vor dem Gebäude von Scotland Yard eine Zeremonie statt, bei der unter anderem des getöteten Polizisten gedacht wurde. In Westminster wehten die Fahnen auf Halbmast.

In dem weiterhin abgesperrten Gebiet um Westminister Palace herrschte eine eigenartige Stille. Nur die Geräusche der über dem Tatort kreisenden Hubschrauber waren zu hören. Die zum Parlament führende Westminister-Bridge war nach wie vor nicht passierbar. Der Angreifer hatte dort Fußgänger überfahren, bevor er in rasender Fahrt die Absperrungen zum Parlament durchbrach. Dort stach er den Polizeibeamten nieder, bevor ihn die Polizei erschoss. Das schottische Parlament, das seine Debatte über ein neues Unabhängigkeitsreferendum am Mittwoch wegen des Angriffs unterbrach, setzte die Abstimmung am Donnerstag auf kommenden Dienstag fest. Die schwarz gekleidete Premierministerin Theresa May sagte nach einem Krisentreffen ihres Kabinetts am Mittwochabend, die Briten würden sich "niemals dem Terror beugen". Aus aller Welt trafen Beileidsbekundungen in London ein. Paris schaltete als Zeichen der Solidarität um Mitternacht die Beleuchtung des Eiffelturms aus. Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault will am Donnerstag die verletzten französischen Opfer des Anschlags besuchen. (FR mit afp)

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