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„Historischer Affront“: Steinmeier verlangte von Selenskyj nach Ausladung Erklärung

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Von: Teresa Toth

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Die geplatzte Reise von Steinmeier nach Kiew hat das Verhältnis zu Selenskyj offenbar stärker belastet als bislang bekannt.
Die geplatzte Reise von Steinmeier nach Kiew hat das Verhältnis zu Selenskyj offenbar stärker belastet als bislang bekannt. © Jutrczenka/Lukatsky/dpa

Bundespräsident Steinmeier bezeichnet die Ausladung durch den ukrainischen Staatschef Selenskyj als historischen Affront. Und fordert eine angemessene Erklärung.

Kiew – Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wollte Mitte April mit seinen Kollegen aus Polen und den drei baltischen Staaten nach Kiew reisen. Kurz vor der Reise teilte Steinmeier jedoch mit, dass die ukrainische Führung seinen Besuch abgelehnt habe. Dies sorgte für großen Unmut – so betonte etwa Kanzler Olaf Scholz, dass er nicht in die Ukraine reisen wolle, solange Steinmeier nicht vor Ort war. Es bleibe ein „bemerkenswerter Vorgang“, dass die Ukraine ein mit großer Mehrheit wiedergewähltes deutsches Staatsoberhaupt ausgeladen habe, so Scholz.

Auch Steinmeier selbst betonte, dass die Ausladung ein historischer Affront gewesen sei. Wie stark der Eklat das Verhältnis von Steinmeier zum ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj belastet hat, soll jetzt ein Bericht vom Spiegel zeigen, der Details über ein Telefonat zwischen dem Bundespräsidenten und dem ukrainischen Staatschef veröffentlichte.

Geplatzte Reise nach Kiew: Auf ausweichende Antwort reagierte Steinmeier gereizt

Wie der Spiegel berichtet, soll Steinmeier Selenskyj in dem Telefonat am 5. Mai persönlich mit dem „historischen Affront“ konfrontiert haben. Er betonte dabei, dass ein solcher Bruch der diplomatischen Usancen inakzeptabel sei – und forderte eine Erklärung. Erst dann könne über neue Reisepläne gesprochen werden, so Steinmeier.

Wolodymyr Selenskyj habe zunächst beteuert, von dem Vorgang nichts gewusst zu haben. Dies soll Steinmeier dem ukrainischen Staatsoberhaupt nicht abgekauft haben und reagierte laut Spiegel gereizt. Er habe den gesamten Schriftverkehr vor sich liegen, habe der Bundespräsident offenbar mit Bezug auf eine diplomatische Note aus der ukrainischen Regierung vom 12. April, dem Tag der geplatzten Reise, gesagt. „Bitte ersparen Sie sich selbst und mir, dass ich das jetzt alles vorlese“, sagte Steinmeier.

Geplatzte Reise nach Kiew: Es soll bereits über neue Reisepläne gesprochen worden sein

Insgesamt dreimal soll der Bundespräsident nachgehakt haben, bis Selenskyj schließlich in Steinmeiers Augen angemessen geknickt reagierte. Erst dann habe Steinmeier eingelenkt. Nach dem Gespräch sollen die beiden Präsidenten erneut am 30. Juni telefoniert haben. Hierbei soll auch über neue Reisepläne des Bundespräsidenten nach Kiew gesprochen worden sein. (tt)

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