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Selbst als Sanierungsfall immer noch ein Touristenmagnet: die "Houses of Parliament" am Ufer der Themse in London.

Reiseziel Großbritannien

Reise ins Abenteuerland

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Für Großbritannien-Urlauber hätte ein harter Brexit Folgen ? vor allem wenn sie fliegen wollen. Wir haben einige Informationen für Sie gebündelt.

Ich möchte nach dem 29. März nach Großbritannien reisen. Könnte der Brexit meine Urlaubspläne beeinflussen?
Ein harter Brexit könnte für Reisende Einschränkungen bedeuten. Die größte Unsicherheit besteht beim Flugverkehr zwischen Insel und Kontinent. Denn mit einem ungeordnetem Austritt aus der EU wäre Großbritannien auch nicht mehr Teil des gemeinsamen Luftfahrtmarktes – mit der Folge, dass Airlines, die ihren Sitz in Großbritannien haben oder mehrheitlich britischen Anteilseignern gehören, ihre Lizenz für Starts und Landungen in der EU verlieren. Das könnte etwa Ryanair, Easyjet, Condor, Tuifly, British Airways und deren Tochter Iberia betreffen. Um zu verhindern, dass im Falle eines harten Brexits alle Flieger am Boden bleiben müssen, hat die EU für die ersten zwölf Monate einen Notfallplan mit Sondergenehmigungen für britische Luftfahrtunternehmen entwickelt.

Gibt es für bereits gebuchte Flüge Garantien?
Nein. „Der Notfallplan bezieht sich nicht auf alle Flüge“, sagt Isabelle Buscke, die das Brüsseler Büro des deutschen Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) leitet. Welche Flüge tatsächlich stattfinden und nach welchem Prinzip das entschieden wird, ist unklar. Die großen Reiseunternehmen zeigen sich dennoch zuversichtlich. Thomas Cook etwa versichert seinen Kunden, ihre gebuchte Reise bleibe „unverändert“. Eine Sprecherin sagt: „Die Europäische Kommission und die britische Regierung haben sich verpflichtet, Flugreisen auch im Falle eines No Deal-Brexits zu ermöglichen.“ Zudem bereite sich Thomas Cook detailliert auf alle möglichen Austrittsszenarien vor. Zur Frage, ob das Unternehmen entfallende Flüge erstatten würde, will man sich noch nicht äußern. Ryanair dagegen hatte Anfang 2018 angekündigt, Tickets mit einer sogenannten „Brexit-Klausel“ zu verkaufen. Wenn diese greife, bekämen Kunden den Preis zurückerstattet.

Könnte es zu Chaos an den Flughäfen kommen?
Zumindest in den ersten Tagen nach dem Brexit kann das durchaus sein. Rafael Schvartzman vom Airline-Verband Iata hatte schon im Dezember gewarnt, bei einem ungeregelten Brexit könne selbst ein Notfallplan nicht verhindern, dass es zumindest kurzfristig zu Störungen und chaotischen Zustände im Flugverkehr komme.

Werden EU-Bürger künftig ein Visum brauchen?
Das ist eher unwahrscheinlich. Zwar hatte Theresa May in einem Entwurf für ein neues britisches Einwanderungsgesetz gesagt, dass mit Ausnahme von Briten und Iren jeder, der nach Großbritannien kommen wolle, eine „Erlaubnis des Vereinigten Königreichs vorweisen müsse“. Zugleich hat die EU zugesagt, Briten künftig für Kurzaufenthalte Visafreiheit zu gewähren, dies aber an die Bedingung geknüpft, dass auch EU-Bürger weiter wie bisher für 90 Tage von der Visumspflicht befreit werden. Da Großbritannien nie Mitglied des Schengenraums war, fielen die Kontrollen schon vor dem Brexit strenger aus als in anderen EU-Staaten. Bei der Einreise musste mindestens ein Personalausweis vorgezeigt werden. Künftig wird wohl ein Reisepass nötig sein. Wer eine Reise nach Großbritannien plant und noch keinen hat, sollte diesen schnell beantragen.

Welche Rechte habe ich künftig, wenn bei einer Reise nach Großbritannien Flüge, Züge, Busse oder Fähren Verspätung haben oder ausfallen?
Grundsätzlich gilt: Wenn Großbritannien ohne Abkommen austritt, gelten auf der Insel und für Kunden britischer Reiseunternehmen nicht mehr automatisch die EU-weiten Standards bei Fahr- und Fluggastrechten. Was das für Urlauber konkret bedeutet, ist aber noch unklar. Der vzbv fordert deswegen die Politik auf, schnell Klarheit zu schaffen. Reisende hätten das Recht zu erfahren, „ob sie bei einem Urlaub in Großbritannien noch auf ihre gewohnten Rechte vertrauen können“. Verbraucherschützerin Buscke rät zudem, Busreisen zunächst nicht mit britischen Unternehmen zu buchen, da unklar sei, ob diese weiterhin eine Lizenz in der EU bekämen.

Könnte der Urlaub teurer werden als geplant?
Wahrscheinlicher ist das Gegenteil. Nach dem Brexit-Referendum fiel der Kurs des Pfund auf den tiefsten Stand seit 1985. Seitdem hat er sich etwas erholt. Dennoch könnten Sie für Ihre Euro mehr Pfund bekommen als noch vor wenigen Jahren. Bei TUI habe der günstige Wechselkurs bereits zu höherer Nachfrage nach Städtereisen in Großbritannien geführt, sagt Kuzey Esener von TUI.

Verändert sich etwas beim Thema Krankenversicherung?
Nach dem Brexit wird die Europäische Krankenversicherungskarte in Großbritannien voraussichtlich nicht mehr gelten. Es empfiehlt sich deswegen für gesetzlich Versicherte, vor einer Reise eine private Auslandskrankenversicherung abzuschließen.

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