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Wer bekommt wie viel? G7-kritische Aktion im britischen Falmouth.
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Wer bekommt wie viel? G7-kritische Aktion im britischen Falmouth.

G7-Treffen

Reiche Staaten bieten nur eine Milliarde Impfdosen an – das sorgt für Protest

  • Sebastian Borger
    VonSebastian Borger
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Die G7-Hilfe für ärmere Länder löst Proteste von Hilfswerken aus. Der Gipfel schlägt eine globale Steuer für Multis vor.

Cornwall – Wie kann sich die Weltwirtschaft möglichst rasch von der katastrophalen Corona-Pandemie erholen, ohne in klima-schädliche Verhaltensweisen zurückzufallen? Die Frage stand am Freitag im Mittelpunkt der Beratungen auf dem G7-Gipfel in Cornwall. Gemeinsam verpflichteten sich die wichtigsten westlichen Industrienationen auf die Finanzierung und Produktion von einer Milliarde Dosen Impfstoff bis Mitte nächsten Jahres – ein Plan, den Hilfsorganisationen heftig als „zu wenig und zu spät“ kritisierten.

Johnson ist beim G7-Gipfel in Cornwall dankbar für „frische Brise“ aus Washington

Das persönliche Stelldichein im atlantischen Seebad Carbis Bay markiert die Rückmeldung der USA als westlicher Führungsmacht unter dem neuen Präsidenten Joe Biden. Den Dialog mit dem demokratischen Bewohner des Weißen Hauses habe er „wie eine frische Brise“ empfunden, schwärmte der britische Gastgeber Boris Johnson nach dem bilateralen Zusammentreffen am Donnerstagabend.

Nach bilateralen Gesprächen mit seinem japanischen Kollegen Yoshihide Suga und dem Kanadier Justin Trudeau begrüßte der Premierminister am Freitagnachmittag auch die Vertreter Deutschlands, Frankreichs und Italiens, Angela Merkel, Emmanuel Macron und Mario Draghi, sowie die EU-Präsidenten Charles Michel (Rat) und Ursula von der Leyen (Kommission).

Mit Joe Biden kehrt der Multilateralismus zurück

Aus den vorhergegangenen Verhandlungen der sogenannten Sherpas berichteten Teilnehmende in den vergangenen Tagen, die Stimmung sei „sehr, sehr gut“ gewesen, weil nach der Abwahl Donald Trumps plötzlich der Multilateralismus wieder funktioniere. Die Gruppe großer demokratischer Volkswirtschaften wolle Handlungsfähigkeit beweisen und dem Rest der Welt ein „attraktiveres Angebot“ machen.

Ohne dass der Name je genannt wird, zielt der Vergleich vor allem auf die weltpolitischen Rivalen China und Russland, die in den vergangenen Monaten durch „Impfdiplomatie“ Sympathien erworben haben. Dem wollen die Demokratien durch großzügige Spenden an das UN-Impfprogramm Covax entgegentreten. Präsident Biden kündigte den Ankauf von 500 Millionen Dosen des Biontech/Pfizer-Vakzins an und sagte, man werde die Spenden an rund 100 Entwicklungsländer „nicht an Konditionen knüpfen“. London erklärte bereits am Vorabend, Großbritannien wolle 100 Millionen Dosen beisteuern.

G7-Gipfel: Arme Staaten brauchen mindestens elf Milliarden Vakzin-Dosen

Gesundheits- und Entwicklungsorganisationen kritisierten die Versprechen als unzureichend. Laut der Hilfsorganisation Oxfam sind mindestens elf Milliarden Dosen erforderlich, um gegen die Pandemie erfolgreich zu sein. Nach Angaben der Organisation One wurden weltweit bisher 2,3 Milliarden Impfungen vorgenommen, ein Viertel davon in den G7-Ländern. Diese machen jedoch nur zehn Prozent der Weltbevölkerung aus.

Wichtig sei vor allem der Aufbau von Arzneimittelfabriken in den Empfängerländern, dazu gehöre auch die Freigabe von Patenten für die begehrten Impfstoffe, fordern die Organisationen. Dagegen sträubt sich Kanzlerin Merkel, unterstützt von Johnson. Die unzureichenden Bemühungen der G7-Staaten stellten „eine ökonomische Narretei, moralisches Versagen und eine diplomatische Katastrophe“ dar, schimpft das Wirtschaftsmagazin „Economist“. Stattdessen sollte sich die industrialisierte Welt verpflichten, die Kosten von rund 50 Milliarden Dollar zur Impfung von 70 Prozent der Weltbevölkerung zu übernehmen.

Der Gegner heißt China - doch Merkel mahnt

Wie für den neuen US-Präsidenten stellt der Gipfel in Cornwall auch für den Gastgeber Johnson eine wichtige Bewährungsprobe auf dem weltpolitischen Parkett dar. Das anglo-amerikanische Duo betonte zuletzt seine Eindämmungspolitik gegenüber dem kommunistischen Regime in Peking; hingegen mahnte Gipfelroutinier Angela Merkel zu Beginn ihres letzten G7-Treffens, wichtige Probleme der Welt ließen sich nur „gemeinsam mit China“ lösen.

Das gilt nicht zuletzt für die zukünftige Besteuerung weltweit agierender Konzerne. Dafür schlägt das westliche Bündnis eine weltweit gültige Steuer auf digitale Dienstleistungen sowie eine Mindeststeuer auf Gewinne von 15 Prozent vor. Seit die G7-Finanzminister sich am vergangenen Wochenende auf den Deal einigten, macht ausgerechnet Großbritannien durch heftiges Lobbying für eine Ausnahmeregel zugunsten der starken Finanzindustrie von sich reden.

G7-Gipfel in Cornwall: Melonen-Gazpacho, Steinbutt und Törtchen zum Dinner

Am späten Nachmittag und Abend gesellte sich zur politischen Prominenz royaler Glanz. Dem Empfang im Botanischen Garten des Eden-Projekts präsidierte Königin Elizabeth II persönlich, unterstützt von ihrem Enkel Prinz William und dessen Frau Catherine. Beim Dinner, bestehend aus Melonen-Gazpacho, Steinbutt und Erdbeertörtchen, fungierte an Stelle seiner 95-jährigen Mutter der Thronfolger Charles als Gastgeber.

Der seit Jahrzehnten als Ökoaktivist bekannte Prinz hatte zuvor den Staatsgästen seine Initiative zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums (SMI) vorgestellt, dabei unterstützt durch eine Gruppe von Leitern international aufgestellter Unternehmen. Nur in der Kombination aus staatlichen und privaten Investitionen könne die Welt den Kampf für Klimaschutz und biologische Vielfalt gewinnen, mahnte der 72-Jährige: „Wenn wir die Innovation und Finanzkraft des Privatsektors nicht effektiver einsetzen, haben wir keine Chance.“ (Sebastian Borger)

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