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Rund um die Champs-Élysées kam es zu Ausschreitungen, die Polizei setzte Wasserwerfer ein.

Proteste in Frankreich

Regierung will mit "Gelbwesten" sprechen

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Nach dem zerstörerischen Protest fordert Präsident Emmanuel Macron den Premier Edouard Philippe zu Gesprächen mit Parteien und "Gelbwesten" auf.

Da sei ja „wie im Bürgerkrieg“, sagte ein englischsprachiger Passant, der sich am Sonntagmorgen einen Weg zwischen herausgerissenen Pflastersteinen bahnte. Überall lagen noch Trümmer einer langen Nacht – ausgebrannte Autowracks, geplünderte Läden, in Brand gesteckte Bankagenturen, dazu eingeschlagene Schaufenster und verkohlte Barrikaden. Die Polizei hatte im Viertel zwischen Champs-Élysées und Boulevard Haussmann 412 Randalierer festgenommen. 133 Leute wurden verletzt, mehrere schwer.

Präsident Emmanuel Macron suchte am Sonntagmorgen den Schauplatz auf, kaum war sein Rückflug vom G20-Gipfel in Argentinien gelandet. Er suchte eine verwüstete Brasserie auf, sprach mit Feuerwehrleuten und Polizisten. Einige Zaungäste pfiffen und riefen „Macron, démission“, andere dagegen „Tenez bon!“ – halten Sie durch!

Der Präsident ließ sich nicht beirren und suchte zu Fuß den Triumphbogen auf, dessen touristische Aufnahmeräume von Eindringlingen mit Hämmern zerstört worden waren. Einzelne Vermummte, die der Ultrarechten oder –linken zugerechnet werden, schafften es sogar, das Dach des 50 Meter hohen Monuments zu besteigen.

Polizeisprecher sprachen von einer „Stadtguerilla“. Ihr waren die gut ausgerüsteten, in Gruppen operierenden CRS-Bereitschaftspolizisten nicht gewachsen, obwohl sie über Wasserwerfer verfügten und 10 000 Tränengaspatronen verschossen. Millionen von Franzosen verfolgten die dramatischen Szenen live im Fernsehen, als würde es sich um einen Actionfilm handeln.

„Ich werde diese Gewalt nie akzeptieren“

Macron weiß auch, dass solche Bilder über den Ausgang der überaus harten Sozialproteste entscheiden werden – und dass es die Franzosen nicht mögen, wenn ein nationales Monument wie der Arc de Triomphe besudelt wird. „Ich werde diese Gewalt nie akzeptieren“, sagte der Präsident, um dann in einer schwarzen Renault-Limousine zu einer Krisensitzung in den Élysée-Palast zu fahren. Macron habe Premierminister Edouard Philippe angewiesen, Vertreter der im Parlament vertretenen Parteien sowie der „Gelbwesten“ zu empfangen, teilte der Élysée-Palast anschließend mit. Die Gespräche sollen am Montag beginnen, wie es aus Philippes Büro hieß. 

Die Proteste richten sich immer direkter gegen Macron. Erstmals kam es auch in Provinzstädten wie Toulouse, Bordeaux, Marseille sowie im frankophonen Belgien zu Krawallen mit großen Materialschäden. An einer Straßenblockade nahe der südfranzösischen Stadt Arles ereignete sich ein tödlicher Unfall. Ein Mann fuhr dort mit voller Geschwindigkeit auf das Ende eines Staus auf, der sich vor einer Barrikade der Demonstranten gebildet hatte, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Es ist der dritte Todesfall seit Beginn der Protestaktionen Mitte November.

Ein Komitee von Gelbwesten publizierte in einer Sonntagszeitung einen Aufruf zur Mäßigung. Sie zeigten sich bereit, mit der Regierung zu diskutieren – aber nur, wenn die umstrittene Steuererhöhung auf Benzin und Diesel zurückgenommen werde. Ein weiterer Sprecher der Gelbwesten, Alain Bouché, meinte kategorisch: „Zuerst muss er das Stück loslassen.“ Macron hat zwar kleinere Konzessionen gemacht, will aber in der Hauptsache hart bleiben, wohl wissend, dass sein gesamter Reformkurs auf dem Spiel steht. Und damit auch seine politische Zukunft.

Der Vorsteher der konservativen Republikaner verlangte am Sonntag ein Referendum über die Steuer- und Umweltpolitik Macrons. Eine solche Volksabstimmung würde sich bei der zunehmenden Unpopularität unweigerlich in ein Plebiszit über den Präsidenten verwandeln – und der kommt in Umfragen derzeit nur auf 26 Prozent Zustimmung. Die Gelbwesten wurden bisher von 84 Prozent der Franzosen gestützt. Die Gewaltexzesse in Paris könnten sie allerdings Sympathien kosten. Der Republikaner Laurent Wauquiez warf Macron deshalb vor, er habe am Samstagabend bewusst „nur“ knapp 5000 Polizisten aufgeboten, damit die Lage in Paris eskaliere.

Linkenchef Jean-Luc Mélenchon und die Rechtspopulistin Marine Le Pen erhoben am Sonntag nicht zum ersten Mal dieselbe Forderung: Sie verlangen die Auflösung der Nationalversammlung und die Ansetzung von Neuwahlen. Macron kann angesichts seiner rekordhohen Unpopularität nicht daran denken. Eine politische Antwort muss er dennoch finden. Premierminister Edouard Philippe sagte eine Reise zum Klimagipfel in Polen aus diesem Grund ab. Er sprach von einem „selten erreichten Ausmaß der Gewalt“. (mit afp)

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