Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Das Motiv für sexuelle Gewalt ist meistens Machtmissbrauch.
+
Das Motiv für sexuelle Gewalt ist meistens Machtmissbrauch.

"Kinderpornografie"

Reformchance nicht genutzt

Justizminister Heiko Maas (SPD) will im Kampf gegen Kinderpornografie das Strafrecht verschärfen. Ingo Fock vom Verein „Gegen Missbrauch“ gehen die Pläne nicht weit genug.

Von Timur Tinç

Herr Fock, im neuen Gesetzentwurf gegen Kinderpornografie soll es unter anderem härtere Strafen gegen den Besitz von kinderpornografischen Schriften geben. Was halten Sie von diesem Ansatz?

Der Ansatz ist zu begrüßen, dass sich die Politik mit Kinderpornografie und Nacktbildern im Internet beschäftigt und sich Herr Maas das Sexualstrafrecht näher anschaut. Allerdings nutzt er die Chance einer Reform nicht vernünftig aus.

Wieso?

Der Paragraf 176 des Strafgesetzbuches, der sogenannte „einfache sexuelle Missbrauch von Kindern“, ist in Deutschland ein Vergehen, kein Verbrechen. Das bedeutet: Die Verjährungsfristen enden bei diesen Delikten automatisch nach zehn Jahren – unabhängig von der Ruhefrist. Herr Maas hätte dies in einem Rundumschlag, was die Opferschutzverbände schon seit Jahren kritisieren, revidieren können.

Es gab auch Kritik aus Reihen von Psychiatern, Kriminologen und Strafrechtlern die befürchten, dass zu hohe Strafen Pädophile abschrecken, sich an Hilfsorganisationen zu wenden. Können Sie das nachvollziehen?
Nein, die kann ich nicht ganz nachvollziehen. Das Projekt „Kein Täter werden“ der Berliner Charité unterliegt der Schweigepflicht. Pädophile machen allerdings nur 25 Prozent der Täter aus. Die Nicht-Pädophilen schrecken davor sowieso nicht ab.

Was haben die für Motive?

In der Regel ist das Machtmissbrauch.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter und mehrere Politiker der Union fordern, dass die Fahndungsmöglichkeiten verbessert werden. Wie schätzen Sie das ein?

Ich kann diese Kritik verstehen. Die Täter können nicht richtig verfolgt werden, weil die Delikte nicht an den Grenzen von Deutschland aufhören. Wir bräuchten zumindest eine europaweite, besser eine internationale Zusammenarbeit, um Täter über Staatsgrenzen verfolgen zu können. Aber in vielen Ländern, insbesondere in Osteuropa, ist das Interesse an einer Strafverfolgung nicht sonderlich hoch.

Letztlich geht es dabei um die Zugriffe auf die IP-Adressen der Täter und Datenspeicherung. Ist das der richtige Weg?

Ja, man müsste auf IP-Adressen zugreifen, wenn es um die sexuelle Selbstbestimmung von Jugendlichen geht. Mit welchen Fristen, Art und Umfang der Speicherung, darüber müsste man sich noch einigen. Wir bräuchten bei den Landeskriminalämtern eine massive Aufstockung des Personals. Die Beamten sind hoffnungslos überarbeitet und schaffen es gar nicht zeitnah, sich mit Delikten auseinanderzusetzen. Da hilft auch die beste Speicherung der IP-Adressen nichts, wenn man teilweise zwei Jahre auf Ermittlungsergebnisse warten muss.

Das sogenannte „Posing“, das bislang eine Grauzone war, soll klar als Kinderpornografie eingestuft werden. Was muss da beachtet werden?

Die Krux ist: Im Gesetzentwurf steht einmal Posing-Bilder und einmal bloßstellende Bilder. Wie definiert man das? Und welches Gremium entscheidet das? Es ist zwar schön, dass es drinsteht, aber eine genaue Definition gibt es noch gar nicht. Dabei wäre sie für Kriminalbeamte und die Justiz wichtig.

Wie ist die Situation für Beratungsstellen wie „Gegen Missbrauch“, die Opfer von Kinderpornografie betreuen?

Man muss sich eines klarmachen: Hinter jedem kinderpornografischen Bild steckt ein sexueller Missbrauch. Ich finde es richtig, dass Herr Maas das Projekt „Kein Täter werden“ weiterhin finanziell unterstützt. Allerdings werden trotz der Präventionsmaßnahmen Kinder weiter missbraucht. Die Fachberatungsstellen, Selbsthilfegruppen und weiteren Organisationen, die sich um Kinder, Jugendliche und Erwachsene kümmern, die sexuelle Gewalt erlebt haben, müssen vom Bund finanziell mehr unterstützt werden.

Interview: Timur Tinç

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare