+
Robert Ménard provoziert gerne mit seinen Vorschlägen.

Frankreich

Rechtsrum ins Rathaus

  • schließen

Robert Ménard will Stadtoberhaupt im französischen Béziers bleiben.

Die Dutzenden Beamten der Stadtpolizei in Béziers hören schweigend zu, als ihr Bürgermeister Robert Ménard ankündigt, in der Stadt bald Sensoren einzusetzen, die bei Bedarf eine Sprachaufnahme aussenden: „Kleiner Idiot, hör’ auf, gegen diesen Baum zu pissen.“ Vielleicht in etwas gewählteren Worten, sagt Ménard zu den Polizisten, aber so etwas in der Art stelle er sich vor, um Männer vom Urinieren in der Öffentlichkeit abzuhalten.

Das dürfte der nächste Aufreger sein, wie sie der 66-Jährige, der sich selbst stolz als Rechtspopulist bezeichnet, schon etliche provoziert hat, seit er im Rathaus des südfranzösischen Béziers sitzt. Er sagte, es gebe zu viele muslimische Kinder in den Schulen, verbot das Rauchen von Shishas im Zentrum und strich die Morgen-Schulbetreuung für die Kinder von Arbeitslosen. Eine Straße zum Gedenken an das Ende des Algerienkriegs ließ er umbenennen. Ménard ist selbst in Oran als Sohn von Algerienfranzosen geboren, die das Land nach der Unabhängigkeit verlassen mussten. Noch als Junge kam er nach Béziers. Jahrzehnte später ist er dessen Bürgermeister.

Mit seinen 77 000 Einwohnern handelt es sich um die größte Stadt in Frankreich, die von einem rechtsextremen Politiker regiert wird. Parteimitglied ist Ménard nicht, ließ sich aber vom Front National unterstützen, den Parteichefin Marine Le Pen inzwischen in Rassemblement National (RN) umbenannt hat.

Traditionell schneidet die Partei in dieser Region stark ab. Zehn der 14 Rathäuser, die sie 2014 erobert hat, liegen im Süden. Bei den Kommunalwahlen am 15. und 22. März hofft der RN auf weitere Zugewinne. Ménard hält einen gewissen Abstand zu der Partei, auch wenn er als innenpolitischer Hardliner auf einer Linie mit Le Pen liegt. Dabei begann er in jungen Jahren als Trotzkist, trat zeitweise der Sozialistischen Partei bei und war Mitbegründer der Nicht-Regierungs-Organisation „Reporter ohne Grenzen“, die sich weltweit für Pressefreiheit einsetzt. Mit der Zeit rückten seine politischen Anschauungen nach rechts, insbesondere seit der Begegnung mit seiner vierten Frau Emmanuelle, die streng konservativ-katholischen Kreisen nahesteht.

„Politik der Angstmache“

Eine Umfrage sagt ihm mit 61 Prozent der Stimmen einen klaren Vorsprung vor allen anderen Kandidaten voraus. Der Politologe Emmanuel Négrier sieht Ménards Erfolg als Ausdruck der „Hoffnung auf eine starke Autorität, einen Chef, der sich der lokalen Bevölkerung direkt stellt“.

Jeden Mittwochnachmittag empfängt Ménard Bürger im Viertelstundentakt, die mit ihren Anliegen zu ihm kommen. Manche klagen über Streit mit dem Nachbarn, andere über ihre gesundheitlichen Probleme. „Teile und herrsche“, das sei Ménards Motto, sagt Aimé Couquet, langjähriger kommunistischer Stadtrat. Er sitzt im Büro der Kommunisten, die mit anderen linken Parteien ein Ziel verfolgen: „Befreien wir Béziers von Ménard!“ Der Bürgermeister, so Couquet, sei ein Opportunist, der ideologisch von links nach rechts wanderte und Politik auf Basis von Angstmache betreibe: „Für alle Probleme sucht er Sündenböcke: die Muslime, die Ausländer, die Obdachlosen.“ Hilfsorganisationen, die ihm nicht passten, kürzte er die Subventionen.

Warum ist Ménard trotz dieser antisozialen Politik und seiner Kritik an der Migration so beliebt in einer Stadt, die einen hohen Anteil an sozial Schwachen und Bürgern mit Einwanderungshintergrund hat? Er sei eben ein guter Kommunikator, sagt Couquet. „Viele halten ihm die Renovierung der Fassaden im Zentrum zugute. In Wahrheit starteten die meisten Programme schon vorher!“ Die sozialen Brennpunkte hingegen würden vernachlässigt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion