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Rechtsradikale Terrorverdächtige vor Gericht

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Von: Stefan Brändle

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Emmanuel Macron, der französische Staats-Präsident soll eins der Ziele einer rechtsextremen Terrorgruppe gewesen zu sein, deren Pläne von der Polizei vereitelt wurden.
Emmanuel Macron, der französische Staats-Präsident soll eins der Ziele einer rechtsextremen Terrorgruppe gewesen zu sein, deren Pläne von der Polizei vereitelt wurden. © dpa

Eine Militante Gruppe soll unter anderem ein Attentat auf Frankreichs Präsident Macron vorbereitet haben. Nun wird ihr in Paris der Prozess gemacht.

Elf Männer und zwei Frauen stehen seit Dienstag vor einem Pariser Strafgericht. Die meisten von ihnen sind Mitglieder der ultrarechten Vereinigung „Barjols“. Sie werden bezichtigt, eine „terroristische Vereinigung“ unterhalten zu haben. Von der Polizei mühelos abgehört, hatten sie diverse Attentatspläne auf Moscheen, Migranten und Reiche gewälzt. Im November machten sich mehrere von ihnen nach Lothringen auf, um den französischen Präsidenten Emmanuel Macron umzubringen.

Der Kopf der Organisation war Jean-Pierre Bouvier, ein Ex-Mechaniker und späterer Pflanzer im westafrikanischen Gabun. Am 5. November 2018 war er von seinem Wohnsitz in den Alpen 500 Kilometer weit gefahren, um Macron abzupassen. Im Gepäck hatte er ein langes, von Metalldetektoren nicht erfasstes Keramikmesser sowie eine kugelsichere Weste. Der Staatschef war schon am Vortag in der Gegend eingetroffen, um hundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges Gedenkstätten zu besuchen.

Anschlagsplan mit Messer

Der französische Geheimdienst hatte den 66-Jährigen und seine Mittäter:innen seit Monaten im Visier, nachdem ein Unbekannter die Polizei über die Attentatspläne der Gruppe informiert hatte. Den Abhörprotokollen zufolge soll Bouvier gesagt haben, er werde den „kleinen Clown“ Macron „eliminieren“. Verüben sollte den Anschlag auf Macron dann ein Komplize namens Mickaël Iber. Er sollte dem Präsidenten, wie Bouvier in einem Verhör ausgesagt hat, „den Hals durchschneiden oder einen Messerstich zufügen“.

Das genaue Vorgehen hatte die Gruppe nicht abgesprochen. Laut Bouviers Anwältin Olivia Ronen – die sich mit der Verteidigung islamistischer Attentäter einen Namen gemacht hat – waren noch nicht einmal mögliche Anschlagsorte inspiziert. Ihre Anschlagspläne seien „pure Aufschneiderei“ gewesen.

Die Staatsanwaltschaft verweist allerdings darauf, dass die Tatvorbereitung gar nicht möglich war, weil Macron gerne spontan agiert und seinem Personenschutz gern öfters entweicht. Deshalb auch hatte ein Monarchist den Präsidenten 2021 beim Händeschütteln des Publikums ohrfeigen können. Der designierte Barjols-Attentäter Iber hatte in einem abgehörten Gespräch erklärt: „Ich ergreife ihn (Macron) bei der Hand, ziehe ihn und lege zack, zack das Messer an“.

Mutmaßliche Terroristen waren im Front National aktiv

Die Mitglieder der ultrarechten Gruppe wurden am Tag nach ihrer Ankunft in Lothringen verhaftet, weil die Polizei die Möglichkeit eines Attentats als unmittelbar bevorstehend erachtete. Bei einer Hausdurchsuchung fanden sich auch Feuerwaffen, so ein Sturmgewehr des Typs M16. Es zeigte sich, dass sich die Gruppe paramilitärisch trainiert und Überlebensübungen vorgenommen hatte. Darunter war auch eine gemeinsame Aktion mit der rechtsextremen US-Gruppierung „Three Percenters“. Eine ausformulierte Idee bestand darin, den Elysée-Palast mit „Patrioten“ und „500 russischen Soldaten“ zu stürmen.

Den Angeklagten, die früher teils im Front National von Jean-Marie Le Pen aktiv waren, drohen bis zu zehn Jahre Haft.

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