+
James Comey bot schon Bushs Leuten die Stirn. Nun könnte er FBI-Chef werden.

FBI James Comey

Der Rechtspfleger

  • schließen

US-Präsident Obama soll den einstigen Zögling seines Vorgängers George W. Bush als neuen FBI-Chef ins Auge gefasst haben. Die Wahl Comeys hat auch eine politische Komponente: Comey ist Republikaner.

Am 10. März 2004 zeigte James Comey Rückgrat. Er saß am Krankenbett seines damaligen Chefs, des US-Justizministers John Ashcroft, dem tags zuvor die Gallenblase entfernt worden war. Comey, damals Ashcrofts Stellvertreter, hatte einen Tipp bekommen: Vertraute von US-Präsident George W. Bush seien auf dem Weg ins Krankenhaus in einer unanständigen Mission.

So war es auch. Zwei Bush-Leute stürmten die Intensivstation. Sie bedrängten den geschwächten Ashcroft, eine Unterschrift zu leisten, damit es den Behörden erlaubt bleibe, ohne richterlichen Beschluss die Telefone und das Internet von Terrorverdächtigen überwachen zu können. Es folgte ein Showdown. Ashcroft antwortete, er sei zu krank, um sein Amt auszuüben, sein Stellvertreter führe derzeit die Geschäfte. James Comey saß da und sagte nichts. Bushs Leute zogen wutschnaubend ab. Sie wussten, dass sie umsonst gekommen waren. Denn Comey war ein Gegner der seit dem 11. September 2001 praktizierten Lauschangriffe.

Schnelle Karriere

Nach der Episode im Krankenhaus blieb Comey nur noch Monate im Justizministerium, in dem er bemerkenswert schnell aufgestiegen war. 2005 ging er als Rechtsanwalt in die Wirtschaft, arbeitete in der Rüstungsindustrie und für einen Hedgefonds. Seit einiger Zeit hält der heute 52-Jährige Vorlesungen an der Columbia-Universität in New York.

Doch jetzt könnte Comey in den Washingtoner Politikbetrieb zurückkehren. Er gilt als Barack Obamas Favorit für den Posten des FBI-Direktors. Obama dürfte sich während der Suche nach einem Nachfolger für Robert Mueller auch an die Episode in dem Krankenhaus vor gut neun Jahren erinnert haben. Dass Comey damals Recht über Politik stellte, muss Obama, selbst Verfassungsrechtler, imponiert haben.

Doch die Wahl Comeys hat auch eine politische Komponente. Comey ist Republikaner. Er hat 2008 und 2012 die Wahlkämpfe der Präsidentschaftskandidaten John McCain und Mitt Romney mit Spenden unterstützt. Diesen Kandidaten, so das Kalkül des Präsidenten, können die Republikaner nicht gut ablehnen.

Sollte Comey FBI-Chef werden, steht er vor einer großen Aufgabe. Er soll einen Apparat mit knapp 14?000 Beschäftigten, der sich seit 2001 zu einer Anti-Terror-Maschine entwickelt hat, wieder mehr zu einer Ermittlungsbehörde alten Typs machen. Comey könnte das gelingen. Denn er ist mehr Rechtspfleger als politischer Rechtsgelehrter.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion