Hannover

„Werden euch killen“ - Türkische Geschäfte erhalten rechtsextremistische Drohbriefe

  • vonTobias Morchner
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Betreiber*innen türkischer Geschäfte in Hannover erhalten rechtsextreme Drohschreiben. Unterzeichnet wurden sie mit „Die Deutschen“. Die Polizei ermittelt wegen Volksverhetzung.

Hannover - Mehrere Inhaber türkischer Geschäfte in Hannovers Innenstadt haben am Samstag rechtsextreme Drohbriefe erhalten. Eines der Schreiben ging in einem Restaurant in einer Passage ein, ein weiteres erreichte einen türkeistämmiger Geschäftsmann. In dem Brief, der der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (HAZ) vorliegt, werden „alle türkischen Geschäfte und Moscheen“ im Steintorviertel beschimpft, verunglimpft und bedroht. Unterzeichnet ist der Brief mit „Die Deutschen“.

Rechtsextreme Drohbriefe in Hannover: Polizei nimmt Ermittlungen auf - Schutz besteht bislang nicht

Die Polizei hat Ermittlungen wegen des Verdachts der Volksverhetzung aufgenommen. Polizeischutz für die betroffenen Geschäfte gibt es bislang nicht. Zusätzliche Streifen in dem Viertel oder vor den Moscheen der Stadt soll es nach Angaben der Behörde derzeit auch nicht geben.

Mehmet Kilic, der Geschäftsführer im betroffenen Restaurant „Urfa Sofrasi“, will die Gaststätte trotz der Drohungen vorerst nicht schließen: „Wir haben Angst, aber wir machen weiter“, sagt er. Ähnliche Vorfälle oder Beschimpfungen habe es in jüngster Zeit nicht gegeben. „Aber man weiß ja, wie das ist: Erst kommt der Brief, dann passiert etwas.“

Rechtsextreme Drohbriefe in Hannover: Absender nennt „Hells Angels“-Chef - der ist erbost

In dem rechtsextremen Drohbrief ist unter anderem davon die Rede, dass die Döner-Restaurants, die Shisha-Bars und andere vermeintlich türkische Geschäfte im Steintorviertel angeblich nur der Geldwäsche dienten, die Ladenbetreiber werden als Verbrecher bezeichnet. Es werde bald einen „schweren Krieg“ am Steintor geben, so der Verfasser.

Zudem nennt der Absender des Drohschreibens Hannovers „Hells Angels“-Chef Frank Hanebuth, der im Steintorviertel mehrere Läden betreibt, namentlich. „Die Rocker von Hanebuth beobachten euch und werden euch killen“, heißt es zum Beispiel an einer Stelle. Der 55-Jährige ist darüber erbost: „Das Gegenteil ist der Fall. Ich komme mit jedem hier am Steintor gut aus, wir helfen uns alle gegenseitig“, sagt er.

Rechtsextreme Drohbriefe in Hannover: SPD bekundet Solidarität mit betroffenen Gastronom*innen

Nejla Coskun ist stellvertretende Landesvorsitzende der Türkischen Gemeinden in Niedersachsen. Ihr Büro hat sie im betroffenen Steintorviertel. Von den rechtsextremen Drohbriefen hat sie über die sozialen Medien erfahren. „Der Gastwirt im ‚Urfa Sofrasi‘ hat es dort geteilt“, sagt sie. Angst, dass die Drohungen in die Tat umgesetzt werden, hat Coskun dennoch nicht: „Wir vertrauen in die Arbeit der Sicherheitskräfte“, sagt sie.

Die SPD im hannoverschen Stadtrat hat inzwischen ihre Solidarität mit den Gastronomen bekundet. „Wir nehmen es nicht hin, dass die Schreiber Hass und Hetze schüren und dabei infame Unterstellungen verbreiten“, sagt Hülya Iri, die integrationspolitische Sprecherin der SPD-Ratsfraktion ist.

Die jetzt aufgetauchten Drohbriefe erinnern auch an die Drohmails, die im Dezember 2012 von der inzwischen verbotenen rechtsextremen Vereinigung „Besseres Hannover“ verschickt worden waren. Eine dieser Mails erreichte die damalige Sozialministerin Niedersachsens, Aygül Özkan (CDU). An die Mail war ein Video angehängt, auf dem eine als Bär kostümierte Figur zu sehen war, die vor einem Döner-Imbiss den sogenannten Hitlergruß zeigte. Auf ihrer Internetseite hatten die Rechtsradikalen den Film ebenfalls eingestellt und mit folgenden Worten kommentiert: „Wir haben die Schnauze voll und können auch anders.“

Auch Politiker*innen werden immer wieder Ziel rechter Drohbriefe. Vor Hass und Gewalt triefende E-Mails sollen die Betroffenen einschüchtern.

Rubriklistenbild: © picture alliance / GES/Marvin Ib

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