Hessen

Rechte Vordenker müssen vor Gericht

  • schließen

Staatsanwaltschaft erzwingt Verhandlung gegen „Thule-Seminar“.

Das Führungstrio des rechtsextremen „Thule-Seminars“ muss sich nun doch wegen gemeinschaftlicher Volksverhetzung vor Gericht verantworten. Das Amtsgericht im nordhessischen Fritzlar hatte die Anklage gegen Pierre Krebs aus Bad Emstal, den 73-jährigen Gründer und Leiter der braunen Ideenschmiede, sowie die beiden Vorstandsmitglieder Gudrun Schwarz, 70, aus Bad Wildungen und Burkhart Weecke, 69, aus Horn-Bad Meinberg im November nicht zur Verhandlung zulassen wollen.

Auf Beschwerde der Staatsanwaltschaft wurde diese Entscheidung jetzt vom Kasseler Landgericht kassiert.

Anders als das Amtsgericht sehe man bei allen drei Angeklagten einen hinreichenden Tatverdacht, teilte ein Gerichtssprecher auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mit.

Damit muss die Verhandlung in Fritzlar geführt werden. Nach Angaben der zuständigen Amtsrichterin ist ein Termin allerdings noch nicht absehbar – auch weil die Angeklagten wegen ihres Alters zur Corona-Risikogruppe gehörten und daher besondere Vorsicht geboten sei.

Die drei Rentner bilden den Vorstand des eingetragenen Vereins „Thule-Seminar“, der bereits seit dem Jahr 1980 mit Publikationen und Veranstaltungen für einen intellektuell verbrämten Rechtsextremismus und Rassismus wirbt. Das Verfahren gegen sie schwelt schon sehr lange: Es geht um einen Taschenkalender für das Jahr 2016, den sie veröffentlicht haben sollen.

Das nach dem rächenden Kriegsgott aus der römischen Mythologie benannte Werk „Mars Ultor“ rief auf zum Rachefeldzug gegen die angeblich durch Masseneinwanderung und Multikulturalismus angestrebte „Ausrottung der Deutschen“.

Flüchtlinge wurden als „tödliche Bedrohung des schon in akute Gefahr geratenen Erbgutes unseres Volkes“ bezeichnet, Mitglieder der Bundesregierung als „Rassenverächter und Rassenvernichter“.

Zahlreiche NS-Funktionäre, SS-Offiziere und „Rassenforscher“ waren mit ihren jeweiligen Geburtstagen eingetragen. Die Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg wurde bestritten, die nationalsozialistische „Blut und Boden“-Ideologie gelobt und selbst Adolf Hitler zum Märtyrer stilisiert: Er habe sich, so war zu lesen, „im Dienste Deutschlands, ja letztlich wohl auch Europas, vollständig aufgerieben“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion