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„Die Zungen herausreißen“: Recep Tayyip Erdogan rudert nach Verbalattacke zurück

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Von: Marvin Ziegele

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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan während einer Rede.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan während einer Rede. © imago

Der türkische Präsident attackiert eine Sängerin. Nach anhaltender Kritik relativiert er nun eine getätigte Aussage. 

Ankara – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist bekannt für scharfe Rhetorik gegen Kritiker:innen, die ihm ein Dorn im Auge sind. Doch über die Reaktion auf seine jüngste Tirade gegen die Pop-Ikone Sezen Aksu - von zahlreichen Menschen in der Türkei verehrt - dürfte auch er selbst erstaunt gewesen sein.

Konkret kritisierte Erdogan ein Lied von Aksu mit dem Titel „Grüßt mir die Ignoranten, Adam und Eva.“ Adam gilt im islamischen Glauben als wichtiger Prophet. Mit dem Lied brachte die Musikerin die religiös-konservativen Gruppen in der Türkei gegen sich auf. Auch Erdogan schloss sich der Tirade an. In einer Rede in einer Moschee betonte Erdogan, dass niemand schlecht über Adam noch „Mutter Eva“ sprechen dürfe.

Recep Tayyip Erdogan: Präsident der Türkei relativiert Aussagen

„Es ist unsere Pflicht, diese Zungen herauszureißen, wenn nötig.“ Zwar erwähnte der Präsident der Türkei den Namen Aksus nicht, trotzdem hagelte es Kritik ob dieser brutalen Worte. Die Aussagen seien ein Paradebeispiel für Hassrede, sagte Mahmut Cinar, Musiker und Mitglied der Vereinigung „Art Interrupted“, die zu Kunstfreiheit in der Türkei arbeitet.

Nach einer Welle der Kritik - teilweise auch aus den eigenen Reihen - hatte Erdogan seine Aussagen relativiert. Er habe gar nicht Sezen Aksu gemeint, sagte er. Von vielen Medien wurde das als Zurückrudern gewertet. Dass Erdogan seine Aussagen relativiert habe, zeige, dass Kunst in der Türkei allen Repressionen zum Trotz unglaublich stark sei, sagte Cinar. „Sie ist immer noch so stark, dass sie sogar den Präsidenten dazu bringt, innezuhalten, nachzudenken und etwas zu bereuen.

Türkei: Recep Tayyip Erdogan kritisiert Sängerin

Erdogan könnte mit seiner Aussage eine rote Linie überschritten haben. Laut Medienberichten wollte sein Kommunikationsdirektor Fahrettin Altun die Aussagen von Recep Tayyip Erdogan noch zurückhalten. Journalisten, die während der Rede in der Moschee waren, habe er angewiesen, die Aksu-Sätze nicht zu zitieren. Doch Videos des Auftritts verbreiteten sich schnell.

Aksu hat mittlerweile mit einem Gedicht auf die Anfeindungen reagiert. Der Titel: Jäger. Darin schreibt sie: „Ich bin die Beute, du der Jäger. Los, schieß schon. (...) Du kannst mich nicht töten. Ich habe meine Stimme, mein Instrument und mein Wort. Und wenn ich ich sage, meine ich uns alle.“ (Marvin Ziegele)

Erst kürzlich wurde eine türkische Journalistin wegen „Präsidentenbeleidigung“ verhaftet. Nun reagierte Recep Tayyip Erdogan auf die Festnahme.

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