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Erdogan lässt Social-Media-Kanäle von Exiljournalisten sperren

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Von: Erkan Pehlivan

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Hunderte Exiljournalisten haben seit 2016 die Türkei verlassen. Einige berichten aus dem Ausland weiter. In der Türkei werden ihre Youtube-Kanäle gesperrt.

Ankara – Nach dem Putschversuch 2016 wurden in der Türkei tausende Journalistinnen und Journalisten entlassen. Über 600 wurden wegen Terrordelikten verhaftet. 300 Weitere flohen nach Angaben der International Journalists Association ins Ausland. Viele dieser Exilanten sind ihrem Beruf treu geblieben und berichten im Ausland über Youtube und Twitter über ihre Heimat. In der Türkei sind diese Youtube- und andere Social Mediakanäle sehr beliebt.

Türkei: Exiljournalisten berichten über Korruptionsfälle

Journalisten wie Cevheri Güven und Erk Acerer berichten bei Youtube immer wieder über Korruptionsfällen und die Verwicklungen von Präsident Recep Tayyip Erdogan und seine AKP-Regierung in Geschäfte mit der Mafia. Die Youtube-Kanäle der beiden Journalisten können in der Türkei nicht mehr aufgerufen werden. Durch Gerichtsurteile ließ die türkische Regierung diese Kanäle verbieten. Beiden Journalisten werden in der Türkei Terrordelikte vorgeworfen.

Youtube- und Twitter-App vor türkischer Fahne: Social-Media-Kanäle von vielen Exiljournalisten in der Türkei gesperrt.
Youtube- und Twitter-App vor türkischer Fahne © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

„Dokumente veröffentlich, die Erdogan belasten“

Wir haben mit beiden Exiljournalisten gesprochen: „Mein Youtube-Kanal wurde in der Türkei gesperrt, weil ich dort Dokumente veröffentlicht habe, die Erdogan und seine AKP belastet haben“, sagt Acerer im Gespräch mit unserer Redaktion. Ein weiterer Grund für die Sperre des Youtube-Kanals sei die Wahl im kommenden Jahr in der Türkei. „Erdogan kann es sich nicht leisten, dass die Wahrheit über ihn rauskommt“, so Acerer. Dann könnte er die Wahlen 2023 verlieren.

Der Youtube-Kanal vom Exiljournalisten Erk Acerer wurde in der Türkei gesperrt.
Erk Acerer, Exiljournalist aus der Türkei © privat

Ähnlich sieht es auch der Exiljournalist Cevheri Güven, der ehemalige Chefredakteur des inzwischen verbotenen Nachrichtenmagazins „Nokta“, der in seinen Video etwa über Erdogan und seine Verbindungen zum Mafiapaten Alaatin Cakici sowie Korruptionsskandale innerhalb der AKP-Regierung berichtet.

Der Youtubekanal des Investigativjournalisten Cevheri Güven wurde in der Türkei gesperrt.
Cevheri Güven, Türkei-stämmiger Investigativjournalist im Exil © Cevheri Güven/privat

Unabhängiger Journalismus für die Türkei aus dem Ausland

„Wir leben im Ausland und können von hier aus unabhängigen Journalismus betreiben“, erzählt uns Güven. „Die Einzige Waffe von Erdogan gegen uns Exiljournalisten ist uns zum Schweigen zu bringen und im Ausland Schlägertruppen auf uns loszulassen“, so Güven. Neben Erk Acerer wurden in Stockholm zwei weitere Journalisten ebenfalls aufgespürt und zusammengeschlagen: Abdullah Bozkurt und Ahmet Dönmez. Dönmez verbrachte deswegen mehrere Tage in die Intensivstation. Auch hier hatten die Exiljournalisten über Erdogans Machenschaften berichtet.

DJU kritisiert Maßnahmen gegen Pressefreiheit

Kritik an den Sperrungen der Youtube-Kanälen kommt von der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union. „Wir beobachten seit Jahren Einschränkungen der Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei. Es gibt in der Türkei kaum noch unabhängige und kritische Berichterstattung. Über soziale Medien wie Youtube können aber dennoch viele Menschen erreicht werden, die den regimetreuen Medien nicht mehr vertrauen“, sagt uns Anja Willmann von der DJU.

Anja Willmann von der Deutschen Journalistinnen- und Journalistenunion DJU kritisiert die Sperrungen der Youtube-Kanäle von Exiljournalist:innen in der Türkei
Anja Willmann, Deutsche Journalistinnen- und Journalistenunion DJU © privat

Auf den Plattformen wie Youtube und Facebook erreichen die Exiljournalisten in der Türkei ein Millionenpublikum. Das Vertrauen in die Staatsmedien oder regimetreuen Medien ist bei vielen Menschen in dem Land nicht mehr da. Güven hat auf Youtube mehr als 400.000 Abonnenten. Seine Videos werden millionenfach angeklickt. (Erkan Pehlivan)

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