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Nach heftigen Beleidigungen

„Ernsthaftes Potential“ - Recep Tayyip Erdoğan umwirbt Emmanuel Macron

  • vonMirko Schmid
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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan möchte die zuletzt angespannte Beziehung zu Frankreich auflockern und telefoniert mit Emmanuel Macron.

  • Recep Tayyip Erdoğan regiert die Türkei seit 2003, zunächst als Ministerpräsident. Seit dem Jahr 2014 ist er Präsident der Türkei.
  • Mit Emmanuel Macron, dem Präsidenten Frankreichs, geriet Erdoğan zuletzt häufiger aneinander.
  • Alle News zu Erdogan finden Sie auf unserer Themenseite.

Ankara / Paris - Recep Tayyip Erdoğan hat zum 100. Jahrestag des Ankara-Abkommens Signale der Annäherung nach Paris gesendet. Das Abkommen von 1921 bildet die Grundlage der bilateralen Beziehungen zwischen der Türkei und Frankreich. Und so spricht Erdoğan nun davon, dass eine Kooperation der beiden NATO-Staaten ein „sehr ernsthaftes Potential“ habe.

Emmanuel Macron und Recep Tayyip Erdoğan: Die Präsidenten Frankreichs und der Türkei waren noch im Vorjahr in ernste Auseinandersetzungen verstrickt. (Archivbild)

Heftige Auseinandersetzungen zwischen Recep Tayyip Erdoğan und Emmanuel Macron 2020

Der Schritt kommt durchaus überraschend, hatte Recep Tayyip Erdoğan Emmanuel Macron doch noch Ende 2020 zu einer psychiatrischen Behandlung und der Überprüfung seines Geisteszustandes geraten. Der Präsident, sagte Erdoğan seinerzeit, sei eine Last für Frankreich, das unter Macron „durch einen sehr gefährlichen Zeitabschnitt“ ginge. Außerdem äußerte Erdoğan die Hoffnung, dass Frankreich „Emmanuel Macron und den mit ihm verbundenen Ärger so schnell wie möglich“ loswerde.

Als Grund für die verbale Eskalation stand die grausame Ermordung des Geschichtslehrers Samuel Paty in Frankreich im Raum, der in seinem Unterricht Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt hatte. Anschließend hatte Emmanuel Macron, ganz zur Verärgerung von Recep Tayyip Erdoğan, verkündet, dass Moscheen und weitere islamische Einrichtungen in Frankreich von nun an stärker kontrolliert würden. Darüber hinaus stellte Frankreichs Präsident klar, dass Frankreich nicht auf Karikaturen und Zeichnungen verzichten werde, auch wenn sie den Propheten Mohammed zeigen.

Türkei unter Recep Tayyip Erdoğan im Streit mit Frankreich um Erdgasbohrungen vor Griechenland

Doch nicht nur gegenüber Emmanuel Macron zog Recep Tayyip Erdoğan vom Leder. Regierungschefs weiterer europäischer Länder, die sich hinter Macrons Verteidigung der Presse-, Meinungs- und Kunstfreiheit gestellt hatten, nannte der türkische Präsident „im wahrsten Sinne des Wortes Faschisten.“ Zuvor hatte unter anderem der deutsche Außenminister Heiko Maas offen mit Sanktionen gedroht.

Die Auseinandersetzung über Mohammed-Karikaturen war allerdings nicht der einzige Knackpunkt in der zum Ende des Jahres 2020 zerrütteten Beziehung zwischen Frankreich und der Türkei. Im Streit um Erdgasbohrungen vor Griechenland hatte sich Frankreich im Herbst desselben Jahres klar an die Seite Athens gestellt und sich so den Ärger des empörten türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan auf sich gezogen. Der warf Emmanuel Macron das Gebaren eines „Schulhofrowdys“ vor und kündigte unmittelbar Militärübungen im griechischen Seegebiet unter dem Namen „Mittelmeer-Sturm“ an.

Recep Tayyip Erdoğan sucht Entspannung des Verhältnisses zu Emmanuel Macron

Doch nun scheinen sich die Spannungen zwischen den beiden Staatenlenkern entspannt zu haben. Recep Tayyip Erdoğan macht Frankreich und Emmanuel Macron offen Avancen und will die Zusammenarbeit zwischen der Türkei und dem EU-Staat wieder ausbauen. Die türkische Administration ließ am Dienstag (2. März 2021) in einer Erklärung verlauten, dass Erdoğan Macron per Videoanruf mitgeteilt hatte, dass der Dialog zwischen den Staatschefs beider Länder in den bilateralen Beziehungen immer eine wichtige Rolle gespielt habe.

„Als zwei starke NATO-Verbündete können wir in einer weiten geografischen Region wichtige Beiträge zu Frieden, Stabilität und Friedensbemühungen leisten - von Europa über den Kaukasus, den Nahen Osten bis nach Afrika“, soll Erdoğan gegenüber Emmanuel Macron gesagt haben. Gemeinsam könne man sich „Terrorismus“ entgegenstellen, der beide Länder und ihre Bevölkerungen bedrohe. Als „Terrorismus“ bezeichnet Erdoğan unter anderem die kurdischen Bemühungen zur Gründung eines eigenen Staates sowie oppositionelle Bewegungen in der Türkei. Und so hoffe er nun, „dass die Türkei und Frankreich in all diesen Fragen solidarisch handeln können.“

Recep Tayyip Erdoğan und Emmanuel Macron führen Anfang 2021 schriftlichen Dialog

Bereits zum Jahreswechsel hatte sich Recep Tayyip Erdoğan mit einer Neujahrsbotschaft an Emmanuel Macron um Entspannung bemüht und sein „Beileid für mehrere Angriffe in Frankreich“ im Jahr 2020 ausgedrückt. Macron, ließ der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu wissen, soll mit einem „sehr positiven“ Brief reagiert haben, in dem er „eine Zusammenarbeit in Bezug auf bilaterale Konsultationen, Terrorismus, regionale Themen wie Syrien und Libyen und eine Partnerschaft im Bildungsbereich“ angeregt haben soll. (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © LUDOVIC MARIN/afp

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