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In der Nähe der Moschee in Christchurch versammeln sich verängstigte Muslime.

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Muslime in Angst

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Der Anschlag auf Moscheen in Neuseeland zeigt das Ausmaß der Terror-Gefahr von rechts.

Der Angriff auf Muslime in Christchurch hat Schockwellen bis nach Deutschland gesandt. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman A. Mazyek, warnte vor einem ähnlichen Terroranschlag auf Moscheen in Deutschland. „Ich erinnere nur an die Prepper-Szene, an den Fall Franco A., an rechtsextreme Netzwerke in Sicherheitsbehörden. Wenn der Staat zulässt, dass sich diese Netzwerke ausbreiten, ist die Gefahr eines solchen Anschlags wie jetzt in Christchurch auch in Deutschland nicht mehr auszuschließen“, sagte Mazyek.

In der neuseeländischen Stadt waren bei Angriffen auf zwei Moscheen mindestens 49 Menschen getötet worden, weitere 48 wurden verletzt. Als Haupttäter gilt ein mutmaßlich rechtsextrem motivierter 28-Jähriger. Er wurde festgenommen. Die Tat sorgte weltweit für Entsetzen. Staats- und Regierungschefs verurteilten den Anschlag und bekundeten ihr Beileid mit den Opfern.

Der Zentralratsvorsitzende Mazyek sagte weiter, er werde vom sogenannten „NSU 2.0“ bedroht. „Ich würde mir wünschen, dass diese Bedrohung von den deutschen Sicherheitsbehörden ernster genommen würde, als das bislang der Fall ist.“ Hass, Intoleranz und unerklärliche Wut auf Andersdenkende, Anderswirkende, Andersglaubende hätten weltweit zugenommen – auch in Deutschland: „Wir dürfen nicht so tun, als liege Christchurch am anderen Ende der Welt. Christchurch liegt mitten unter uns.“

Neuseelands Behörden hatten gleich nach dem Massaker die Muslime aufgefordert, zu ihrer eigenen Sicherheit nicht zu den Freitagsgebeten in die Moscheen zu gehen. Der Dachverband der australischen Muslime befürchtet, der Hass auf Muslime könne weiter zunehmen und Neonazi-Gruppen könnten sich zu Nachahmungstaten ermutigt fühlen.

Mehrere deutsche Innenpolitiker warnten davor, die Gefahr von rechts auch hierzulande zu unterschätzen. Personen und Einrichtungen, die Drohungen aus rechtsextremen Kreisen erhalten haben, müssten unter Polizeischutz gestellt werden, forderte Martina Renner, Innenpolitikerin der Linksfraktion im Bundestag. „Wir erleben, dass Rechtsterror von den deutschen Sicherheitsbehörden viel zu oft als diffuses Phänomen verwirrter Einzeltäter abgetan wird“, sagte Renner. Dabei hätten die Planungen für solche Taten in der Vergangenheit mehrfach auf Anleitungen von Neonazi-Organisationen basiert.

Auch die innenpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Irene Mihalic, betonte, „dass es derzeit um die 1000 Fälle von politisch motivierter Kriminalität gibt, die sich gegen Musliminnen und Muslime richtet.“ Sie forderte, die Behörden müssten, „wo sich Warnungen verdichten, auch die Präsenz der Polizei sicherstellen“. Zugleich kritisierte Mihalic, dass die Bundesregierung den gewaltbereiten Rechtsextremismus nicht ernst genug nehme.

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