Molau sucht den Weg zurück in die Gesellschaft.
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Molau sucht den Weg zurück in die Gesellschaft.

NPD Neonazis

Raus aus der rechten Szene

Radikale Trennung: Der Ex-NPD-Funktionär Andreas Molau nutzt das Aussteigerprogramm des Verfassungsschutzes und verabschiedet sich aus der rechten Szene. Ob er dem Geheimdienst jedoch wichtige Informationen verraten könnte, ist fraglich.

Von Andreas Förster

Mit Andreas Molau ist erstmals ein früherer NPD-Spitzenfunktionär mit Hilfe des Verfassungsschutzes aus der rechten Szene ausgestiegen. Am Montag war Molau selbst damit an die Öffentlichkeit gegangen und hatte im NDR-Hörfunk erklärt: „Ich habe eine klare Trennung vollzogen.“ Die rechte Szene wird der Ausstieg nicht besonders überraschen – der Abtrünnige hatte sich bereits vor drei Jahren von der NPD und ihrem radikalen Umfeld gelöst.

In den letzten beiden Jahren war Molau Mitglied der rechtspopulistischen „Bürgerbewegung pro NRW“ und betrieb deren Öffentlichkeitsarbeit. Seiner Darstellung zufolge sei er Ende letzter Woche aber ausgetreten. Offenbar steht der Austritt im Zusammenhang mit der Kontaktaufnahme Molaus, der im Landkreis Wolfenbüttel lebt, zum niedersächsischen Landesamt für Verfassungsschutz (LfV). Eine Sprecherin des Amtes bestätigte, dass der 44-Jährige „Kontakt zu unserem Aussteigerprogramm aufgenommen“ habe. „Für uns war wichtig, dass er sich deutlich inhaltlich von der rechten Szene distanziert“, sagte die Sprecherin. Die Verfassungsschützer sehen in dem Schritt Molaus eine Schwächung der rechten Szene.

Molau, der als Waldorf-Lehrer unterrichtete, den Beruf aber seit Jahren nicht mehr ausübt, durchlief eine kurze, aber steile Parteikarriere in der NPD. 2005 zählte er als eine Art Chefideologe zum Arbeitsstab der sächsischen NPD-Landtagsfraktion um Holger Apfel. Drei Jahre später trat er als Spitzenkandidat der rechtsextremen Partei erfolglos zur niedersächsischen Landtagswahl an. Anfang 2009 wollte er kurzzeitig sogar Parteivorsitzender werden. Aber auch trotz der anfänglichen Unterstützung durch die einflussreichen Fraktionschefs aus Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern, Holger Apfel und Udo Pastörs, war er gegen den radikalen Parteiflügel und die Neonazi-Kameradschaften, die wichtigste Wahlklientel der NPD, nicht durchzusetzen.

Molau ist immer ein Fremdkörper in der Szene geblieben

Damals vollzog sich Molaus Bruch mit der NPD, die er gemäßigter ausrichten und umbauen wollte zu einer „Kümmererpartei“, die „ganz unideologisch und dafür volksnah“ die Nichtwähler gewinnen sollte. Er wandte sich dann der DVU zu, die er aber noch vor deren Fusion mit der NPD wieder verließ. Sein Gastspiel im Vorstand der „Kontinent Europa Stiftung“ des schwedischen Millionärs und Rechtsideologen Patrik Brinkmann im Jahr 2009 war auch nicht von Dauer. Auch Brinkmann wandte sich schon bald von Deutschland wieder ab, weil er hier keine Erfolgschance für eine von ihm angestrebte rechtspopulistische Partei sah.

Für den Verfassungsschutz und sein Aussteigerprogramm ist der Ausstieg Molaus, der zumindest in NPD-Kreisen recht prominent war, ein Erfolg. Ob der Abtrünnige dem Geheimdienst aber relevante Parteinterna verraten könnte, wenn er es denn will, ist eher zweifelhaft. Der Intellektuelle, der mit dem dumpfen Haudrauf-Populismus der NPD nie etwas anfangen konnte, ist trotz seiner Nähe zu Apfel und Pastörs immer ein Fremdkörper in der Szene geblieben.

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