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Was auf solchen Flächen nachwächst, ist meist ein ökologisch minderwertiger Wald.

Waldvernichtung

Der Raubbau geht unvermindert weiter

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Weltweit vernichtet der Mensch jedes Jahr 13 Millionen Hektar Wald. Gleichzeitig nimmt die ökologische Qualität ab.

Wälder sind eine Lebensgrundlage des Planeten – und des Menschen. Sie produzieren Sauerstoff, regulieren das Klima, speichern Wasser, reinigen die Luft und schützen den Boden vor Erosion. Auch für die Artenvielfalt sind sie entscheidend – von den rund 1,8 Millionen bekannten Tier- und Pflanzenarten leben rund zwei Drittel hier. Zudem speichern Wälder fast die Hälfte des an Land gebundenen Kohlenstoffs.

Noch ist rund ein Drittel der Landfläche, vier Milliarden Hektar, mit Wäldern bedeckt. Es geht von den borealen Weiten im Norden über die gemäßigten Breiten und die Tropen bis zu den „kalten“ Regenwäldern im Süden.

Illegaler Holzeinschlag

Weltweit hat der Mensch bereits rund die Hälfte der einst existierenden Wälder vernichtet. Doch der Raubbau geht unvermindert weiter. Pro Jahr werden rund um den Globus nach Schätzungen rund 13 Millionen Hektar vernichtet – das entspricht der Fläche von 35 Fußballfeldern pro Minute. Hauptursachen für den Schwund, dessen Schwerpunkt in den Tropen liegt, sind illegaler Holzeinschlag, Brandrodung und Umwandlung in Agrarland. In Staaten wie Brasilien und Argentinien weichen Urwälder der Rinderzucht oder dem Anbau von Soja.

In Brasilien zum Beispiel, wo zwischen 1990 und 2010 eine Waldfläche von der Größe Frankreichs verloren ging, zeigt sich besonders deutlich, wie schwach der Umweltschutz ist. Der neu gewählte Präsident des Landes, der rechtsextreme Politiker Jair Bolsonaro, hat angekündigt, den Amazonas-Regenwald großflächig für die Agrarindustrie zu öffnen. Auch in Afrika und Asien sind die Verluste groß. Indonesiens Regenwälder etwa schrumpfen rasant, weil immer mehr Plantagen für die Palmöl- und Zellstoffproduktion entstehen.

Doch nicht nur die großflächige Vernichtung ist ein Problem. In den restlichen Wäldern nimmt gleichzeitig die ökologische Qualität ab. Nur noch weniger als die Hälfte der Flächen gilt als intakt, und knapp 40 Prozent davon wiederum gelten durch menschliche Aktivitäten als ernsthaft bedroht. Auch in Europa und Nordamerika wird viel Holz eingeschlagen, das zu einem großen Teil in den Papierproduktion landet. Die Forstwirtschaft in den meisten Ländern reklamiert hier allerdings für sich, die Wälder „nachhaltig“ zu bewirtschaften, also nicht mehr Holz zu schlagen als nachwächst. Tatsächlich nehmen die Waldflächen in Europa sogar zu, ebenso wie in China, das große Aufforstungsprogramme aufgelegt hat.

Hohe Erwartung an Rendite

Umweltverbände kritisieren allerdings, dass der Waldbau auch in Europa zu stark nach Renditeerwartungen ausgerichtet sei, also oft schnell wachsende, aber nicht standortangepasste Arten gepflanzt würden und die Bäume viel zu früh geschlagen werden, um sie zu Geld zu machen. Sie fordern, die Wälder „naturnah“ wachsen zu lassen. Dies habe große Vorteile für die Artenvielfalt und den Klimaschutz, denn naturnahe Wälder zeichne eine CO2-Speicherfähigkeit aus, die jener im klassischen Forst weit überlegen sei.

Echte Urwälder gibt es in Europa nur noch in Restbeständen, Nadelwälder vor allem in Skandinavien (Finnland), Laubwälder vor allem im Südosten, auf dem Balkan wie etwa in den rumänischen Karpaten.

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