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Schauspieler und Regisseur Clint Eastwood, ein glühender Republikaner, hat den Kandidaten seiner Partei nicht unterstützt.

Prominente Unterstützer

Ratlos in Hollywood

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Amerikanische Filmkünstler haben sich im Wahlkampf kaum zu den Kandidaten geäußert.

Wer ein echtes Autogramm von Walt Disney sucht, findet es vielfach noch auf Schecks für die Republikanische Partei. Der Studiochef machte nie einen Hehl aus seinen Sympathien für das konservative Lager und stürzte damit viele liberal gesonnene Fans seiner Produkte in Gewissensnöte: Manch verquere Theorie wurde bemüht, um in einem Onkel Dagobert mal das Ideal- und mal das Zerrbild eines Kapitalisten zu sehen. Dass dessen eigentlicher Erfinder, der Zeichner Carl Barks, ebenfalls ein bekennender Konservativer war, machte die Sache nicht einfacher.

Immerhin war die politische Landkarte damals noch klar definiert. Und immerhin drängte es den reichen Enterich nicht in die Politik, wie seinen irdischen Nachfahren, der zufällig wie Dagoberts Neffe auch noch Donald heißt: Niemals hätte Dagobert Duck wie Trump eine Kampagne mit den eigenen Millionen finanziert. Es sei denn, er hätte einen guten Plan, wie sich der Geldspeicher im Amt wieder füllen ließe.

In den vergangenen Monaten bekannte sich niemand im Disney-Konzern zur republikanischen Partei und ihrem Spitzenkandidaten. „Eine so merkwürdige Wahl habe ich noch nie erlebt“, erklärte mir ein amerikanischer Disneykenner, der zugleich eine Politikmagazin herausgibt. Auf den Einwand, besonders spannend sei der Ausgang angesichts des Clinton-Vorsprungs ja wohl nicht, kam nur ein leises „Hoffen wir es mal“ zurück.

Unsicherheit allenthalben: Wer in den letzten Monaten in der amerikanischen Unterhaltungsindustrie zu tun hatte, wurde Zeuge einer gedrückten Stimmung. Überall äußert sich Sorge, bekennende Trump-Fans begegnen einem nicht. Falls es also eine schweigende Mehrheit für den Milliardär geben sollte, sie müsste schon sehr verschwiegen sein.

Selbst wer wie Clint Eastwood seit Jahrzehnten den Republikanern die Treue hält, ließ sich diesmal nicht vor ihren Karren spannen. Verständnis für den grundsätzlichen Erfolg politischer Unkorrektheit und Kritik an der Gegenkandidatin war alles, womit er seinen Parteifreunden behilflich war. „Hillary hat viel Geld damit verdient, Politikerin zu sein“, sagte er im August dem Magazin „Esquire“. „Ich habe auf viel Geld verzichtet, um Politiker zu werden“, sagte er mit Blick auf sein früheres Bürgermeisteramt im kalifornischen Küstenort Carmel.

Antiheld Trump

Trumps Chancen waren deshalb so schwer mit der Stimmungslage im Land abzugleichen, weil er die Komplexität des konservativen Wertekanons geradezu auf die Spitze trieb. In einer Kultur, die wenigstens von ihren Heldenfiguren Verlässlichkeit erwartet, musste Trump für tiefe Verwirrung sorgen. Dabei besitzt er Eigenschaften, mit denen Hollywood seit über hundert Jahren seine Heroen ausstattet: Wirtschaftlicher Erfolg rückt ihn ebenso in eine Heldenrolle wie seine Maverick-Mentalität: Unternehmer-Patriarchen, die kein Blatt vor den Mund nehmen, finden sich als Sympathieträger in vielen Hollywoodfilmen.

Es gibt viele Vorbilder für Trumps Rhetorik und seine Warnungen vor einem korrupten politischen Establishment. Frank Capra setzte diesen Herrn Jedermanns im Kampf gegen institutionelle Windmühlen Denkmäler in Filmen wie „Mr. Smith geht nach Washington“. Doch Trumps Unkorrektheit bricht zugleich mit moralischen Werten, die allen politischen Lagern heilig sind: Seine Respektlosigkeit gegenüber Frauen und ein mögliches Nicht-Akzeptieren einer Wahlniederlage machen ihn eigentlich unwählbar für alle, denen ihr Konservatismus etwas wert ist.

Von Fonda bis Kardashian

Nur wenige Prominente hielten am Ende der Kampagne noch zu ihm – die bekanntesten sind Hollywood-Altstar Jon Voight, Countrysängerin Loretta Lynn und die Sänger Kid Rock und Gene Simmons sowie Boxer Mike Tyson. Gut möglich, dass Trump in Hollywood noch ein paar versteckte Sympathisanten hat. Doch kein weltweit operierender Unterhaltungskonzern kann es sich leisten, die Diskriminierung von Minderheiten gutzuheißen, wie sie Trump etwa gegenüber mexikanischen Einwanderern und Muslimen zur Schau stellt. Doch auch Hillary Clinton ist nach ihren E-Mail-Affären und dem unwürdigen Umgang mit dem von vielen Künstlern unterstützten Mitwerber Bernie Sanders alles andere als eine Hollywood-Heldin. Man stelle sich nur eine Verfilmung dieses Wahlkampfs vor – wer würde sich dafür ein Ticket kaufen?

An prominenten Unterstützern mangelt es ihr jedoch nicht: Vom Ehepaar Clooney über Leonardo DiCaprio, Robert De Niro, Jane Fonda, Dustin Hoffman, Matt Damon, Tom Hanks, Steven Spielberg bis zu Morgan Freeman und Sean Penn hat Clinton nahezu Hollywoods ganzes liberales Telefonbuch hinter sich. Und wem das nicht reicht, findet auch Britney Spears, Beyoncé und Kim Kardashian in der imposanten Liste.

Vielleicht ist es dann doch sogar der eingefleischte Republikaner Clint Eastwood der Trump unter den Prominenten am gefährlichsten wird. Ohne sich darauf einlassen, dessen Rassismus zu tadeln („zu meiner Jugend nannte man das noch nicht so“), sägte er subtil an den Kronjuwelen eines jeden Populisten – an seinem Unterhaltungswert. „Sie langweilen jeden“, lautete im Esquire das vernichtende Urteil des Hollywoodveteranen über beide Kandidaten. „Es ist öde, sich all diesen Scheiß anzuhören.“ Schön, wenn der alte Haudegen das so lässig sehen kann. Andere machen sich ins Hemd.

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