Die Demonstranten in Paris mahnten, dass Frankreich sich auch mit dem eigenen Rassimus auseinandersetzen müsse.
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Die Demonstranten in Paris mahnten, dass Frankreich sich auch mit dem eigenen Rassimus auseinandersetzen müsse.

Rassismus

Wut in Paris

  • Stefan Brändle
    vonStefan Brändle
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Tausende erinnern an den Tod von Adama Traoré, der nach einer Festnahme in Frankreichs Hauptstadt Paris starb.

Niemand hatte mit diesem Menschenauflauf gerechnet, die Organisatoren zuletzt. Die Online- und Printmedien hatten im Voraus kein Wort darüber verloren – nicht einmal darüber, dass die Polizei die Kundgebung wegen der Corona-Krise untersagt hatte. Am Dienstagabend strömten aus den Pariser Vororten trotzdem 20 000 meist junge, meist dunkelhäutige Menschen zu einem Gerichtsgebäude am nördlichen Stadtrand von Paris. Viele skandierte Parolen für den in den USA umgekommenen George Floyd, aber auch für den Franko-Malier Adama Traoré, der im Sommer 2016 gestorben war, kurz nachdem ihn drei Gendarmen zu Boden gedrückt hatten.

Die Demonstranten trugen Transparente mit dem Slogan „Black Lives Matter“. „Wenn wir für George Floyd kämpfen, dann auch für Adama“, rief Traorés Schwester Assa, die ein Komitee für die juristische Anerkennung des Erstickungstodes ihres jüngeren Bruders leitet. Die offizielle Todesursache Herzschwäche stellt sie mit einer eigenen Gegenexpertise in Abrede.

Zwei Stunden nach Demobeginn kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Bushäuschen und Mülleimer gingen in Flammen auf. Die Polizei verteidigte das Justizgebäude mit Tränengas; die benachbarte Ringautobahn musste teilweise geschlossen werden.

Die französische Öffentlichkeit reagierte geradezu verblüfft über den Auflauf. Pariser Kommentatoren wirken fast peinlich berührt, dass die US-Vorgänge – die man halbwegs dem Präsidenten Donald Trump in die Schuhe schieben konnte – nun auch Frankreich erfasst haben. Die liberale Zeitung „Le Monde“, die viel Wert auf eine ausgewogene Berichterstattung legt, verhielt sich fast schon schizophren: Der Hauptschlagzeile „USA – der Gärstoff der Wut“ folgten mehrseitige Berichte aus Washington; einen Bericht über die Pariser Demonstration gegen „Polizeigewalt“ musste man 16 Seiten weiter suchen.

Die französische Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye bemühte sich am Mittwoch in einer Pressekonferenz darzulegen, warum die Lage der Schwarzen in den USA und in Frankreich „nicht vergleichbar“ sei. „Ich glaube nicht, dass man sagen kann, Frankreich sei ein rassistisches Land“, sagte die aus Senegal stammende Macron-Vertraute.

Assa Traoré konterte umgehend, die Lage sei effektiv ungleich – weil „in Frankreich sogar noch schlimmer“: In den USA sei der fehlbare Polizist immerhin hinter Gittern; im Fall Traoré habe das Innenministerium in Paris den drei beteiligten Gendarmen aber sogar seinen Dank ausgesprochen.

Eine Sprecherin der Polizeigewerkschaft SGP, Linda Kebbab, trat dieser Darstellung vehement entgegen. Der Fall George Floyds habe mit der Traoré-Affäre „absolut nichts zu tun, weder historisch, ursächlich noch technisch“, sagte die Polizistin. Die in Minneapolis angewendete Technik „Knie auf Hals“ sei in Frankreich verboten; die französische Polizei habe sie in aller Form verurteilt. Generell warf die Polizeisprecherin dem Traoré-Komitee vor, einen „rassisch orientierten Diskurs“ aus den USA nach Frankreich zu bringen.

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