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Der Firmensitz der Wohnungsbaugesellschaft Brebau in Bremen.
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Der Firmensitz der Wohnungsbaugesellschaft Brebau in Bremen.

Brebau

Rassismus bei Wohnungsfirma

  • vonEckhard Stengel
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Ein Bremer Unternehmen kategorisiert und diskriminiert Menschen, wenn sie ausländische Wurzeln haben, homosexuell, suchtkrank oder obdachlos sind.

Die städtische Bremer Wohnungsbaugesellschaft Brebau diskriminiert offenbar systematisch Wohnungssuchende, wenn sie ausländische Wurzeln haben, homosexuell, suchtkrank oder obdachlos sind. Das ergibt sich aus internen Brebau-Dokumenten, die am Donnerstag von Radio Bremen (RB) und NDR veröffentlicht wurden.

Daraus geht hervor, dass die Firma ihre knapp 6000 Mietwohnungen und die Wohnungssuchenden in verschiedene Gruppen einteilt. Anhand dieser Kategorien scheint die Firma zu bestimmen, wer welche Art von Wohnung angeboten bekommt.

Es wird registriert, ob Interessenten Kopftuch tragen

Den Unterlagen zufolge registriert die Brebau, ob Interessenten schwarz sind, ein Kopftuch tragen, gute Deutschkenntnisse haben und ob sie „gepflegt, ordentlich“ aussehen. Bei Interessenten desselben Geschlechts wird abgefragt, ob sie ein Paar sind oder nur eine WG bilden wollen.

In einem weiteren Dokument mit dem Titel „Zielgruppendefinition“ von 2019 werden die Wohnungssuchenden in sieben Kategorien eingeteilt, darunter „DE“ für Menschen mit der Muttersprache Deutsch, „WE“ für „westlich integrierte“ Personen sowie “‚People of Colour‘ (dazu gehören auch Sinti und Roma, Bulgaren, Rumänen)“.

„Nur an Deutsche mit eigenem Einkommen“

Neben den Suchenden werden auch die Wohnungen laut RB und NDR kategorisiert, zum Beispiel „hier gerne Studenten“, „nur Senioren ab 60“ oder „nur an Deutsche mit eigenem Einkommen“.

Ein Entscheidungskriterium seien auch „schlechte Adressen“, bei denen die Suchenden bisher gemeldet sind, darunter das Bremer Gefängnis, bestimmte Hochhauskomplexe sowie Einrichtungen für entlassene Straffällige, Obdachlose oder Suchtkranke.

Vier Lockvögel machten einen Selbstversuch

Wie die Sender weiter berichteten, machten vier Lockvögel mit deutschem Pass und ähnlichem Einkommen, aber verschiedenen Hautfarben einen Selbstversuch. Sie fragten demnach nach einer Wohnung in einem wohlhabenderen Stadtteil; nur die beiden Weißen hätten ein Angebot erhalten. Das Motiv der Brebau für ihre Praxis lautet nach den Worten eines Informanten so: „Wenn wir das jetzt nicht so machen, dann bekommen wir die ganzen Molukken, die wollen wir hier nicht.“

Die Unternehmensleitung erklärte am Donnerstag, sie habe von den Vorgängen nichts gewusst, werde sie vollständig aufklären und habe sie sofort abgestellt. „Die Vorwürfe machen uns sehr betroffen“, schrieb Geschäftsführer Bernd Botzenhardt in einer Pressemitteilung. Selbstverständlich werde die Brebau „in diesem Zusammenhang auch alle notwendigen arbeitsrechtlichen Schritte prüfen“.

Vorgänge „lückenlos aufklären“

Auch der Brebau-Aufsichtsratsvorsitzende, Finanzsenator Dietmar Strehl (Grüne), versicherte am Donnerstag, die Vorgänge „lückenlos aufklären“ zu wollen. „Für eine bunte Stadt wie Bremen sind solche Vorwürfe unerträglich.“

Die SPD-Bürgerschaftsfraktion forderte die sofortige Freistellung der Brebau-Geschäftsführung. Entsetzt äußerten sich auch die anderen demokratischen Parteien.

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