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Konzert der "Rapper gegen die Diktatur".

Thailand

Rappen gegen die Diktatur

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In Thailand geht ein regimekritisches Musikvideo durch die Decke. Die Militärs werden nervös.

Du kannst schweigen oder ins Gefängnis gehen“, rappt einer der fünf Musiker. „Das Parlament ist ein Spielplatz von Soldaten“, folgt ein anderer. Dann setzt der Refrain ein: „Das ist mein Land“. Der Text ist so düster wie das dazugehörige Musikvideo auf Youtube. Die Sänger von „RAP against Dictatorship“ (Rap gegen die Diktatur) nutzen im Video Szenen, die an den Angriff von Thailands Militärs im Jahr 1976 auf Studenten der Thammasat-Universität in Bangkok erinnern. Einige der jungen Rapper maskieren aus Sorge vor Verfolgung ihre Gesichter.

Mehr als vier Jahre, nachdem Thailands Generäle die gewählte Premierministerin Yingluck Shinawatra stürzten, macht in Thailand ein Rap-Video Furore, das mit heftigen Schimpfworten und der Nachstellung einer brutalen Hinrichtungsszene die Lage des südostasiatischen Königreichs anprangert. „Das ist schlecht für das Image unseres Landes“ lamentieren Anhänger von Militärdiktator Prayuth Chan-ocha. Die Polizei leitete prompt Ermittlungen ein. Sie will die Rapper zur Verantwortung ziehen. Der Vorwurf: Untergrabung des Vertrauens von Investoren in Thailand.

So sehr die offizielle Reaktion den Text des regimekritischen Videos bestätigt und so lächerlich der Vorwurf der Behörden klingt, so erfolgreich ist „Rap gegen die Diktatur“. Seit der fünf Minuten lange Clip zu „Das ist mein Land“ am Freitag vergangener Woche auf Youtube veröffentlicht wurde, wurde er bis zum Montag rund 20 Millionen Mal angeklickt. Zum Vergleich: Thailand hat knapp 70 Millionen Einwohner und etwa 50 Millionen Wahlberechtigte.

Das Rap-Kollektiv führt eine Militärjunta vor, die sich mehr als fünf Jahre nach ihrer Machtergreifung nicht für den Abschied von der Macht entscheiden kann, obwohl sie nach dem Putsch im Jahr 2014 eine Rückkehr zur Demokratie innerhalb eines Jahres versprochen hatte.

Wahlen versprochen

Zwar wird ein Wahltermin am 24. Februar diskutiert. Und das Regime lockerte das Verbot politischer Aktivitäten und erlaubt erstmals Parteiversammlungen seit dem Staatsstreich im Mai 2014. Doch Diktator Prayuth Chan-ocha, ein Heeresoffizier, will nach dem Urnengang unbedingt als Regierungschef die Zügel in der Hand behalten. Der Regierungschef, der sich selbst einlud, ist gegenwärtig Thailands einziger Wahlkämpfer. Unter anderem versucht sein Regime, einen Termin mit Angela Merkel zu arrangieren. Denn die Bundeskanzlerin mag innenpolitisch ins Wanken geraten sein. Prayuth erscheint ein Foto mit der starken Frau Europas dennoch erstrebenswert für das eigene Image.

Doch den Generälen scheinen Zweifel zu kommen, dass ein Wahlsieg trotz aller Vorsichtsmaßnahmen gelingen kann. Umso nervöser reagieren sie auf Kritik – wie nicht nur die Reaktion auf den Erfolgssong der jungen Rapper zeigt, die sofort im Fokus von Zensurbehörden und Polizei standen.

Hinzukommt, dass es auch mit der eigenen Öffentlichkeitsarbeit nicht so reibungslos klappen will, wie die Militärjunta sich das vorstellt. Auf der Thailand Game Show 2018 hatten sie Prayuth Chan-ocha vor einer riesigen Info-Tafel als Mann des Fortschritts und Herr über ein Land des freien Internets vorgestellt. Von den 69,11 Millionen Einwohnern des Königreichs würden 57 Millionen das Internet nutzen, hieß es auf der Darstellung.. Das Land habe zudem 51 Millionen aktive Nutzer sozialer Medien. Der Schönheitsfehler: Auf dem Sessel des Diktators prangte die Aufschrift „Predator“ – Raubtier. Nicht die beste Werbung für einen, den „Reporter ohne Grenzen“ mehrfach mit dem zweifelhaften Titel „predator of press freedom“ – also etwa „Feind der Pressefreiheit“ – bedachte.

Lesen Sie dazu auch:

Interview: Die Rapper von Waving the Guns erklären, warum guter Rap von unten kommt.

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