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Stichwahl in Georgia

Raphael Warnock: Martin Luther Kings Erbe beflügelt die Demokraten

  • Christian Stör
    vonChristian Stör
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Raphael Warnock aus der Gemeinde Martin Luther Kings schafft den Sprung in den US-Senat. Das macht den Demokraten Mut.

  • Bei den immens wichtigen Stichwahlen in Georgia erzielen die Demokraten einen ersten Erfolg.
  • Der populäre Prediger Raphael Warnock gewinnt gegen Kelly Loeffler und zieht in den Senat ein.
  • News zur US-Wahl 2020: Alle wichtigen Informationen im Überblick.

Atlanta – In Georgia scheint plötzlich alles anders zu werden. Die Demokraten sind nämlich drauf und dran, den einst so roten Staat der Republikaner in einen blauen Bundesstaat zu verwandeln. Joe Biden ist dies bei der US-Wahl 2020 gegen Donald Trump bereits gelungen. Und auch bei den immens wichtigen Stichwahlen um zwei Senatsmandate im US-Bundesstaat Georgia haben die Demokraten bereits einen ersten Erfolg erzielt.

Raphael Warnock zieht in den Senat ein.

Der demokratische Herausforderer Raphael Warnock setzte sich bei der Abstimmung gegen die republikanische Senatorin Kelly Loeffler durch, wie die TV-Sender CNN, CBS und NBC berichteten. Ein Sieg des Demokraten Jon Ossoff gegen dem republikanischen Amtsinhaber David Perdue in der zweiten Stichwahl würde den Triumph der Demokraten komplett machen.

Stichwahl in Georgia: Raphael Warnock tritt gegen Kelly Loeffler an

Direkt nach der US-Wahl 2020 am 3. November hatten die beiden Demokraten begonnen, ihre Kräfte zu bündeln. So traten sie vor den Stichwahlen in Georgia immer wieder gemeinsam bei Wahlveranstaltungen auf, bezeichneten sich gegenseitig als „Bruder“ und nahmen vereint den Kampf gegen David Perdue und Kelly Loeffler auf. Dabei war es vor allem der Geistliche Raphael Warnock, der die demokratische Basis in Georgia belebte und die republikanische Opposition regelrecht ins Schwitzen brachte.

Die Ergebnisse der beiden Senatswahlen in Georgia am 3. November 2020

Kandidat:inStimmenProzent
Raphael Warnock (D)1.615.55032,9%
Kelly Loeffler (R)1.271.320\t25,9%
Doug Collins (R)979.052\t19,9%
17 weitere Kandidat:innen
KandidatStimmenProzent
David Perdue (R)2.462.61749,73%
Jon Ossoff (D)2.374.519\t47,95%\t
Shane T. Hazel (L) 115.0392,32%\t
Write-In9520,02%

Newt Gingrich brachte es im Vorfeld der Stichwahlen vielleicht am besten auf den Punkt. „Er ist der charismatische Pastor der wichtigsten schwarzen Kirche in Georgia - einer Kirche von enormer historischer Bedeutung“, zitiert die „Washington Post“ den ehemaligen republikanischen Sprecher des Repräsentantenhauses, der von 1979 bis 1999 einen Bezirk in der Region Atlanta vertrat, die Wirksamkeit von Warnocks Anziehungskraft. „Und er versteht es, mit einer sehr großen Gruppe von Menschen zu kommunizieren.“

Stichwahl in Georgia: Raphael Warnock sieht sich als geistiger Erbe von Martin Luther King

Seit 2005 predigt Raphael Warnock in der Ebenezer-Baptistenkirche von Atlanta, dort also, wo einst Martin Luther King tätig war. Der 51-Jährige sieht sich als Kings geistiger Erbe, der eine klare politische Botschaft vertritt. Immer wieder spricht er über soziale Gerechtigkeit, geißelt Rassismus und fordert die fundamentalen Bürgerrechte für alle Menschen in den USA ein. „Man findet nicht viele Menschen wie Pfarrer Warnock“, sagt Barack Obama. „Deshalb brauchen wir ihn in der Politik.“

Wie Martin Luther King setzte Warnock in der Vergangenheit auch auf zivilen Ungehorsam. Bei einem Protest zur Verteidigung unter Obama eingeführten Gesundheitsreform verhaftete ihn die Polizei. Später machte er erneut Bekanntschaft mit der Staatsgewalt, als er gegen Trumps Kürzungen im Sozialetat demonstrierte. Auch der Umweltschutz und LGTB-Rechte liegen ihm am Herzen.

Raphael Warnock bei einer Rede am 19. November 2020.

Warnock „trägt die Hoffnungen und Bestrebungen von Menschen mit sich, die jemanden sehen, der mit einem ähnlichen Leben aufgewachsen ist wie sie selbst“, sagt die demokratische Politikerin Stacey Abrams, die durch ihren Kampf um die Zulassung zur Wahlregistrierung weithin als Erfolgsgarantin der Demokraten in Georgia angesehen wird. „Er ist in einer Sozialwohnung in Savannah aufgewachsen. Er ist jemand, der authentisch mit ihren Sorgen und Sorgen spricht. … Deshalb ist das Feuer, das gegen ihn gerichtet wird, ein Signal dafür, wie stark er als Kandidat ist.“

Stichwahl in Georgia: Republikaner kämpfen gegen Raphael Warnock

Tatsächlich versuchten die Republikaner mit allen Mitteln, ihren politischen Kontrahenten zu diskreditieren. Als Anstoß diente ihnen dabei ein Satz, den Warnock in einer Predigt aus dem Jahr 2011 gesagt hat: „Amerika, niemand kann Gott und dem Militär dienen.“ Eine Aussage, die sich auf den Bibelvers Matthäus 6:24 bezog, in dem es heißt: „Niemand kann zwei Herren dienen.“

Am 18. November nutzten die Senatoren Marco Rubio und Tom Cotton sowie Steve Cortes, Berater von Donald Trump, gleichzeitig die Gelegenheit, um Warnock auf Twitter vorzuwerfen, er habe damit das amerikanische Militär beleidigt und sich damit quasi selbst für einen Posten im Senat disqualifiziert. Warnocks Gegnerin Kelly Loeffler sprach damals von einer „Schande“.

Doch Loeffler griff Warnock auch auf anderer Ebene an. „Er hat Fidel Castro in den 90er Jahren in seiner Kirche willkommen geheißen“, so Loeffler. „Er nannte Jeremiah Wright einen Propheten.“ Dabei bezog sich Loeffler auf Barack Obamas ehemaligen Pastor, der des Antisemitismus beschuldigt wurde und eine Brandpredigt gehalten hat, die den Satz „Gottverdammtes Amerika“ enthielt. Für Loeffler ist Warnock nichts anderes als ein linksradikaler Antifa-Kämpfer.

Stichwahl in Georgia: Raphael Warnock könnte Joe Biden eine Mehrheit im Senat bescheren

Ob die Trump-Unterstützerin mit einer solchen Rhetorik Erfolg haben wird, war im Vorfeld schwer zu sagen, zumal ja viele Trump-Fans mit einem Boykott der Stichwahl in Georgia drohten. Nun könnte Georgia in der Tat zu einem blauen Staat werden. Und gleichzeitig würden Warnock und Ossoff dem neu gewählten Präsidenten Joe Biden auch noch die entscheidende Mehrheit im Senat bescheren. (Christian Stör)

Rubriklistenbild: © Elijah Nouvelage/AFP

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