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Ukraine errichtet „höllische Falle“ an der Grenze zu Belarus

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Von: Karolin Schäfer, Katja Thorwarth, Johannes Skiba

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Die USA erwarten keinen schnellen Sieg der Ukraine gegen Russland. Derweil verlegt das russische Militär seine Truppen. Der News-Ticker.

Dieser Newsticker ist beendet. In unserem neuen Newsticker finden Sie alle aktuellen Entwicklungen im Ukraine-Krieg.

+++ 22.30 Uhr: In der ukrainischen Oblast Schytomyr an der Grenze zu Belarus werden Verteidigungsanlagen ausgebaut. Das teilte der Gouverneur der Oblast, Vitali Bunetschko, beim Kurznachrichtendienst Telegram mit. Der Verteidigungswall wird aus „Beton gegossen“, schrieb Bunetschko. Zudem sollen Schützengräben und Minenfelder eine „höllische Falle“ für die russischen Truppen im Norden bilden.

Nur noch Trümmer sind nach einem Beschuss in der Region Schytomyr noch übrig. (Archivbild)
Nur noch Trümmer sind nach einem Beschuss in der Region Schytomyr noch übrig. (Archivbild) © Ukrainian State Emergency Servic/imago

Währenddessen findet in Belarus gemeinsame Militärübung mit russischen Streitkräften statt. Die Übung soll Luftaufklärung, Grenzpatrouillen und die Evakuierung von Verwundeten verbessern, zitierte The Kyiv Independent das Verteidigungsministerium in Minsk.

Russland will mögliche Raketenabwehrsysteme in Moskau nicht kommentieren

+++ 21.40 Uhr: Der Kreml will die mutmaßlichen Raketenabwehrsysteme in Moskau nicht kommentieren. Als Kreml-Sprecher Dmitri Peskow gefragt wurde, ob er über mögliche Angriffe in Moskau besorgt sei, verwies er auf das Verteidigungsministerium. Das Ministerium sei für die „Sicherheit des Landes im Allgemeinen und der Hauptstadt im Besonderen verantwortlich“, sagte er vor Journalistinnen und Journalisten.

Medienberichten zufolge seien zuvor Pantsir-Luftabwehrsysteme auf Dächern in der russischen Hauptstadt angebracht worden. Ein Pantsir-System soll auch etwa zehn Kilometer entfernt von der Residenz von Präsident Wladimir Putin in Nowo-Ogarjowo installiert worden sein (s. Update v. 15.15 Uhr). Sicherheitsanalyst Michael Horowitz vermutete beim Kurznachrichtendienst Twitter, dass Russland möglicherweise besorgt über „ukrainische Angriffe auf Moskau“ sei.

News zum Ukraine-Krieg: USA erwarten keinen schnellen Sieg gegen Russland

+++ 19.15 Uhr: Die Chance auf einen baldigen Frieden in der Ukraine scheint verschwindend gering – davon geht US-Generalstabschef Mark Milley aus. Aus militärischer Sicht sei es „sehr, sehr schwierig“ für die Ukraine, in diesem Jahr die russischen Streitkräfte aus jedem Zentimeter der Ukraine und russisch besetzten Gebieten zu vertreiben, sagte Milley auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein. Das heiße aber nicht, „dass es nicht passieren kann“. Der Generalstabschef glaubt allerdings, dass dieser Krieg wie viele zuvor am Verhandlungstisch enden werde.

„Dies ist ein sehr, sehr blutiger Krieg“, so Milley weiter. Die Front im Ukraine-Krieg sei lang und verändere sich kaum. Er erwartet zunächst, dass der Fokus weiterhin auf der Verteidigung liegt. Je nachdem, wie schnell die Waffenlieferungen der Verbündeten und das Training der ukrainischen Soldaten mit den neuen Waffensystemen vorkäme, sei auch eine bedeutende Gegenoffensive der Ukraine möglich.

News zum Ukraine-Krieg: Russland verlegt Truppen nach Donezk

+++ 18.30 Uhr: Russland verlegt offenbar seine Truppen aus dem besetzten Mariupol über die Stadt Berdjansk in die Region Donezk. Dies teilte Petro Andrjuschtschenko, Berater des Bürgermeisters von Mariupol, beim Kurznachrichtendienst Telegram mit. 20 Lastwagen mit Soldaten und Munition seien am Donnerstag beobachtet worden.

Russland habe zudem eine neue Strategie gewählt, um die Aufbruchsstimmung in Mariupol geheim zu halten, stellte Andrjuschtschenko fest. Die Konvois bewegen sich inzwischen nur noch nachts in Richtung Berdjansk. Das russische Militär richtet in der einst schwer umkämpften Hafenstadt Mariupol ein militärisch-logistisches Zentrum ein. Zahlreiche Soldaten und militärische Ausrüstung wurden hier einquartiert, berichtete The Kyiv Independent.

+++ 17.00 Uhr: Im Donbass toben weiterhin heftige Gefechte. Die Stadt Kramatorsk in der Oblast Donezk wurde von einem russischen Raketenangriff getroffen, informierte Gouverneur Pawlo Kyrylenko über den Kurznachrichtendienst Telegram. Die Rakete sei in der Nähe eines Kindergartens eingeschlagen. Auch die Stadt Awdijiwka sei mit Artillerie beschossen worden. In Richtung Bachmut sei eine Person durch die Angriffe ums Leben gekommen, hieß es weiter.

News zum Ukraine-Krieg: Russland verkündet nächste „Befreiung“

+++ 16.00 Uhr: Neben den Kämpfen in der Ostukraine flammen auch Gefechte an der südlichen Front wieder auf. Das russische Verteidigungsministerium verkündete die Einnahme des Dorfes Klischtschiiwka südwestlich von Bachmut. Moskau erklärte, prorussische Separatisten hätten mithilfe von Artillerie und Unterstützung aus der Luft die Kontrolle über das Dorf Klischtschiiwka übernommen. Das Dorf mit rund 500 Bewohnern vor Kriegsbeginn liegt südwestlich von Bachmut, was darauf hindeuten könnte, dass Russland versucht, die strategisch wichtige Stadt einzukreisen. Das russische Verteidigungsministerium verkündete zudem die „Befreiung“ des Dorfes Lobkowe in der Region Saporischschja.

„In Richtung Saporischschja hat die Intensität der militärischen Aktivitäten stark zugenommen“, erklärte auch Wladimir Rogow, Vertreter der von Russland eingesetzten Verwaltung, im Messengerdienst Telegram. „Wenn wir die Frontlinie anschauen, gibt es im Moment überall Kämpfe“, sagte er laut der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti.

Luftabwehrsystem nahe Putin-Residenz gesichtet

+++ 15.15 Uhr: Ein weiteres Luftabwehrsystem, das fünfte in der russischen Hauptstadt, wurde in der Nähe des Dorfes Zarechye im Moskauer Bezirk Odintsovsky gesichtet. Das Dorf befindet nur zehn Kilometer von der Novo-Ogaryovo-Residenz des russischen Präsidenten Wladimir Putin entfernt. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Ukrinform unter Berufung auf den oppositionellen Telegramkanal „Sirena“, der den Hinweis von einem Leser erhalten hat. Die Angaben sind nicht unabhängig prüfbar.

In dem 22-sekündigen Video, das am 6. Januar aufgenommen wurde, ist ein Luftabwehrfahrzeug zu sehen. Der Leser erklärte, er habe das System entdeckt, nachdem er durch ein lautes Geräusch gestört wurde. Seiner Vermutung nach handelt es sich um das System „Pantsir S1“.

Noch keine Entscheidung in der Panzerfrage

+++ 14.05 Uhr: Beim Verteidigungsminister-Treffen in Ramstein gibt es bislang keine Entscheidung über die Lieferung von „Leopard“-Kampfpanzern. Das hat Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius auf dem dortigen US-Luftwaffenstützpunkt erklärt. Aber er habe seinem Ministerium heute Morgen den Auftrag erteilt, eine Prüfung vorzunehmen über die Bestände von „Leopard“-Panzern, so Pistorius.

+++ 14.00 Uhr: Der frühere ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, hat die Bundesregierung aufgefordert, den Widerstand gegen Leopard-Lieferungen in die Ukraine aufzugeben. „Wir rufen den neuen Verteidigungsminister Boris Pistorius auf, dieses Panzer-Kasperltheater heute in Ramstein zu beenden und die Lieferung von deutschen Leoparden sofort auf den Weg zu bringen“, sagte Melnyk am Freitag der Süddeutschen Zeitung am Rande des Ramstein-Treffens.

Deutschland dürfe sich nicht mehr hinter dem Rücken der Amerikaner verstecken. „Es ist immer noch nicht zu spät, wahres Leadership zu demonstrieren, um die Ukraine vorbehaltlos mit allen verfügbaren Waffen der Bundeswehr und deutschen Rüstungsindustrie zu stärken“, sagte er. Melnyk ist inzwischen stellvertretender Außenminister seines Landes.

+++ 13.25 Uhr: Das russische Verteidigungsministerium hat die Einnahme der Ortschaft Klischtschijiwka am Südrand der als strategisch wichtig geltenden Kleinstadt Bachmut verkündet. „Im Donezker Gebiet wurde von Freiwilligen der Sturmtruppen mit Unterstützung der Luftwaffe, der Raketenstreitkräfte und der Artillerie die Ortschaft Klischtschijiwka befreit“, sagte Militärsprecher Igor Konaschenkow am Freitag in Moskau. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. An der Front im Raum Bachmut im Osten der Ukraine finden derzeit schwere Gefechte statt.

In der vergangenen Woche hatte die russische Seite bereits die Eroberung der Stadt Soledar nördlich von Bachmut gemeldet. Die ukrainische Regierung bestätigte den Verlust bislang nicht, es mehren sich allerdings die Hinweise dafür. Ein Kommandeur erklärte beispielsweise, dass die russische Armee weite Teile des Gebiets unter Kontrolle haben. Laut Angaben des britischen Geheimdienstes zog das ukrainische Militär bereits am Montag ab.

Russland reagiert auf Ramstein-Konferenz – Panzer-Lieferungen „ändern nichts“

+++ 11.20 Uhr: Vor dem Hintergrund des Treffens der sogenannten Ukraine-Kontaktgruppe in Ramstein hat der Kreml sich überzeugt von einem Sieg Russlands gezeigt. Westliche Panzerlieferungen würden in der Ukraine „nichts ändern“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Freitag in Moskau. Der Westen habe die „dramatische Wahnvorstellung“, dass die Ukraine Erfolg „auf dem Schlachtfeld“ haben könnte.

„Man sollte die Bedeutung solcher Lieferungen mit Blick auf die Fähigkeit, etwas zu ändern, nicht übertreiben“, sagte Peskow vor Journalisten mit Blick auf die Debatte über weitere Militärhilfen an die Ukraine. „Es wird der Ukraine weitere Probleme schaffen, aber es wird nichts ändern mit Blick auf den Vormarsch Russlands auf dem Weg zum Erreichen seiner Ziele“, fügte Peskow hinzu. Der Konflikt in der Ukraine entwickle sich in einer „Aufwärtsspirale“.

+++ 11.00 Uhr: Zum Auftakt des Treffens der Ukraine-Kontaktgruppe in Ramstein hat US-Verteidigungsminister Lloyd Austin dazu aufgerufen, die Anstrengungen zur Unterstützung der Ukraine zur Abwehr des russischen Angriffskrieges weiter zu verstärken. Der Kampf der Ukraine gegen die russische Invasion befinde sich derzeit in einem „entscheidenden Moment“, sagte Austin am Freitagmorgen auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz. Es sei daher nicht der Zeitpunkt nachzulassen.

„Das ukrainische Volk sieht uns zu. Der Kreml sieht uns zu. Und die Geschichte sieht uns zu“, sagte Austin an die Teilnehmer des Treffens gewandt. Es gebe keinen Zweifel daran, dass „wir die Selbstverteidigungskräfte der Ukraine so lange unterstützen werden, wie es nötig sein wird“, fügte er hinzu.

Ramstein-Konferenz: USA mit eindringlichem Appell

+++ 10.20 Uhr: Die russische Söldnertruppe Wagner befehligt nach Einschätzung britischer Militärexperten bis zu 50.000 Kämpfer in der Ukraine. Das geht aus dem täglichen Geheimdienst-Update des Verteidigungsministeriums in London am Freitag hervor. Demnach sind die Söldner inzwischen zu einer „Schlüsselkomponente“ in Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine geworden.

Diese Information könnte eine Rolle dahingehend spielen, wie sich die Nato über weitere Waffenlieferungen für die Ukraine verständigt. Unklar ist die Haltung Deutschlands.

Ramstein-Konferenz: Selenskyj verliert die Geduld – „Kannst du Leoparden liefern? Dann gib‘ sie her!“

Erstmeldung vom Freitag, 20. Januar, 7.30 Uhr: Ramstein – Am heutigen Freitag blickt die Welt auf den in Rheinland-Pfalz gelegenen Ort Ramstein. Dort findet ein Treffen der westlichen Alliierten statt. Die Nato-Staaten werden vor allem über weitere Waffenlieferungen für den Ukraine-Krieg sprechen. Unklar ist indes, ob Deutschland einer Kampfpanzer-Lieferung zustimmen wird.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisierte in einem von der ARD ausgestrahlten Interview das Zögern der Bundesregierung in Bezug auf die Lieferung der Panzer: „Ihr seid doch erwachsene Leute. Sie können gerne noch sechs Monate lang so reden, aber bei uns sterben Menschen - jeden Tag.“ Anschließend ergänzte er: „Im Klartext: Kannst du Leoparden liefern oder nicht? Dann gib‘ sie her!“

Ukraine-Krieg: Selenskyj fordert vor Ramstein-Konferenz Waffenlieferungen

„Es ist ja nicht so, dass wir angreifen, falls sich da jemand Sorgen macht“, so Selenskyj weiter. „Diese Leoparden werden nicht durch Russland fahren. Wir verteidigen uns.“ Gleichzeitig unterstrich er seine Dankbarkeit für die bisher geleistete militärische Hilfe im Ukraine-Krieg: „Wir sind dankbar. Ich will, dass alle das hören: Wir sind Deutschland dankbar.“

Deutschlands neuer Verteidigungsminister Boris Pistorius, der ebenfalls am Treffen in Ramstein teilnehmen wird, zeigte sich in Bezug auf die viel diskutierten Kampfpanzer-Lieferungen zurückhaltend. Deutschland werde eine „souveräne Entscheidung“ treffen und verwies gleichzeitig auf Bundeskanzler Olaf Scholz und US-Präsident Joe Biden, die diese Frage laut Pistorius letztendlich klären müssen. Dennoch sei er sich sicher, „dass wir in den nächsten Tagen eine Entscheidung dazu bekommen werden. Wie die aussehen wird, kann ich Ihnen aber heute noch nicht sagen“, wie er im ARD-Brennpunkt äußerte.

Ramstein-Konferenz: Weitere offene Fragen zu deutschen Waffenlieferungen für den Ukraine-Krieg

Während Deutschland also nach wie vor unentschlossen ist, gaben sowohl die USA als auch Großbritannien weitere Militärhilfen für den Ukraine-Krieg bekannt. Ob die Bundesregierung im Rahmen der Ramstein-Konferenz auch anderen Länder die Lieferung von in Deutschland hergestellten „Leopard“-Panzern freigibt, ließ der neue Außenminister ebenfalls offen: „Das wird sich in den nächsten Stunden oder morgen früh herausstellen.“ Nicht zwangsläufig würden bei einer Lieferung Kampfpanzer vom Typ „Leopard“ versendet werden. Auch der Panzer-Typ „Bradley“ scheint eine Option zu sein. Somit ergeben sich vor dem Nato-Treffen einige Fragen, die sich vor allem um die deutsche Haltung zu Waffenlieferung drehen. (red mit dpa/AFP)

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