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Letzter Blick auf das rote Baumhaus kurz vor der Räumung am 26. September.

Hambacher Forst

Für die Räumung gerodet

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Konzern und Behörde widersprechen Vorwürfen der Waldschützer, RWE hätte entgegen der Versicherung bereits die Infrastruktur für die Rodungsarbeiten geschaffen.

Im Zuge der Räumung der von Aktivisten besetzten Baumhäuser, die seit Anfang September in vollem Gange ist, wurden nicht bloß Barrikaden von den Waldwegen geräumt und insgesamt 77 Baumhäuser aus den Wipfeln geholt und zerstört, sondern offenbar auch schon Infrastruktur für Rodungsarbeiten geschaffen, wie Augenzeugen berichten. Sobald die Baumfäller weitergezogen seien, hätten Lastwagen bergeweise Schotter in den Wald gekippt, der mit schwerem Gerät zu breiten Transportwegen verdichtet worden sei.

In der Nähe des Kieswerks an der Ostseite des Waldes soll ebenfalls ein breiter Weg angelegt worden sein, außerdem würden dort erste Container zur Unterbringung von Arbeitern aufgestellt. An der nördlichen Kante des Waldes Richtung Westen wurden ebenfalls Bäume gefällt und eine etwa zwei Fußballfelder große Fläche planiert. 

Auf Anfrage betont RWE-Sprecher Olaf Winter, der Konzern halte sich „an die Stillhaltezusage, vor Mitte Oktober nicht zu roden“. Die beschriebenen Maßnahmen erfolgten „ausschließlich auf Anweisung der zuständigen Behörden“. Damit die Krane, die zur Räumung der Baumhäuser eingesetzt werden, sicher arbeiten könnten, müssten Schotterwege zu den Baumhäusern angelegt werden. „Auf Höhe der Baumhaussiedlung wurde zudem für die Räumungskrane eine stabile Stellfläche mit Schotterdecke geschaffen“, sagt Winter. RWE agiere im Hambacher Forst lediglich „als Verwaltungshelfer für die Behörden, die diesen Einsatz leiten“.

Bezüglich der beschriebenen Container gab Winter an, diese hätten schon lange vor Beginn der Räumung auf dem Betriebsgelände im Vorfeld des Tagebaus gestanden: „Wir waren gezwungen, diese aufzustellen, um dahinter unsere Technik vor dem nächtlichen Beschuss mit Steinen und Molotowcocktails zu schützen.“ 

Auch bei der Bezirksregierung Arnsberg gab es bisher keinen Anlass, daran zu zweifeln, dass RWE sich an die Vorgaben halte. Die Behörde wacht über die Einhaltung der Auflagen des sogenannten Hauptbetriebsplans, den RWE für den Hambacher Forst ausgearbeitet hat. Ein Mitarbeiter der Behörde sagte der FR am Freitag, bisher sei „alles im Bereich der Vorbereitungen rechtlich in Ordnung“. 

Die Rodung von Bäumen rechts und links der Waldwege sei an manchen Einsatzstellen „notwendig gewesen, um für die Polizei einen Sicherheitsstreifen zu schaffen“, damit patrouillierende Kräfte nicht von den Bäumen aus mit Stöcken oder auch Fäkalien beworfen werden könnten.

Ob aber im Zuge dieser Rodungen „die Grenzen des Erlaubten verletzt werden“, dazu könne er „konkret nichts sagen“. Der Eindruck, hier würden große Flächen gerodet und planiert, entstehe vermutlich auch, weil an vielen Stellen Stichwege verbreitert werden müssten, um an die „strategisch im Wald verteilten Baumhäuser“ heranzukommen. 

Erst vor ein paar Tagen hatten Polizisten Platzverweise im Hambacher Forst erteilt – und zwar „bis Ende der Rodungsarbeiten“. Was manche Aktivisten vor Ort stutzig machte, scheint ein Versprecher gewesen zu sein. Denn dass im Hambacher Forst geräumt und nicht gerodet werde, betont auch die Sprecherin des Polizeipräsidiums in Aachen. „Das ist keine Rodung! Die Wege werden angelegt, um die Räumung zu vollziehen.“ 

Augenzeugen berichteten, einzelne Beamte seien in der vergangenen Woche übertrieben brutal vorgegangen. Die Journalistin Anett Selle, die für die „taz“ berichtet, hatte am Donnerstag ein Video veröffentlicht, das so eine Szenen zeigt. Laut Polizei würden solche Vorfälle nur kommentiert, wenn Ort, Datum und beteiligte Personen bekannt seien. 

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