1. Startseite
  2. Politik

Rätselraten um Soledar

Erstellt:

Von: Peter Rutkowski

Kommentare

Rauch steigt über der Stadt Soledar auf.
Rauch steigt über der Stadt Soledar auf. © dpa

Moskau frohlockt, Kiew dementiert: Eine Eroberung der ostukrainischen Stadt bedeutet nicht automatisch, dass auch Bachmut fällt.

Erstmal bleibt es wie zuvor: Das Trümmerfeld namens Soledar ist erst in russischer Hand, wenn die ukrainische Armee nachweislich aus dem Ort abgerückt ist. Bis dahin ist alles nur Gerede. Oder russischer „Hyperrealismus“, die Putin-Variante von Sowjetpropaganda, die Wunschdenken zu Realität erklärt, weil die Wahrheit unerträglich scheint.

Aber angenommen, Soledar sei aufgegeben: Folgt daraus, dass das zehn Kilometer südlich gelegene Bachmut selbstverständlich auch in russische Hände fällt?

Nein. Westliche Fachleute mutmaßen, die Russen könnten es auf die Nord-Süd-Achse T-05-13 abgesehen haben, die Straße für Nachschub und als Sprungbrett nach Bachmut nutzen wollen. Wenn dem so ist: Von T-05-13 sind sie noch gut drei Kilometer entfernt. Dazwischen sind zwei Bahnlinien. Bahndämme sind nicht die schlechtesten Verteidigungsstellungen. Und vor Bachmut liegen von Soledar aus noch zwei Orte: Krasna Hora und Paraskowijiwka. Auch die können verteidigt werden.

Aber russische Offizielle verbreiten, sie könnten von Soledar aus Bachmut umfassen, einkesseln und einnehmen – ganz einfach, praktisch schon erledigt. Wenn der Weg nach Süden frei ist – vielleicht. Wahrscheinlich ist das nicht. Für eine tatsächliche Umfassung – im Jargon „Zangenbewegung“ – müssten südlich von Bachmut russische Einheiten nach Norden stoßen. Dort bewegt sich aber noch weniger als in Bachmut seit Monaten. Die russischen Ansagen negieren auch völlig die Existenz einer ukrainischen Armee, die viel größere Rückschläge hat wegstecken und dann zurückschlagen können.

Kiew dementiert eisern den Verlust von Soledar. Das kann durchaus Propaganda sein. Wichtiger ist, wovon Kiew nicht spricht: Hilfe aus dem Westen, gestaffelte Verteidigung in der Tiefe Dank eienr Führung, die ihre Lektionen von 2014 gelernt haben, motivierte Streitkräfte als Ausdruck einer erstmals selbstbewussten Nation und intelligente taktische Ideen, die den Russen immer einen Schritt voraus sind.

Auch interessant

Kommentare