Saud-Arabien

Radiologin in Schlüsselposition

  • schließen

Die Saudis nominieren die zweite Ministerin in der Geschichte ihres Königreichs. Im Gegensatz zur ersten aber hat Tammar al-Rammah einen mächtigen Schutzpatron.

Mit Statistiken kennt Tamader al-Rammah sich aus, sie ist Radiologin, hat über die Wirkung von Röntgenstrahlungen auf den Menschen geforscht, über das Wissen von Kinderärzten, die Gefahren von Computertomographie, die Zufriedenheit von Medizinstudenten mit ihrer Ausbildung, die Gründe für die schlechte Fitness saudischer Frauen. Jetzt wird die 40-Jährige als erste Frau unter König Salman in die Regierung des Königreichs berufen: Vizeministerin im Arbeitsministerium.

Rammah ist somit Co-Chefin eines der wichtigsten Ressorts im Staate. Denn im Zentrum der Vision 2030 von Kronprinz Mohammed bin Salman steht vor allem der Arbeitsmarkt, die Integration der Frauen in selbigen und die „Saudisierung“, mit der die derzeit noch zehn Millionen ausländischen Arbeitskräfte Zug um Zug durch Einheimische ersetzt werden sollen.

Bislang jedoch sind Frauen auf dem saudischen Arbeitsmarkt immer noch völlig unterrepräsentiert, auch wenn das Königshaus ihnen in letzter Zeit mehr und mehr Türen geöffnet hat. Von Juni an dürfen sie Auto fahren, seit kurzem auch eine eigene Firma gründen, ohne die Zustimmung ihres Mannes oder männlichen Vormunds vorweisen zu müssen. In vier der 13 Provinzen können Frauen sich jetzt sogar beim Militär bewerben. Auch bei der Polizei sollen künftig Kommissarinnen ermitteln. Als kürzlich 140 Frauenstellen für Passkontrollen an den Flughäfen ausgeschrieben wurden, bewarben sich 107 000.

In der Geschichte des erzkonservativen Saudi-Arabiens ist Rammah erst die zweite Frau, die ein Ministeramt bekleidet. Die erste war 2009 Norah al-Fayez, Vizeministerin für Mädchenbildung. Sie wurde 2015 auf Druck religiöser Kreise von dem damals neu inthronisierten Salman entlassen, weil sie sich für Sportunterricht an Mädchenschulen eingesetzt hatte. Inzwischen ist dies kein Thema mehr, schießen Fitness-Zentren für Frauen wie Pilze aus dem Boden, dürfen Frauen in Stadien bei Fußballspielen und Konzerten mit dabei sein.

Tamader al-Rammah, die via Twitter die WM-Auslosung für die saudische Elf genau kommentierte, studierte zunächst in Riad. 2007 promovierte sie in Manchester in Radiologie und Medizintechnik. Seit 2016 ist sie nun Assistenz-Professorin an der König-Saud-Universität in Riad. 2016 sprach sie für das Königreich vor der UN-Menschenrechtskommission in Genf. Damals verteidigte sie das Reformtempo gegen westliche Kritiker, auch wenn sie einräumte, dass noch ein langer Weg zu gehen sei. Ihr Land habe zahlreiche Schritte eingeleitet, die von anderen Staaten empfohlen worden seien, sagte sie. „Viele Leute aber machen sich nicht klar, dass vor allem die Saudis selbst diese Fortschritte wünschen und nicht nur, um der internationalen Gemeinschaft zu gefallen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion